Der Nächste: Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm legt einen Blitzabgang hin

Nur drei Tage nach dem erfolgreichen Deutschland-Cup coacht der Finne bereits den SC Bern. Sein Abgang passt zum Bild, das deutsche Teamsportarten abgeben.

Beim Deutschland-Cup stand Toni Söderholm zum letzten Mal für Deutschlands Eishockey-Nationalmannschaft an der Bande.
Beim Deutschland-Cup stand Toni Söderholm zum letzten Mal für Deutschlands Eishockey-Nationalmannschaft an der Bande.dpa/Rolf Vennenbernd

Und wieder verlässt ein renommierter Bundestrainer ein deutsches Nationalteam aus dem olympischen Mannschaftssport vorzeitig. Dieses Mal ist es Toni Söderholm, 44. Der Finne ist nicht mehr Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Er bat den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) direkt nach dem Deutschland-Cup am Sonntagabend um eine vorzeitige Auflösung seines erst im vergangenen März bis 2026 verlängerten Vertrages, um ab sofort den Schweizer Klub SC Bern zu trainieren. Ganz offenbar sieht er – ebenso wie zuvor der Italiener Andrea Giani bei den Volleyballern oder der Montenegriner Petar Porobic bei den Wasserballern – anderswo größere Reize. Oder eben: im deutschen Teamsport zu wenig Perspektiven sportlicher und monetärer Art, um eine Mannschaft für kommende Olympische Spiele zu entwickeln.

Die Findungsarbeit beim DEB beginnt

„Der DEB hat sich entschieden, dem Wunsch entgegenzukommen und die Freigabe zum Wechsel zu erteilen“, teilte der Verband am Mittwoch mit. Über die Modalitäten der Vertragsauflösung vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Während DEB-Sportdirektor Christian Künast bei einer Online-Pressekonferenz, die am späten Vormittag begann, bekannte: „Dadurch, dass es so überraschend gekommen ist, ist ganz klar: Die Findungsarbeit beginnt morgen“, leitete Söderholm fast zeitgleich in Bern bereits sein erstes Training.

„Die vergangenen vier Jahre mit Toni Söderholm waren erfolgreich für den DEB sowie für die Nationalmannschaft. Sehr gerne wären wir den eingeschlagenen Weg mit ihm weitergegangen“, sagte DEB-Präsident Peter Merten: „Der Wunsch der Veränderung sowie der täglichen Arbeit mit einer Mannschaft ging von Toni aus. Wir haben uns daraufhin intensiv mit seinem Wunsch beschäftigt und sind letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass wir seinem Wunsch nachkommen werden.“

Söderholm bedankte sich in der Verbandsmitteilung für diese Entscheidung. „Für mich war immer klar, dass ich eines Tages die Herausforderung der täglichen Arbeit im Klub suchen möchte“, sagte der Finne: „Die Chance, kurzfristig bei einem europäischen Spitzenklub, für den ich selbst gespielt habe, einzusteigen, ist attraktiv.“ Als ehemaliger Verteidiger war Söderholm von 2005 bis 2007 für den 16-maligen Schweizer Meister aktiv gewesen. Beim SC Bern trifft er zudem auf den deutschen Nationalspieler Dominik Kahun.

Söderholm hatte seinen Vertrag beim DEB erst im vergangenen Frühjahr bis 2026 verlängert, doch schon davor hatte er mit einem Engagement als Vereinstrainer geliebäugelt. Damals hatte der Coach über die NHL als mögliches Ziel gesprochen.

Söderholm hatte Anfang 2019 das Bundestrainer-Amt als Nachfolger von Marco Sturm angetreten, der die deutsche Nationalmannschaft zur sensationellen Silbermedaille bei Olympia 2018 in Pyeongchang geführt hatte. Söderholm setzte dessen Arbeit größtenteils erfolgreich fort, bei der WM 2021 zog die DEB-Auswahl unter seiner Regie sogar ins Halbfinale ein. Das frühe Olympia-Aus in diesem Jahr in Peking war jedoch ein Rückschlag. Am vergangenen Wochenende hatte Söderholm mit der Auswahl beim Deutschland-Cup alle drei Spiele und das Vier-Nationen-Turnier gewonnen.

Söderholm dankt den deutschen Spielern für ihre Offenheit

„Alle Spieler haben mich mit Offenheit empfangen, haben mir Energie, Vertrauen und Zeit ohne ihre Familien geschenkt. Ich bin dankbar, mit diesen starken Persönlichkeiten Zeit verbracht zu haben“, sagte Söderholm zum Abschied.

Berns Sportchef Andrew Ebbett, der Anfang des Monats Trainer Johan Lundskog entlassen hatte, lobte Söderholm als einen Leader, der sowohl junge als auch erfahrene Spieler entwickeln könne.

Vor Söderholm hatte sich auch Marco Sturm vorzeitig als Coach des deutschen Nationalteams Richtung NHL verabschiedet. Nun wechselt Söderholm zu einem der besten Klubs in Europa. Es gehört dennoch einige Fantasie dazu, diese Abgänge so zu interpretieren, wie Sportdirektor Künast, der sagte, es werte den DEB auf, weil es zeige, wie gut der Verband Trainer ausbilde. Tatsächlich bleibt die Frage: Ist es nicht eher so, dass die Abgänge zeigen, wie schlecht es in Deutschland um die Förderung, Attraktivität und Perspektiven des Teamsports bestellt ist?