Berlin - Marco Rose war mächtig bedient, erwies sich aber als guter Verlierer. Trotz der Enttäuschung über das 0:1 (0:1) seines dezimierten Teams und der anfänglichen Schmähgesänge der heimischen Fans gratulierte der Coach von Borussia Dortmund zuerst seinen ehemaligen Fußballprofis aus Mönchengladbach zum Sieg, ehe er den Unterlegenen Trost spendete. Sein Besuch in der gegnerischen Kabine wenig später trug ebenfalls zur Entspannung bei. Auf eine Fortsetzung des Dauerthemas der vergangenen Wochen mit knalligen Schlagzeilen über seine brisante Rückkehr an die alte Wirkungsstätte verspürte Rose wenig Lust: „Machen wir einfach einen Haken dran, ich finde es reicht.“

Marco Rose muss sich Unmutsbekundungen anhören

Bei seinem ersten Besuch im Gladbacher Stadion seit seinem von vielen Fans mit Kritik begleiteten Wechsel zum BVB kam es für Rose gleich knüppeldick. Die nur kurzen und überschaubaren Unmutsbekundungen von den Tribünen, bei denen er als „Söldner“ und „Hurensohn“ verunglimpft wurde, konnte er noch locker verschmerzen. „Darauf habe ich mich vorher eingestellt“, kommentierte er und verwies auf die herzliche Atmosphäre nach Spielende bei seiner Stippvisite in der Gladbacher Kabine: „Ich habe meine Jungs wiedergesehen, mit denen ich zwei wunderschöne Jahre hatte.“

Schwerer als die Pfiffe der Fans wog für ihn der Frust über die unglücklichen Begleitumstände der bitteren Niederlage. Sowohl der kurzfristige Ausfall der beiden Schlüsselspieler Erling Haaland und Marco Reus als auch der viel diskutierte Platzverweis für Mahmoud Dahoud (40.) nur drei Minuten nach dem Gegentreffer durch Denis Zakaria warfen den BVB nach zuletzt vier Pflichtspielerfolgen im Titelrennen zurück. „Jetzt liegen wir schon wieder ein paar Punkte hinter den Bayern“, klagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Die Abhängigkeit des BVB von Tormaschine Haaland und Impulsgeber Reus, die sich im Abschlusstraining am Freitag verletzt hatten, wurde in Gladbach offensichtlich. Die kurzfristigen Ausfälle der eigentlich unverzichtbaren Stammkräfte erforderten einen umfangreichen Umbau in der geplanten Dortmunder Startelf. So stürmte der erst 16 Jahre alte Youssoufa Moukoko für Haaland, den Platz von Reus im zentralen offensiven Mittelfeld nahm Dahoud ein. Zudem stellte Trainer Rose auf eine Dreierkette in der Abwehr um.

Trotz dieser Umstellungen erwischte der BVB den besseren Start und schien bei einem Abseitstor durch BVB-Ersatzkapitän Mats Hummels (8.) der frühen Führung nahe. Gleichwohl taten sich beide Teams beim Herausspielen von Torchancen schwer. Den Gladbachern, die wieder auf den von einer Muskelverletzung genesenen Nationalspieler Jonas Hofmann zählen konnten, mangelte es an Ideen, den Gästen an Durchschlagskraft im Angriffszentrum.

Denis Zakaria entscheidet die Partie

Das erwartete Rassespiel der beiden eigentlich spielstarken Teams mit viel Tempo und Torraumszenen entwickelte sich deshalb zunächst nicht. Erst nach 30 Minuten nahm die Partie mehr Fahrt auf, weil die Gladbacher nun mutiger und schneller nach vorn spielten. Und dieser Elan wurde umgehend belohnt. Nach einem unglücklichen Abwehrversuch von BVB-Talent Jude Bellingham war Zakaria mit einem Schuss aus zwölf Metern zur Stelle und erzielte den Siegtreffer.

Auf der Gegenseite blieb die hochgelobte Offensive des Revierclubs, in der zudem auch noch die Verletzten Giovanni Reyna und Julian Brandt fehlten, erstmals nach dem Vereinsrekord von 37 Bundesliga-Spielen ohne Torerfolg. Rose hofft, dass sowohl Haaland als auch Reus am Dienstag im Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon wieder zur Verfügung stehen. Viel Zeit, den Frust über das 0:1 zu vertreiben, bleibt nicht.