BerlinAm Montagabend kommt es auf dem Eis der Arena in Friedrichshain zu einem emotionalen Wiedersehen. Die Eisbären empfangen die Krefeld Pinguine (18.30 Uhr, MagentaSport) am dritten Spieltag der noch jungen Saison. Und zum ersten Mal überhaupt wird Constantin Braun in Berlin spielen, ohne dabei das EHC-Trikot zu tragen. Anfang Dezember haben sich Verein und Spieler darauf verständigt, dass der 32-Jährige zunächst mal auf Leihbasis ins Rheinland wechselt. Bei den Eisbären war er zuletzt unzufrieden mit seiner Rolle gewesen. In Krefeld erhofft er sich einen Bedeutungsgewinn.

Baxmann verdrückt Tränen bei der Rückkehr

Bislang geht dieser Plan auf. 24:14 Minuten stand Braun im Schnitt auf dem Eis, Bestwert im Team. In Berlin ist das nicht unbeobachtet geblieben. Eisbären-Kapitän Frank Hördler sagt: „Anscheinend fühlt er sich wohl dort, er war bislang viel in Szene zu sehen.“ Auch er ist gespannt, wie es sein wird, plötzlich auf jemanden zu treffen, mit dem man so viel erlebt hat, als Höhepunkt natürlich fünf Meistertitel, die Hördler und Braun gemeinsam feiern konnten. „Nach so vielen Jahre plötzlich auf der anderen Seite zu stehen, wird nicht einfach“, ist Hördler überzeugt.

Im professionellen Vereinssport gehört es dazu, dass Spieler den Verein wechseln und der alten Wirkungsstätte vorübergehend oder langfristig den Rücken kehren. Im Falle der Eisbären-Profis, die im Klub den Übergang vom Jungprofi zum Leistungsträger vollzogen und später eine Erfolgs-Ära geprägt haben, ist das noch immer ungewohnt. Als Jens Baxmann in der Vorsaison im Trikot der Iserlohn Roosters erstmals in Berlin auflief, kämpfte er mit den Tränen. Bei André Rankel verhinderten anhaltende körperliche Beschwerden eine Rückkehr in neuer Kluft. Bei seinem Rücktritt vom Leistungssport war aber auch ihm nach Weinen zumute.

Zahlreiche Rückschläge

Bei Braun ist die Trennung noch nicht endgültig, dennoch spricht derzeit nicht wirklich viel dafür, dass er wieder in den engeren Kreis bei den Eisbären zurückkehrt. Geschäftsführer Peter John Lee sagt: „Natürlich ist es ein bisschen traurig, Brauni gehen zu lassen. Aber die Karrieren sind begrenzt und wenn er das Gefühl hat, dass er woanders sich besser entwickeln kann, wollen wir ihm keine Steine in den Weg legen.“

Im Falle von Braun ist die Beziehung zwischen Spieler und Eisbären ohnehin besonders. Wenige Wochen nachdem der Verteidiger als wertvollster Spieler der letzten Meistersaison 2013 gekürt wurde, machten die Eisbären seine Depression öffentlich. Fünf Jahre später begab er sich in Behandlung wegen Alkoholabhängigkeit. Verein und Spieler feierten Höhepunkte, standen Rückschläge durch. Jetzt, wo es Braun um mehr sportliche Anerkennung geht, mussten sich die Wege aber dann doch zwangsläufig trennen.