Allerlei Vorschusslorbeeren: Alexander Schwolow.
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BerlinVor Tagen habe ich Dieter Hoeneß in München angerufen und gefragt, was er denn Hertha BSC in dieser neuen Saison zutraut? Der ehemalige Manager der Berliner, der 13 Jahre der mächtige Mann im Klub war, hielt sich mit konkreten Prognosen vornehm zurück und sagte lediglich, dass es weiter nach oben gehen werde mit der Hertha.

Zu seiner Zeit in Berlin war Hoeneß natürlich viel offensiver mit seinen Voraussagen, auch mit seinen Träumen und Visionen. So im Jahr 2001, nachdem Hertha 1999/2000 zum ersten (und bislang einzigen Mal) für Aufsehen in der Champions League gesorgt hatte. „Innerhalb von fünf Jahren wollen wir mit Hertha dort stehen, wo ich als Spieler mit dem FC Bayern stand!“, forderte der Manager. Hoeneß wollte mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor fahren! Ganz ehrlich: Auch ich ließ mich anstecken von diesen verlockenden Zielen und wettete vorschnell darauf, dass Hertha binnen fünf Jahren die Schale präsentieren wird. Es kam bekanntlich anders.

Wetten auf die Hertha würde ich jetzt nicht mehr, aber träumen von Erfolgen in den nächsten ein, zwei Jahren kann man durchaus. Der Grund: Finanziell steht der Klub so gut da wie noch nie. Die Millionen-Investitionen von Unternehmer Lars Windhorst machen es möglich.

Es ist ein völlig neues Gefühl vor einem Saisonstart – für die Verantwortlichen, für die Fans und auch für mich. Hertha zählt nämlich zu denjenigen Klubs, die sich trotz Corona sehr offensiv auf dem Transfermarkt bewegen können. 

Im Oktober werden es insgesamt 374 Millionen Euro sein, die Windhorst investiert hat. Das brachte Hertha den Ruf der „Neureichen“ und Neid der Konkurrenz ein. Das spannende Verhältnis zwischen Investor und dem Verein muss man natürlich weiter verfolgen. Das wird nicht ohne Reibung funktionieren.

Positiv: Herthas Verantwortliche wollen das viele Geld nur für Zugänge verwenden, die die Mannschaft in den kommenden Jahren entscheidend voranbringen – Richtung Liga-Spitze. Den 25-Millionen-Euro-Mann Lucas Tousart, 23, aus Lyon konnte ich schon beim Training beobachten und glaube, er kann ein wichtiger Stratege sein. Mit Torhüter Alexander Schwolow, 28, vom SC Freiburg und Rechtsverteidiger Deyovaisio Zeefuik,22, vom FC Groningen hat Manager Michael Preetz vorige Woche zwei Profis verpflichtet, die in Berlin „einschlagen“ werden. Da bin ich mir sicher. Schwolow kostete acht Millionen Euro Ablöse. So viel gab Hertha noch nie für einen Keeper aus. Für Zeefuik überwies man vier Millionen nach Groningen.

Ich habe zwei Experten gefragt, die die Zugänge gut beurteilen können. Der Journalist und Buchautor Christoph Ruf kennt Schwolow bestens aus Freiburg. Er sagte mir: „Schwolow ist ein Super-Keeper, ein vernünftiger, intelligenter Typ. Fußballerisch stark. In Freiburg gehörte er zu den Meinungsführern im Team. Er wird Hertha stärker machen.“

Abwehrmann Zeefuik ging durch die berühmte Nachwuchsschule von Ajax Amsterdam – genauso wie einst Dick van Burik, der langjährige Abwehrchef der Hertha. Van Burik, 46, trug in 245 Erstligaspielen das Hertha-Trikot. Der Spielerberater aus Utrecht schwärmt am Telefon: „Zeefuik ist schnell, hat ein gutes Auge, kann perfekt Flanken schlagen, ist sehr vielseitig und enorm explosiv. Ich wundere mich, warum Feyenoord oder Eindhoven ihn nicht geholt haben. Hertha zog offenbar mehr. Ein Beweis für die neuen Möglichkeiten der Berliner.“ Das Wort „neureich“ verwendete van Burik aber nicht.