Gábor Király bewirbt sich um einen Torwart-Posten bei Hertha BSC – allerdings nur zum Scherz.
Foto: Imago Images

BerlinHertha BSC startet an diesem Dienstag in die Vorbereitung auf die neue Saison. Wegen der Millionen von Unternehmer Lars Windhorst steht der Berliner Fußball-Bundesligist unter Erfolgsdruck. Unser Autor hat ehemalige Hertha-Profis, Manager und Sympathisanten nach ihren Erwartungen gefragt.

Gábor Király lacht am Telefon und sagt: „Ich bin vorbereitet, ich bin bereit!“ Herthas ehemaliger Kultkeeper, 44, weiß, dass der Bundesligist einen Konkurrenten für Torhüter Rune Jarstein,35, sucht. Der Ungar, der einst 198 Erstligaspiele für Hertha bestritt, wird ernst: „Trainer Bruno Labbadia hat zuletzt in Berlin einen guten Job gemacht. Wenn es so weitergeht, traue ich dem Team einen Platz unter den ersten Sechs in der Tabelle zu, also das Erreichen des internationalen Geschäfts.“ Außerdem: „Dass Arne Friedrich nun Sportdirektor geworden ist, finde ich gut. Als ehemaliger Nationalspieler ist er eine starke Identifikationsfigur. Eine gute Wahl.“

Dieter Hoeneß betreibt in München eine Berater-Firma, der 67-Jährige sagt: „Da die Transferphase noch lange andauern wird, ist es schwierig, eine Prognose über die Chancen der Hertha abzugeben. Trainer Labbadia hat nun mehr Zeit, das Team genauer kennenzulernen.“ Hoeneß, von 1996 bis 2009 Herthas Manager, holte in seiner Zeit 107 Spieler und gab dafür 75,3 Millionen Euro an Ablösesummen aus. So viel investierte Hertha im Januar 2020 in nur vier namhafte Profis! Hoeneß bleibt vorsichtig: „Mit Hertha, das ist Fakt, wird es auf jeden Fall nach oben gehen. Wie weit, ist offen.“

Andreas Schmidt-Schaller kommt gerade von Dreharbeiten für einen neuen Erzgebirgs-Krimi im ZDF. Der Schauspieler, 74, ist schon seit vielen Jahren Mitglied bei Hertha BSC, sympathisiert als Berliner Fußballfan aber auch mit dem 1. FC Union, er sagt: „Für mich ist es das Schönste, das wir zwei Erstligaklubs in der Stadt haben. Michael Preetz muss nun klug mit dem Windhost-Geld umgehen und auf dem Transfermarkt zuschlagen. Ich traue der Mannschaft sogar das Erreichen der Champions League zu. Ich wünsche es ihnen.“

Marko Rehmer war Profi bei Union und Hertha. Der 48-Jährige, Stammgast im Olympiastadion, galt einst unter Teamchef Rudi Völler als „schnellster Nationalspieler“, da er die 30 Meter in 3,72 Sekunden absolvierte. Er sagt: „Hertha wird sich noch auf einigen Positionen verstärken, auch einen neuen Torhüter holen. Das kann ein exzellenter Kader werden. Die Mannschaft hat zuletzt unter Bruno Labbadia gezeigt, zu welchen Leistungen sie fähig ist und das sie viel Potenzial besitzt. Europa kann und muss nun das Ziel sein.“

Lewan Kobiaschwili spielte vier Jahre für Hertha und ist seit Ende 2015 Präsident des Georgischen Fußball-Verbandes. Der 43-Jährige sagt: „Wenn das Team noch sinnvoll verstärkt wird, hat es das Zeug, die Europa League zu erreichen. Aber Geld allein ist noch keine Garantie, um schnell ganz oben mitzuspielen.“ Der 100-malige Nationalspieler ist sich aber sicher: „Die Verantwortlichen werden vernünftig mit den enormen Mitteln des Investors umgehen. Und wenn die Mischung stimmt aus starken und erfahrenen Profis und Nachwuchsspielern aus der eigenen Akademie, wird es weit nach oben gehen.“

Reiner Calmund ist als Manager mit Bayer Leverkusen viermal Meisterschaftszweiter geworden. Der 71-Jährige sagt: „Geld ist nicht alles, aber für Hertha ist der Investor ein Glücksfall. Der blickt Richtung Paris oder London mit den erfolgreichen Hauptstadtklubs wie Paris St. Germain oder Chelsea. Auch für Berlin und Hertha sollte das irgendwann möglich sein. Das Führungstrio Gegenbauer, Preetz und Schiller hat schon Top-Niveau, es darf nun keine Eitelkeiten geben. Sie haben Kapital, gutes Personal, brauchen aber ein modernes Stadion. Sie sollten sich nun für die Europa League qualifizieren und danach als Ziel die Champions League angehen.“

Frank Zander, Berliner Urgestein, Entertainer und Sänger der Hertha-Hymne „Nur nach Hause …“, glaubt, dass für Hertha „Platz 6 in der neuen Saison sehr gut wäre. Mit dem vielen Geld wird mein Verein dem Mittelmaß endlich entgehen“. Der 78-Jährige fiebert dem ersten Heimspiel im Olympiastadion entgegen. „Ich will endlich wieder live die Hymne singen, egal, wie viele Fans in der Ostkurve stehen dürfen. Es wird höchste Zeit!“