Eliud Kipchoge ist bereit für eine weitere Hatz über die Marathon-Strecke.
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Berlin/LondonEliud Kipchoge und Kenenisa Bekele reisten mit dem Privatjet an, igelten sich tagelang in ihrer Hotel-Blase ein – doch das Duell der Laufgiganten beim London-Marathon fällt trotz aller Coronavorkehrungen aus. Allerdings nicht wegen des allgegenwärtigen Virus, sondern wegen einer fast schon „alltäglichen“ Verletzung.

„Ich war in guter Verfassung, aber dann habe ich mir eine kleine Verletzung an meiner linken Wade zugezogen. Ich wurde seitdem immer behandelt, und ich habe wirklich geglaubt, dass ich es schaffe. Aber heute wurde es schlimmer und ich weiß, dass ich nicht starten kann“, sagte der dreimalige Bahn-Olympiasieger Bekele am späten Freitagnachmittag.

In einer von der Pandemie fast vollständig stillgelegten Saison war das Aufeinandertreffen zwischen Weltrekordler Kipchoge (2:01:39 Stunden) und Bekele, mit 2:01:41 zweitbester Marathonläufer der Geschichte, ein Lichtblick für viele Laufenthusiasten. Denn während die großen Stadtmarathons reihenweise abgesagt wurden, entschieden sich die Veranstalter in London zu einer coronakonformen Austragung.

Ohne Zuschauer, nur mit Eliteläufern und auf einem abgesperrten Rundkurs im St. James's Park. Mit dem Top-Duell als Höhepunkt - und einem möglichen Weltrekord als Sahnehäubchen. Den muss Kipchoge, der seinen fünften Sieg in London anstrebt, nun höchstwahrscheinlich im Alleingang schaffen. „Ich bin bereit“, sagte er. Im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten.

Für den deutschen Rekordhalter Arne Gabius geht es dagegen aller Voraussicht nach nicht um den Sieg - sondern um seinen Traum von den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Tokio. 2:11:30 Stunden lautet die Olympianorm, die er mit prominenter Hilfe schaffen will. Niemand Geringeres als das britische Lauf-Idol Mo Farah, viermal Olympiasieger auf der Bahn, wird als Tempomacher für die Läufer agieren, die die Normzeit angreifen wollen.

„Ich denke, eine Zeit zwischen 2:10 und 2:11 Stunden müsste am Sonntag in London möglich sein“, sagte Gabius bei Leichtathletik.de: „Verglichen zu meinen Marathon-Vorbereitungen für Frankfurt 2018 und New York 2019 müsste die Form sogar etwas besser sein.“ Auf dem schwierigen Kurs in der US-Metropole hatte Gabius mit Platz elf überzeugt.

Zuletzt habe Gabius, der seit Anfang September als Assistenzarzt in einem Stuttgarter Krankenhaus arbeitet, im Alleingang im Training 40 Kilometer unter 2:10:00 Stunden absolviert. „Ich muss mich voll konzentrieren und dann immer hinter Mo Farah bleiben“, sagt Arne Gabius.

„Dass wir am Sonntag fast 20 Runden laufen, ist für mich nicht problematisch. Ich habe früher oft auf einer 200-Meter-Hallenbahn trainiert. Ich denke, dieser Londoner Kurs müsste schneller sein als eine normale Strecke“, sagte er. Und hofft trotz eines Geisterrennens zumindest auf ein bisschen Unterstützung vom Band: „Vielleicht gibt es ja zumindest irgendwo Musik.“