Berlin - Kevin Krawietz blödelte auf dem Rollfeld mit Dominik Koepfer herum, und Peter Gojowczyk legte in der Check-in-Halle des Innsbrucker Flughafens sogar ein Tänzchen hin. Euphorisch verließen die deutschen Davis-Cup-Helden am Mittwochmorgen ihr Tiroler Winterwunderland, um unter der Sonne Spaniens ihre furiose Mission fortzuführen – denn neben viel guter Laune hatten sie auch große Träume im Gepäck.

„Wir haben allen gesagt, dass wir nach Madrid wollen. Wir haben das Ziel erreicht“, sagte Jan-Lennard Struff stolz und fügte hinzu: „Es ist nun Zeit, neue Ziele zu setzen. Wir wollen das Halbfinale gewinnen.“ Es waren die glanzvollsten Zeiten des deutschen Tennis mit Boris Becker und Michael Stich, als dies zuletzt gelungen war.

Im Halbfinale gegen Schweden oder Russland

Zweimal war es Becker (1988, 1989), der eine Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) zum Gewinn der „hässlichsten Salatschüssel der Welt“ führte, einmal Stich (1993). Doch seither wartet der DTB selbst auf einen Finaleinzug im Davis Cup – am Sonnabend (13 Uhr, ServusTV) soll diese 28-jährige Durststrecke ein Ende finden.

„Wir freuen uns, unter den besten vier Nationen der Welt zu stehen und jetzt in Madrid nochmal Vollgas zu geben“, sagte Krawietz nach dem Krimi in Innsbruck gegen Großbritannien, an dessen erfolgreichem Ausgang er im unbezwingbaren Doppel mit Tim Pütz immensen Anteil hatte. Und natürlich soll diese wunderbare Reise gegen die starke russische Mannschaft oder Schweden, die sich erst am Donnerstagabend im Viertelfinale gegenüberstehen, weitergehen.

Das werde zwar „bestimmt auch eine recht knifflige Aufgabe“, sagte Kapitän Michael Kohlmann: „Aber so, wie wir uns hier präsentiert haben, bin ich guter Dinge, dass wir uns da Chancen ausrechnen können.“ Die Euphorie im deutschen Team, dem in der Vorrunde nicht einmal Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic gewachsen war, ist gewaltig. Auch Becker fiebert begeistert mit. „Unglaublich Männer!!!“, schrieb der Tennisheld bei Instagram.

Ohne Zverev ist die Mannschaft der Star

Noch lange nach dem nervenaufreibenden 2:1 gegen die favorisierten Briten feierten die deutschen Spieler mit Trainern und Betreuern auf dem Court und machten Erinnerungsfotos an ein denkwürdiges Match. „Es war eine unglaubliche Teamleistung“, sagte der zweimalige French-Open-Sieger Krawietz, und hob damit die große Stärke hervor: Ohne Olympiasieger Alexander Zverev, der dem neuen Davis-Cup-Format nichts abgewinnen kann, ist die Mannschaft der Star.

„Wir haben vom ersten Tag an eine unglaubliche Stimmung im Team“, sagte Krawietz, der sich mit Pütz und Struff bei der Frage nach dem Wunschgegner fürs Halbfinale schnell einig war: Schweden. Schließlich bieten die Russen mit US-Open-Champion Daniil Medwedew und Andrej Rublew die Nummern zwei und fünf der Welt auf.