Team unter Verdacht: Arkea Samsic.
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Berlin/ParisNur einen Tag nach dem Ende der 107. Tour de France droht dem Radsport mal wieder ein Dopingskandal. Die Staatsanwaltschaft in Marseille bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Montag die Aufnahme einer vorläufigen Untersuchung. Namen wurden zunächst nicht genannt, die Sportzeitung L'Equipe und das Journal du Dimanche waren sich aber bereits recht sicher: Im Fokus steht das französische Team Arkea-Samsic. Auch das medizinische Personal des Teams haben die Ermittler im Blick.

Es handele sich um einen insgesamt „kleinen Teil“ des betroffenen Rennstalls, sagte Staatsanwältin Dominique Laurens bei AFP. Zwei Personen befanden sich demnach am Montagabend in Polizei-Gewahrsam – bei ihnen seien „viele Gesundheitsprodukte und Medikamente gefunden worden“, darunter insbesondere eine „Methode, die man als Doping bezeichnen könnte“. Die Unterkunft des Teams soll bereits am Mittwoch, noch während der laufenden Frankreich-Rundfahrt, untersucht worden sein.

Emmanuel Hubert, General-Manager bei Arkea-Samsic, wollte sich am Montag zu den Entwicklungen nicht äußern. Ermittelt werde, so Staatsanwältin Laurens, wegen der Verschreibung einer verbotenen Substanz sowie der Hilfe bei und der Anstiftung zu der Einnahme eben dieser Substanz.

Das Team mit Sitz in Rennes war in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hatte sich spätestens mit den Verpflichtungen von Nairo Quintana und zuvor bereits Warren Barguil (Frankreich) ambitioniert gezeigt.

Arkea-Samsic setzte die Tour nach der Razzia am vergangenen Mittwoch fort. Am Sonntag erreichte das Feld Paris, der Kolumbianer Nairo Quintana landete mit mehr als einer Stunde Rückstand auf Sieger Tadej Pogacar auf Gesamtrang 17, Barguil holte den 14. Rang.

Bei der diesjährigen Tour hatte es bislang keine echten Verdachtsfälle gegeben, keine Fakten zu möglichen Dopingvergehen – allerdings einige erstaunliche Leistungen. Auch Sieger Pogacar und sein slowenischer Landsmann Primoz Roglic auf Rang zwei gerieten dabei ins Zwielicht.

Denn erstaunliche Leistungen hinterlassen im Radsport mittlerweile grundsätzlich ein ungutes Gefühl, und vor dem Hintergrund der Coronakrise galt das besonders: Aufgrund dieser seien zwischen Januar und Ende August nur halb so viele Tests wie im Vorjahreszeitraum durchgeführt worden, teilte die Antidoping-Kommission des Radsports (CADF) mit. Das Normalniveau sei erst kürzlich wieder erreicht worden.

Roglics Tophelfer Tom Dumoulin klagte daher schon vor der Tour, er sei „seit Monaten nicht mehr getestet worden“, auch Romain Bardet („es ist eine Ewigkeit her“) und schon im April Thibaut Pinot („seit Oktober 2019 kein Test“) äußerten Sorge. Bardets Teamkollege Nans Peters fragte gar: „Haben Betrüger im Moment freie Hand?“