David Beckham hat bereits zu einem Zeitpunkt über sein Karriereende nachgedacht, als seine Karriere noch lange nicht zu Ende war. Das ist nicht immer selbstverständlich unter Fußballprofis. Aber Beckham und seine Berater waren von Anfang an auch Profis darin, Fußball mit Geschäft zu verbinden – und Geschäft mit Glamour. Mit einer Frau wie Victoria Beckham zur Seite war das vielleicht etwas einfacher als, sagen wir, mit irgendeiner Frau Matthäus.

Einen der besten Gedanken, wie es denn so nach dem aktiven Fußballerleben weitergehen könnte mit ihm, hatte Beckham, als er im Sommer vor sechs Jahren zu den Los Angeles Galaxy wechselte, in die Major League Soccer (MLS), wo er und Victoria so frenetisch wie einst Franz Beckenbauer und Pelé empfangen worden sind. Jedenfalls ließ Beckham sich damals eine Klausel in den Vertrag schreiben, die es ihm nun bis Ende des Jahres möglich machen kann, Teilbesitzer eines Fußballklubs in Miami zu werden, ein Franchisepartner für umgerechnet 18 Millionen Euro.

Allein diese Nachricht wäre schon spannend genug. Aber weil Beckham eben Beckham ist und weil er sich in den vergangenen Jahren jede Menge Freunde in den Staaten gemacht hat, wird, wie man so hört, auch LeBron James einsteigen, einer der besten Spieler der NBA, praktizierender Fußballfan und Anteilseigner am FC Liverpool. Und der sagt: „Bei mir herrscht großes Interesse an diesem Spiel. Auch meine Kinder lieben es. Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich genau weiß, was auf dem Platz passiert, wenn ich eine Partie verfolge.“

Latinos als Zuschauer?

Ob der Glamourfaktor der beiden Sport-Ikonen und das Geld weiterer Sponsoren ausreichen, denn ein paar Hundert Millionen Euro müssen schon zusammenkommen, um Fußball im sonnigen Florida zu verkaufen, daran darf gezweifelt werden. Zum einen gibt es in Miami vier Franchiseteams, die Heat (Basketball), die Marlins (Baseball), die Dolphins (Football) und die Panthers (Eishockey), die jeweils nicht für großen Zuschauerandrang bekannt sind, außer sie haben Erfolg wie die Miami Heat um ihren Vorzeigespieler LeBron James. Zum anderen gab es bereits in der Vergangenheit zwei Versuche, einen Fußballklub in Miami zu etablieren, beide (Toros, später Strikers, und die Fusion) scheiterten an mangelndem Zuschauerinteresse. Fraglich ist daher auch die Theorie, wonach die vielen in Miami lebenden und angeblich so fußballaffinen Latinos die Ränge füllen werden, nur weil Beckham und James das wollen. Die meisten Latinos sind ohnehin Kubaner, die sich eher für Baseball interessieren.

Bleibt die Frage: Warum machen die das? Die Gegenfrage: Warum eigentlich nicht? Die MLS umfasste, Eastern plus Western Conference, in dieser Saison 19 Teams, bis 2020 sollen es fünf mehr werden. David Beckham wird sich da so seine Gedanken gemacht haben.