Tokio - Einen Stein hatte Denise Schindler schon vor ihrem ersten Wettkampf auf dem Zimmer liegen. Eine Erinnerung, an den Sturz der Para-Radsportlerin in der Vorwoche. Und: Eine Motivation für das Rennen am Mittwoch. Unter Druck habe sie da gestanden, sei den ganzen Tag nicht ansprechbar gewesen. Sportlich entlud sich all die Anspannung in der 3000-Meter-Verfolgung in 3:55,120 Minuten – persönliche Bestzeit. Die Amerikanerin Clara Brown hatte sie im Duell um Bronze damit um mehr als sechs Sekunden distanziert. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einem lauten Schrei bejubelte Schindler nicht nur ihren persönlichen Triumph, sondern auch gleichzeitig die erste deutsche Medaille bei den Paralympics in Tokio.

Schwere anderthalb Jahre vor den Spielen

Sehr emotional, mit ein paar Freudentränen unter den Augen und etwas Schweiß im Gesicht, sprach die 35-Jährige im Interview mit der ARD von allen Schwierigkeiten vor den Paralympics. Der Sturz in der Vorwoche war da noch eine der harmloseren Sachen. „Es war mental sehr schwer für mich, die letzten anderthalb Jahre hatte ich viele Probleme, auch Entzündungen am Stumpf“, sagte sie und sprach von Zweifeln daran, überhaupt noch einmal so weit zu kommen.

Schindler rutschte als Zweijährige in ihrer Geburtsstadt Chemnitz auf eisigem Weg unter eine Straßenbahn, woraufhin ihr der rechte Unterschenkel amputiert werden musste. Seit dem Jahr 2010 ist sie als Leistungsradsportlerin unterwegs, wurde bereits 2011 Weltmeisterin auf der Straße. Dort holte sie auch Silber bei den Paralympics 2012 in London sowie Bronze in Rio 2016, wo sie zudem Silber im Einzelzeitfahren gewann. Ihr Einsatz, ihr Kampfeswille in den Rennen haben ihr zum Spitznamen „Killerbiene“ verholfen.

Der Traum von einer Zeit unter vier Minuten

Ihr Antrieb für ihre nun erste paralympische Medaille auf der Bahn aber war ein Traum. Der Traum von einer Zeit unter vier Minuten, der sie immer angepeitscht habe. Der große Stein auf der Straße hat sie zwar vergangene Woche zu Fall gebracht. Doch Denise Schindler ist wieder aufgestanden und kann neben diesen Stein jetzt eine Bronzemedaille legen.