Hertha BSC hat einen neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates des Hertha BSC e.V. Der ehemalige Verlagsmanager Torsten-Jörn Klein, 54, ein gebürtiger Berliner, wurde am Dienstagabend auf der konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrates – des höchsten Kontrollorgans des Bundesligisten – zum neuen Chef bestimmt. Sein Stellvertreter ist Andreas Schmidt, 44, der ehemalige beliebte Bundesliga-Profi der Hertha.

Auf der Mitgliederversammlung Mitte Mai hatte Klein bei den Wahlen das zweitbeste Resultat aller Kandidaten erzielt (843 Stimmen). Nur Andreas Schmidt stand in der Gunst noch höher (957 Stimmen). Der bisherige Aufsichtsratschef Bernd Schiphorst, 75, musste überraschend in den zweiten Wahlgang gehen. Ein Teil der Mitglieder, besonders einige Fangruppen, hatten Schiphorst vorgeworfen, zu wenig bei den Vorbereitungen des 125. Geburtstages des Vereins eingebunden worden zu sein. Schiphorst, der das Amt des obersten Kontrolleurs zehn Jahre innehatte, wird dem Gremium weiter mit seiner Erfahrung zur Verfügung stehen und Teil des Rates bleiben. Weiter gehören Scott Körber und Klaus Brüggemann dem fünfköpfigen Aufsichtsrat an.

Kaffee für die Reporter

Klein arbeitet bereits seit 2004 im Aufsichtsrat mit. Er promovierte an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst und begann seine berufliche Karriere beim Bertelsmann-Konzern. Ab 1999 arbeitete er als Geschäftsführer des Berliner Verlages und wurde später in den Vorstand von Europas größtem Zeitschriftenkonzern Gruner+Jahr berufen. Von 2009 an verantwortete er als Auslandsvorstand alle Aktivitäten des Konzerns in 35 Ländern. Nach seinem Ausscheiden bei Gruner+Jahr führt er als Inhaber und Geschäftsführer ein von ihm selbst gegründetes Internetunternehmen.

Eine kleine Episode beschreibt Klein sehr treffend. Im Jahr 2002/2003 war die Mannschaft von Hertha BSC im Uefa-Pokal sehr erfolgreich. Nach dem FC Aberdeen, Apoel Nikosia und dem FC Fulham, die man ausschaltete, traf Hertha auf Boavista Porto. Nach einem 3:2-Sieg im Olympiastadion unterlag Hertha in Porto mit 0:1 und schied unglücklich aus. Klein saß auf der Pressetribüne im kleinen Stadion Do Bessa in Porto. Er begleitete die beiden Hertha-Reporter der Berliner Zeitung und des Berliners Kuriers aus seinem Verlag. Als Chef des Hauses am Alexanderplatz wollte er einmal hautnah erleben, unter welchen Bedingungen die Redakteure seines Verlages arbeiten. Klein war sich nicht zu schade, seinen Reportern ständig Kaffee zu bringen und sie symbolisch zu unterstützen.

Torsten-Jörn Klein suchte stets den Kontakt zur Basis und das wird er auch bei Hertha BSC so halten und noch verstärken. An diesem Versprechen will ersich messen lassen: „Die Wiederaufnahme des Dialogs mit unseren Fanclubs, auch mit unzufriedenen Anhängern, ist mir wichtig.“ Auch die Suche nach neuen Investoren wird Klein mit seinem internationalen Netzwerk weiter ankurbeln und Präsidium und Geschäftsführung unterstützen. „Aber dabei muss Hertha stets der Herr im eigenen Hause bleiben“, so Klein zu diesem sensiblen Thema.