Berlin„Was, du willst Diego Maradona interviewen?“ Die Kollegen von DDR-Sportreporter Gottfried Weise schüttelten den Kopf. „Das schaffst du nie!“ Man schrieb den Dezember 1986 und bei der Fußball-Weltmeisterschaft nur Monate zuvor in Mexiko war der Argentinier Maradona zum Champion und zum Superstar aufgestiegen. Nun verzauberte er die Tifosi in Italien beim SSC Neapel. Gottfried Weise, heute 75, erinnert sich: „Damals hatten wir beim DDR-Fernsehen mit dem Profisport nicht viel am Hut, das war ein heißes Eisen, aber die DDR lud damals Künstler aus dem Westen ein wie Udo Jürgens oder Mireille Mathieu. Ich ließ mich nicht beirren, sagte, das muss doch auch im Sport möglich sein, und wollte unbedingt zu Maradona nach Neapel.“

Weise ließ nicht locker, bekam Hilfe von einer Dolmetscherin, die mit einem Argentinier verheiratet war. Die nahm Kontakt zur Privatsekretärin von Maradona auf und bekam tatsächlich einen Termin. „Wir sind dann mit der Erlaubnis von ganz oben nach Rom geflogen und mit dem Auto weiter bis Neapel“, sagt Weise. Der Reporter war auf dem Trainingsgelände, dem Campo Paradiso, mit dem Superstar und Helden von Neapel verabredet. „Ich habe unheimlich gezittert, ob Maradona tatsächlich kommen wird. Er kam, aber gut zwei Stunden zu spät. Der Auflauf war riesengroß. Maradona kam mit Blaulicht und heulenden Sirenen und überall standen Tifosi, die ‚Diego, Diego‘ riefen!“ Weise blieb beim Gespräch umringt von heißblütigen Anhängern.

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