Bereit für ein neues Turnier:  Im Horst-Korber-Zentrum finden von diesem Wochenende an die Hockey-Europameisterschaften statt.
Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Berlin-CharlottenburgDie Fahnen der acht teilnehmenden Mannschaften hängen bereits, die Tribünen sind ausgefahren, das Spielfeld ist aufgebaut. Auch wenn noch ein paar kleine Details zu erledigen sind, ist die Dreifelderhalle im Horst-Korber-Sportzentrum schon an diesem Mittwochnachmittag für die bevorstehende Hallenhockey-Europameisterschaft vorbereitet. Für Friedhard Teuffel, den Direktor des Landessportbunds Berlin (LSB), ist es noch immer „eine der schönsten Sporthallen in Berlin“. Das Wort „wieder“ trifft diese Beschreibung allerdings besser. Denn dass die Sporthalle mit der hübschen Holzoptik und dem lichtdurchlässigen Dach an diesem Wochenende Spielstätte für eine Europameisterschaft sein würde, daran war vor drei Jahren noch nicht zu denken.

Dort, wo an diesem Mittwochnachmittag gerade die belgische Nationalmannschaft gut gelaunt vorgefahren kommt und sich gleich an die Bedingungen vor Ort gewöhnen will, wurden bis zum Mai 2016 rund 35 000 Geflüchtete untergebracht. Sie hatten Spuren hinterlassen. Keine Spuren der Verwüstung, sondern Spuren einer Nutzung, für welche so eine Sporthalle eben nicht gebaut wird. In der Dreifelderhalle hatte der Unterbau durch die ungewohnte Belastung solche Schäden davongetragen, dass er komplett saniert werden musste, genauso wie die Lüftungsanlage. Es sind die größten Kostenstellen der insgesamt 3 880 435,02 Euro, die für die Sanierung des Horst-Korber-Sportzentrums, welche die Dreifelderhalle und die Rudolf-Harbig-Halle umfasst, benötigt wurden.

Verspätung von einem Monat

Bei einem Rundgang mit Friedhard Teuffel und Jens Krüger, dem Abteilungsleiter für Finanzen und Verwaltung im LSB, lassen sich die Schäden rund drei Jahre nach Beginn und zwei Jahre nach Fertigstellung der Sanierung natürlich nicht mehr direkt sehen. Es braucht schon den Hinweis und den genauen Blick, um einige Arbeiten zu erkennen. In den Umkleidekabinen etwa wurden die Fließen komplett ausgetauscht.

„Die Fließen darüber sind noch die alten“, sagt Jens Krüger. Und sie sehen etwas dunkler aus. Wer es nicht weiß, erkennt das aber nicht. Auch der rote PVC-Boden in den Gängen vor den Umkleidekabinen sieht so aus, als würde er dort schon ewig liegen. Doch ist auch seine Farbe noch etwas kräftiger, wenn man ihn neben dem nicht ausgetauschten Boden des anliegenden Verwaltungsgebäudes sieht. Auch die Fußböden, Bänke und Toiletten in den Umkleidekabinen wurden erneuert und entsprechen natürlich heutigen Standards. Zudem wurden Armaturen, Türen, Spiegel und die Küche saniert. Bei den Gesamtkosten der Sanierung „haben wir etwas überzogen“, so Krüger. Und auch beim Bau habe man nur eine Verspätung von einem Monat gehabt.

Halle wurde im Januar 2018 freigegeben

Konnte man die Dreifelderhalle erst im Januar 2018 wieder freigeben, so war die benachbarte Rudolf-Harbig-Halle bereits im Dezember 2017 fertig. „Ein großes Problem war der TÜV, gerade bei der Lüftung und Brandmeldeanlage“, berichtet Jens Krüger. Und als man den Sand in der Harbig-Halle ausgeschachtet hatte, „wussten wir nicht, wie viel da drin ist. Dabei haben wir festgestellt, dass es bei einer Grube nicht mal ein Fundament gab“, sagt er.

Von diesen Problemen ist an diesem Mittwoch nichts mehr zu sehen. In dieser Woche wurden für die Leichtathleten Tests für die Aufnahme zur Eliteschule durchgeführt. Auch hier erinnert nichts mehr daran, dass hier gerade Flüchtlinge angekommen waren und der Leistungssport erst einmal ruhte.

Normalität im Horst-Korber-Zentrum

Anders als in der Dreifelderhalle war die Lüftungsanlage nicht ganz so sehr in Mitleidenschaft gezogen und konnte während der Sanierung gereinigt werden. Auch der Boden hatte nicht ganz so sehr unter der Belastung gelitten, ein neues Granulat musste dennoch drauf. „Es ist aber immer der gleiche Boden wie im Olympiastadion“, sagt Jens Krüger und erzählt eine Anekdote von Wundersprinter Usain Bolt, der sich vor das eigene Haus eine Laufbahn aus dem Material der Berliner Untergrunds hat legen lassen.

Die Hallenhockey-Spieler kämpfen um Platz eins in Europa.
Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

Man merkt ihm und auch den anderen Mitstreitern des Horst-Korber-Sportzentrums an, dass sie zwei Jahre nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder zur Normalität zurückgekehrt sind. Die Rudolf-Harbig-Halle befindet sich längst wieder in den Händen des Olympia- und Leistungsstützpunktes der Berliner Leichtathleten und auch die Dreifelderhalle begrüßt neben ihrem Trainings-Stammpublikum wie den BR Volleys oder den Spreefüxxen auch besondere Gäste wie die koreanische Handball-Nationalmannschaft, die vor der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hier ihr Trainingslager aufgeschlagen hatte.

Feuertaufen der Funktionalität der Hallen hat es in den Berlin Open im Bogenschießen, den Sommercamps des Berliner Leichtathletikverbandes, dem Floorball-Bundesfinale oder den German Open im Karate schon einige gegeben. Eine der schönsten Sporthallen der Hauptstadt ist optisch und technisch wieder bereit für große Veranstaltungen: In den kommenden Tagen profitieren die Hockeyspieler davon.