Freiburg - Die ersten Lacher hatte Christian Streich schon nach wenigen Sekunden auf seiner Seite. „Wie geht's?“, lautete die Eingangsfrage an den Trainer des SC Freiburg, als er gemeinsam mit Schauspieler Matthias Brandt auf der Bühne im Freiburger E-Werk Platz genommen hatte. Streich stöhnte kurz auf, und die gut 420 Zuschauer im Saal schmunzelten wissend.

Ganz ohne Anspielung auf den Rempler durch Eintracht Frankfurts Kapitän David Abraham zwei Tage zuvor kam Streich nicht davon. „Das nervt mich wahnsinnig“, sagte der 54-Jährige und meinte weniger den Check an sich als den folgenden Trubel. Als er am Montag am Kiosk das Foto von sich auf den Titelseiten gesehen hatte, wie er da lag auf dem Rasen, sei er schnell weitergegangen.

„Das war nicht so gut, jetzt müssen wir das einordnen und runterfahren. Der Abraham ist kein böser Mensch. Er ist ein netter Kerl, aber nur nicht auf dem Kickplatz“, so Streich.

Streich und Brandt haben sehr viel gemeinsam

Dabei liest Christian Streich unheimlich gerne, und genau darüber sprach er auf Einladung der DFB-Kulturstiftung 90 Minuten lang zum Vergnügen der Zuschauer. Brandt und Streich, das wurde schnell klar, haben weit mehr gemeinsam als gedacht. Das Lampenfieber, das Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere auf einer Bühne oder schlicht die Gefahr, sich selbst zu wichtig zu nehmen - „das kenne ich auch“, lautete einer der häufigsten Sätze des Abends.

Brandt, Sohn von Altkanzler Willy und inzwischen auch als Schriftsteller erfolgreich, träumte als Kind sogar ebenfalls von einer Karriere als Fußballer. „Weil die die schönsten Frauen bekommen haben“, sagte der 58-Jährige, der sich mit Streich verbal die Bälle hin- und herspielte: „Aber dann habe ich festgestellt, dass es mehr schöne Frauen als gute Fußballer gibt.“ Da musste auch der Trainer grinsen.

Christian Streich: „Das ist wie tanzen. Man kann alles andere vergessen“

Und wäre der Freiburg-Coach umgekehrt vielleicht ein guter Schriftsteller geworden? „Oh nein“, sagte Streich und stöhnte erneut: „Ich lese lieber etwas von denen, die es formulieren können.“ Fußball, das sei ihm schnell klar geworden, sei einfach viel zu schön. „Das ist wie tanzen. Man kann alles andere vergessen“, sagte der Coach. Vergleichbar sei vielleicht nur noch, „wenn man miteinander schläft und den Menschen wahnsinnig liebt“.

Doch auch die Faszination Fußball kennt Grenzen, das machte Streich deutlich. Mit den Trainerstars Jürgen Klopp oder Pep Guardiola etwa, die er ab und zu „auf dem Kickplatz“ treffe, wolle er gar nicht tauschen. „Was ist das für ein Druck, immer gewinnen zu müssen? Was für eine Gnadenlosigkeit“, sagte Streich. Auch eine Mannschaft voller Weltstars im Gleichgewicht zu halten, sei nicht sein Ding. Viel lieber wolle er mit dem „kleinen“ SC Freiburg ab und an die Großen ärgern. Das sei möglich, immer mal wieder.

Nicht nur dafür erhielt Streich anhaltenden Beifall der Zuschauer, auch der Verzicht auf eine Gage kam gut an. Sowohl der extra angereiste Brandt als auch Streich verweigerten eine Honorierung, das Geld ging stattdessen an die Freiburger Fußballschule. Als er ganz am Ende den Scheck in der Hand hielt, musste auch Christian Streich lachen. (sid)