Daniel Steininger jubelt über einen Torerfolg im Spiel gegen den FC Bayern II. Am Mittwoch könnte sein 1. FC Magdeburg den Klassenerhalt sicherstellen.
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BerlinRelegationsplatz? Könnte gehen bei derzeit 55 Punkten und zwei Zählern Abstand zu eben jenem dritten Rang in der Tabelle, auf dem derzeit der MSV Duisburg liegt. Gegen den haben die Rostocker am Wochenende nur ein 0:0 geschafft, was ihre Ausgangslage nicht gerade verbessert hat. Zweite Liga? Nun ja,  theoretisch.

Sechs der zwanzig Teams in der Dritten Liga kommen aus dem Osten der Republik, der FC Hansa ist auf Platz fünf noch am besten bedient, die übrigen Mannschaften drücken sich in den unteren Regionen der Tabelle herum. Joe Enochs findet die Situation für seinen FSV Zwickau alarmierend: „Es ist jetzt fünf vor zwölf“, sagt der Trainer. 0:3 hat seine Mannschaft am Wochenende gegen Ingolstadt verloren.

Enochs Worte gelten für weitere Fußball-Drittligisten aus dem Osten. Denn neben Zwickau sind der Chemnitzer FC, der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg in akuter Abstiegsnot. Der FC Carl Zeiss Jena ist schon weg, im schlechtesten Fall könnten zwei weitere in die Viertklassigkeit folgen. Der Region droht ein bisher einmaliger Kahlschlag.

Mindestens einen der vier gefährdeten Klubs wird es erwischen. Dabei hat Zwickau als Tabellen-17. mit drei Punkten Rückstand zum CFC und damit zum rettenden Platz 16 die schlechtesten Karten. Schon am Mittwoch steht der FSV beim Drittletzten Münster massiv unter Druck. «Auch wenn man irgendwann an einen Punkt kommt, wo sich die Qualitätsfrage stellt, weil wir unsere vielen Ausfälle nicht mehr kompensieren können: Aufgeben kommt für uns nicht infrage», betonte Sportdirektor Toni Wachsmuth.

Mit dem Mammutprogramm von fünf Englischen Wochen am Stück haben alle Klubs zu kämpfen. Doch im Aufstiegsrennen geht vieles leichter von der Hand, im Abstiegskampf sind Rückschläge wie Verletzungen und Sperren mental schwerer zu verarbeiten. Hinzu kommt der erhöhte Druck, dass fast jedes Spiel ein Finale ist.

So wie für den HFC am Mittwoch. „Wir müssen sehen, dass wir da Punkte holen“, sagt Mittelfeldspieler Bentley Baxter Bahn vor der Partie gegen Jena. Obwohl die Thüringer bereits als künftiger Regionalligist feststehen, wird es kein Selbstläufer. Jena hat erst am Samstag beim 2:3 gegen Viktoria Köln gezeigt, dass man sich mit Anstand aus der Liga verabschieden will.

Halle, Jena und auch Zwickau gehörten in der Corona-Pause zu den vehementesten Befürwortern eines Saisonabbruchs. Zudem waren die Teams lange behördlich eingeschränkt, konnten nicht voll trainieren. Vom DFB mussten sich die Klubs ein «unwürdiges Schauspiel» unterstellen lassen. Dabei war die Argumentation für einen Abbruch keineswegs unschlüssig. Am Ende setzte sich der mächtige Verband jedoch durch.

Der CFC war ebenfalls zunächst für einen Abbruch, änderte dann aber seine Meinung. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hielt sich zudem selten mit öffentlichen Ratschlägen für die Abbruch-Befürworter zurück. Unter der Hand heißt es deshalb von den Klubs, man habe mit Chemnitz gerade wenig Mitleid.

Drei Punkte sind es bis zum Abstiegsplatz. Und das Restprogramm ist mit Spielen gegen Braunschweig, bei Uerdingen und gegen Hansa Rostock knüppelhart. Da wird die Begegnung gegen Zwickau am vorletzten Spieltag wohl überlebenswichtig. «Das könnte ein Endspiel werden», sagte FSV-Trainer Enochs und sein Chemnitzer Konkurrenz Patrick Glöckner rechnete in der «Bild» vor: «Wir brauchen noch zwei Siege, um den Klassenerhalt zu schaffen.»

Magdeburg reicht womöglich schon ein Erfolg. Unter dem neuen Trainer Thomas Hoßmang ist der FCM zwar noch ungeschlagen, musste sich zuletzt jedoch mit zwei Unentschieden begnügen. „Wir müssen positiv bleiben und den nächsten Schritt machen“, sagte Hoßmang. Der könnte schon der zum Klassenerhalt sein, ein Sieg am Mittwoch bei Unterhaching vorausgesetzt.