Übertragung gesichert: Live-Bilder vom Derby Hertha gegen Union liefert der Streamingdienst DAZN. 
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BerlinDie Meldung wurde am Donnerstag zur Mittagszeit verschickt: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) teilte mit, dass der Streaming-Anbieter DAZN die verbleibenden Freitags- und Montagsspiele und die Sonntagsspiele um 13.30 Uhr der Bundesliga sowie die vier Relegationsspiele zur Bundesliga und zur Zweiten Bundesliga überträgt. Die Berliner Fußballfans wissen nun also Bescheid: Um das Lokalderby Hertha BSC – 1. FC Union zu sehen, das diesen Freitag um 20.30 Uhr im Olympiastadion angepfiffen werden soll, müssen sie sich bei DAZN anmelden, 11,99 Euro kostet das Monatsabo. Zudem wird das Berliner Stadtderby auch bei Amazon zu sehen sein, beim Streamingdienst Prime Video. Dies teilten Amazon und die DFL am Donnerstagabend mit. 

Ein Blackout drohte nicht ernsthaft, da es genug Interessenten auf dem Markt gibt. Neben DAZN und Amazon wäre auch die Telekom als inzwischen etablierter Sport-Sender infrage gekommen. ARD oder ZDF schieden allerdings aus. Denn das Rechtepaket galt nur für den Pay-TV-Bereich. Seit die Bundesliga aus ihrer Corona-bedingten Spielpause zurück ist, hat die DFL bislang nur sehr kurzfristig bekannt gegeben, wann und wo die Freitags-, Montags- sowie die frühen Sonntagsspiele des Fußball-Oberhauses im Fernsehen laufen.

Vergangenen Spieltag, als Werder Bremen montags Bayer Leverkusen empfing, meldete die DFL erst am Sonntag um 13.15 Uhr via Twitter, dass die Partie bei DAZN übertragen werde. Ein weiterer DFL-Tweet folgte am Montag um 16.57 Uhr, nur gut dreieinhalb Stunden vor Anpfiff, dem zu entnehmen war, die Begegnung werde auch bei Amazon Prime Video gezeigt.

Diese sehr kurzfristige Informationspolitik war nur bedingt dem Ligaverband selbst anzulasten. Sie hatte zu tun mit den Problemen des Sportsenders Eurosport. Er erwarb 2016 die Übertragungsrechte an den Freitags-, Montags- den frühen Sonntags-, den Relegationsspielen sowie dem Supercup der Liga.

Schnell zeigte sich, dass der Sportkanal mit dieser Aufgabe überfordert war. Der Plan von Eurosport scheiterte, die Spiele über die Plattform von Sky zu zeigen. Der eilig entwickelte Eurosport Player hatte erhebliche technische Macken. Halbwegs zuverlässig ließen sich die Spiele des Senders anfangs nur über die Prime-Video-Plattform von Amazon verfolgen, mit der man kurzfristig kooperierte. Vergangenes Jahr verlor Eurosport dann die Lust an der Bundesliga: Man reichte die Spiele an die Sport-Online-Plattform DAZN weiter, der eine Sublizenz ausgestellt wurde.

Vertragspartner der DFL blieb jedoch Eurosport. Das wurde für die Liga nun zum Problem: Der Sender nutzte die Corona-bedingte Spielpause, um von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Zudem blieb er der DFL die letzte Rate für die laufende Saison schuldig. Ob Eurosport das alles durfte, ist umstritten. In der Sache soll nun ein Schiedsgericht entscheiden.

Neuausschreibung ist wahrscheinlich

Entgegen ersten Spekulationen, wonach mit einem Richterspruch schon in den kommenden Tagen zu rechnen sei, heißt es nun in Senderkreisen, man müsse sich wohl noch sechs bis acht Wochen gedulden. Dann ist die Saison allerdings schon vorbei. Eine tragfähige Lösung benötigte die Liga aber bereits jetzt. Dem Vernehmen nach hat DAZN die Zahlungen an Eurosport eingestellt. Vermutlich überweist die Plattform fällige Beträge direkt an die Liga. Möglich, dass Amazon ebenso verfährt. Allerdings ist das Verhältnis des Online-Kaufhauses zu Eurosport nach wie vor eng. Überraschend produzierte der Sender die Amazon-Übertragung vom Spiel Bremen gegen Leverkusen, die von den Eurosport-Moderatoren Anna Kraft und Matthias Stach präsentiert wurde.

Wie es in der kommenden Saison weitergeht, ist dagegen offen. Die Rechte, die Eurosport 2016 erwarb, erstrecken sich auch auf die Spielzeit 2020/21. Zwar könnten rein theoretisch DAZN und Amazon auch dann noch gemeinsam übertragen. Doch in der Praxis zeichnen sich Pay-TV-Rechte durch ihre Exklusivität aus. Eine langfristige Vergabe an gleich zwei Interessenten ergibt daher wenig Sinn. Folglich spricht einiges für eine Neuausschreibung der Rechte.