BerlinAlfred Gislason hat bei seinem lang ersehnten Debüt als Handball-Bundestrainer trotz einer „erschreckenden ersten Halbzeit“ ein Happy End erlebt. Die DHB-Männer quälten sich zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen das stark ersatzgeschwächte Bosnien-Herzegowina zu einem 25:21 (9:13), das den Coach kaum zufriedenstellen dürfte. Der Isländer hat nach 273 Tagen Wartezeit auf sein erstes Spiel viel Arbeit vor sich.

Der Kieler Hendrik Pekeler war mit fünf Treffern vor der Düsseldorfer Geisterkulisse der beste Werfer für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die in ihrem ersten Spiel seit Ende Januar vor allem im Angriff große Defizite aufzeigte. Debütant Juri Knorr, der erste DHB-Spieler aus den 2000ern, deutete in der Mitte zeitweise sein Potenzial an.

Die Austragung der Begegnung hatte aufgrund zahlreicher coronabedingter Ausfälle im Kader der Gäste auf der Kippe gestanden, der Dachverband lehnte einen bosnischen Antrag auf Verlegung jedoch ab. Am Ende reiste lediglich ein Rumpfkader mit elf Feldspielern und Deutschland-Legionär Benjamin Buric im Tor ins Rheinland – und der baute im zweiten Abschnitt ab.

Zuvor hatte Gislason, der im Februar auf den glücklosen Christian Prokop folgte, eine schwache Vorstellung seiner Mannschaft gesehen. Teammanager Oliver Roggisch kritisierte in der Halbzeit beim ZDF: „Wir haben in allen Bereichen Luft nach oben. Wir können es besser, aber das war eine erschreckende erste Halbzeit.“

Deutschland fand nicht in die Partie

Tatsächlich: Gislasons Mannschaft fand überhaupt nicht in die Partie. Dem deutschen Angriff fehlten Tempo und Ordnung, zudem erwischte Flensburg-Schlussmann Buric einen guten Tag. Schnell setzten sich die Gäste, die in der eigenen Offensive immer wieder das Tempo verschleppten, auf 2:6 (15.) ab.

„Wir haben zu viel Risiko bei den Pässen“, bemängelte Gislason in seiner ersten Auszeit und forderte Geduld in den eigenen Aktionen. Knorr erzielte mit einer schönen Einzelaktion in der 19. Minute das Tor zum zwischenzeitlichen 5:8 (19.), doch es blieb äußerst zäh. Der deutsche Positionsangriff funktionierte überhaupt nicht. Deutsche Tore fielen meist bei Gegenstößen oder Siebenmetern.

Gislason tigerte nach der Pause an der Seitenlinie auf und ab – und durfte allmählich Besserung erkennen. Julius Kühn erzielte knapp neun Minuten nach Wiederanpfiff die erste Führung – 15:14 (39.). Bosnien hatte zuvor Ivan Karacic, einen seiner stärksten Spieler, verletzungsbedingt verloren.

Bei den deutschen Handballern liefen die Kombinationen nun langsam besser. Weil bei den Bosniern zudem die Kräfte zunehmend schwanden, arbeitete sich das DHB-Team eine Führung heraus.

Dennoch: Im zweiten Spiel am Sonntag (15.15 Uhr/ZDF) in Tallinn gegen Estland muss sich die DHB-Auswahl deutlich steigern.