Berlin - Die Mannschaft von Viktoria 89 hat das Siegen nicht verlernt. Nach sieben Monaten erzwungener Pause wegen der Pandemie gewann der Aufsteiger in die Dritte Liga am Sonnabend im Stadion Lichterfelde das Viertelfinale im Berliner Pokalwettbewerb mit 3:0 (0:0) gegen Tennis Borussia. Das Team von Trainer Benedetto Muzzicato trifft nun im Halbfinale am 22. Mai auf den BFC Dynamo. Das zweite Halbfinale bestreitet die VSG Altglienicke, die den Berliner AK empfängt.

Wie die Regionalliga Nordost (nach elf Spieltagen) war auch der Berliner Pokalwettbewerb abgebrochen worden – und zwar nach zwei Runden. Bis dahin hatte Viktoria zuerst Friedrichshagen (6:1) und danach Concordia Britz (3:0) bezwungen. Gegen den Regionalligisten TeBe erzielten Moritz Seiffert (59.), Mattis Daube (64.) und Shalva Ogbaidze (94.) die Treffer. Bis zur Pause leistete Tennis Borussia Widerstand und war ein gleichwertiger Gegner. Trainer Muzzicato zog ein positives Fazit: „Ich bin glücklich über die Intensität und Disziplin der Mannschaft und den Charakter, den die Jungs gezeigt haben. Das Viertelfinale hat Lust auf mehr, vor allem auf das kommende Halbfinale gemacht.“

Viktoria muss bis 2. Juni drittligataugliches Stadion finden

Die Generalprobe vor dem Cupspiel hatte Viktoria im Test bei der U19-Mannschaft von RB Leipzig hoch mit 1:6 verloren. Es war die überhaupt erste Niederlage in der Saison 2020/21. „Das ist kein Beinbruch“, sagte der Trainer später, „aber das Ergebnis tat natürlich weh und war auch ein Warnschuss.“ Viktoria hatte mit Blick auf den Saisonstart in der Dritten Liga am 23. Juli und dem engen Kalender seine Spieler zuletzt zweieinhalb Wochen in den Urlaub geschickt und erst seit einigen Tagen wieder dosiert trainiert.

Beim Aufsteiger, der vor dem Saisonabbruch seine elf Ligaspiele alle gewonnen hatte, bereitet man sich intensiv auf allen Gebieten auf die neue Spielklasse vor – als Nummer drei im Berliner Fußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat allerdings die endgültige Erteilung der Lizenz an die Bedingung geknüpft, dass Viktoria bis zum 2. Juni ein drittligataugliches Stadion als Spielstätte anbieten kann. Das stellte sich als enormes Problem dar. Die eigentliche Heimat, das Stadion in Lichterfelde, ist nicht geeignet und fiel von Beginn an aus.

Die großen Probleme begannen, weil der Jahn-Sportpark nicht mehr zur Verfügung steht. Andere Alternativen wie das Poststadion in Moabit, wo der BAK zu Hause ist oder die Alte Försterei kamen nicht infrage. Später wurde das Mommsenstadion in Charlottenburg geprüft, wo Regionalligist Tennis Borussia und der sechstklassige SC Charlottenburg zu Hause sind. Doch die Veränderungen, die man dort vornehmen müsste, wären enorm.

Viktoria, das sich auch im Berliner Umland umsah, zog den kurzfristigen Bau eines temporären Stadions in Betracht und verhandelte mit der Olympiastadion GmbH. Dort, in der riesigen Schüssel würden für den Aufsteiger sehr hohe Mehrkosten entstehen. Doch die Verhandlungen, auch mit dem Senat – das Land Berlin ist der alleinige Gesellschafter der Betreibergesellschaft – liefen in die richtige Richtung, sagte nun Geschäftsführer Peer Jaekel dieser Zeitung. „Wir werden voraussichtlich die Verfügbarkeit des Olympiastadions erhalten, müssen aber parallel weiter an anderen Drittliga-tauglicheren Lösungen arbeiten.“ Das Mommsenstadion spielt hier eine zentrale Rolle, „aber auch eine temporäre Arena würde uns und der Stadt Berlin ganz neue Perspektiven geben“, so Jaekel.

Viktoria plant mit fünf, sechs Zugängen

Auch personell tut sich einiges bei Viktoria. In Vera Krings, zuletzt einige Jahre Pressesprecherin des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) wurde eine neue Pressechefin verpflichtet. Und Cheftrainer Muzzicato spricht von „fünf, sechs Zugängen, einem Mix aus erfahrenen Leuten und hungrigen Jungs“. Zudem werden wie geplant drei Talente aus der eigenen U19 nach oben zu den Profis gezogen. Geschäftsführer Jaekel glaubt, man werde mit dem Etat im unteren Drittel der Liga stehen, gibt sich aber kämpferisch. „Wir greifen auch auf dem Spielermarkt an, genauso wie auf dem Rasen. Das gehört zu unserer Philosophie.“