Berlin - Nach vielen verzweifelten Momenten am Schießstand stellte Denise Herrmann ihr Gewehr für eine Woche in die Ecke. Die 32-Jährige wollte mit dieser ungewöhnlichen Vorbereitungsmaßnahme „den Kopf freibekommen“ und „die Festplatte formatieren“.

Alles auf null – um nach einer durchwachsenen Saison bei der WM auf der Pokljuka (10. bis 21. Februar) voll angreifen zu können. „Ich denke, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe“, sagte Herrmann vor dem Start am Mittwoch mit der Mixed-Staffel. Sie fahre „gestärkt“ und „mental frisch“ zur WM.

Zuversicht schöpft sie auch aus der Vergangenheit, denn sie wisse, „dass mir die zweite Saisonhälfte deutlich besser von der Hand geht“. Und außerdem kommen bei Herrmann noch viele positive Erinnerungen an die Hochebene in Slowenien hinzu.

Pokljuka sei „schon ein kleiner Meilenstein in meiner Biathlon-Karriere“ gewesen, betont sie: „Dort hatte ich meinen ersten Weltcup-Einsatz im Dezember 2016 und dort habe ich in der vergangenen Saison zum ersten Mal in einem Einzelwettkampf vier Mal Null geschossen und gewinnen können. Die Strecken liegen mir ziemlich gut.“ Zumal sie für die WM auch noch verschärft wurden.

Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die ehemalige Langläuferin – dürftige Vorleistungen im Weltcup hin oder her. „Wenn das kleine Quäntchen in die richtige Richtung wieder ausschlägt, dann ist nach wie vor ganz viel von ihr zu erwarten. Dass sie es drauf hat, das weiß sie und wissen wir als Trainer“, sagte Bundestrainer Mark Kirchner.

Ohnehin hatte der Winter mit Platz zwei im Einzel von Kontiolahti für die Verfolgungs-Weltmeisterin von 2019, die zudem 2020 WM-Silber in der Verfolgung und 2019 noch Bronze im Massenstart gewann, vielversprechend begonnen – und sogar Hoffnungen auf den Gesamtweltcup geweckt. Doch was folgte, war ein Wechselbad der Gefühle mit zu vielen Enttäuschungen und einem 38. Platz als Tiefpunkt.

Vor allem ihre Schießschwäche wurde Herrmann immer wieder zum Verhängnis. Die Probleme bekam sie trotz des neuen Trainers Engelbert Sklorz nie in den Griff.

Die Folge: Franziska Preuß lief der deutschen Vorzeige-Biathletin in dieser Saison teamintern den Rang ab. Doch Herrmann will sich nicht noch mehr Druck machen. Sie wisse, „dass man gerade beim Schießen nichts erzwingen kann“.

Deshalb hofft sie umso mehr auf einen „guten Start“ mit der Mixed-Staffel an der Seite von Preuß und Arnd Peiffer. Umkämpft ist noch die vierte Position zwischen Benedikt Doll und Erik Lesser. „Wenn der Anfang klappt, ist es leichter, da weiterzumachen. Man muss Erfolgserlebnisse holen, um Selbstbewusstsein zu kriegen.“ Nur dann komme man besser „in einen positiven Flow“. Und den braucht Herrmann, um Medaillen auf der slowenischen Hochebene Pokljuka zu gewinnen.