Das lange Warten auf die Frauen-Tournee: „Eine Unverschämtheit“

Eine Vierschanzentournee für Frauen ist trotz großer Pläne weiter nicht in Sicht. Bei den Springerinnen wächst der Unmut.

Katharina Althaus hat für eine Frauen-Tournee ihre Karriere fortgesetzt. Die Premiere wird sich jetzt aber weiter verzögern.
Katharina Althaus hat für eine Frauen-Tournee ihre Karriere fortgesetzt. Die Premiere wird sich jetzt aber weiter verzögern.dpa/Philipp von Ditfurth

Karl Geiger und Katharina Althaus trennen derzeit nur 280 Kilometer, und doch liegen Welten zwischen den Skisprung-Assen aus Oberstdorf: Wenn Mitfavorit Geiger am Donnerstag bei der Vierschanzentournee vor 25.000 Fans in seiner Heimat auf Weitenjagd geht, startet die Olympia-Zweite Althaus auf der kleinen Schanze im österreichischen Villach vor einer Handvoll Fans. Schanzengleichheit? Fehlanzeige.

„Katharina ist ja eine Klubkollegin von mir. Sie hatte sich schon sehr gefreut, als es vor ein paar Monaten hieß, dass nächstes Jahr die Frauen-Tournee startet“, sagt Geiger. Für 2023/24 war die Premiere schon beschlossene Sache, doch dazu wird es nicht kommen. „Für die Mädels tut es mir extrem leid. Das ist sehr schade“, sagt Geiger über die geplatzten Pläne.

Bei der Umsetzung hakt es in Österreich

Vor allem in Österreich hakt es derzeit. Frühestens 2024/25 werde es eine Frauen-Tournee geben, sagte Roswitha Stadlober, Präsidentin des ÖSV, am 15. Dezember. Es gebe derzeit „noch viele zu berücksichtigende Faktoren, die eine frühere Einführung nicht ermöglichen“. Dabei waren die Pläne vielversprechend. Gesprungen werden sollte in Deutschland an den bekannten Orten, allerdings in umgekehrter Reihenfolge – der Auftakt in Garmisch-Partenkirchen, das Neujahrsspringen in Oberstdorf. Vor allem den ohnehin überlasteten Gastgebern hätte dieser fliegende Wechsel geholfen. Doch aus Innsbruck und Bischofshofen kam kein grünes Licht.

Zuletzt hatte es sogar Überlegungen gegeben, eine Tournee außerhalb der vier Traditionsorte auszurichten. Die Idee war aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Wir würden uns natürlich wünschen, an den gleichen Orten wie die Männer Wettkämpfe zu haben. Es wäre sonst keine Vierschanzentournee“, hatte Althaus gesagt.

Also geht das Warten weiter. Kein Wunder, dass der Unmut wächst. Es sei eine „Unverschämtheit, im Zeitalter der Gendergerechtigkeit, die Entscheidung auf eine eigene Tour wieder verschoben zu haben“, schrieb DSV-Hoffnung Luisa Görlich jüngst in ihrer sport.de-Kolumne. Topstars wie Olympiasiegerin Maren Lundby aus Norwegen und Althaus teilten Görlichs Beitrag auf ihren Instagram-Seiten.

Katharina Althaus hat für eine Frauen-Tournee die Karriere fortgesetzt

Für Althaus war die Aussicht auf eine Frauen-Tournee sogar ein wichtiger Grund gewesen, ihre Karriere fortzusetzen. Doch nun wird es eben bis 2024/25 dauern – mindestens. Die Männer werden dann bereits ihre 73. Tournee bestreiten.

Althaus, Görlich und Co. bleibt somit nur das Silvester-Turnier in Villach und Ljubno/Slowenien als Trostpflaster. Für Görlich ist diese Situation ein Unding. „Während Karl Geiger und Co. vor 40.000 Zuschauern Weiten um 140 Meter abliefern, springen wir von der Normalschanze in Kärnten“, schrieb sie: „Beim Kameraschwenk wirkt das im Vergleich mal derart verniedlichend, dass man eben nur beschmunzelt wird.“