Schiedsrichter Aytekin gewann in der „Bundesliga Home Challenge“ gegen Fußball-Profi Jonas Hofmann.
Foto: dpa/Uwe Anspach

Noch etwas schüchtern riss Deniz Aytekin am Ende des Spiels seine Fäuste nach oben. Soeben hatte der Bundesliga-Schiedsrichter gegen den Bundesliga-Profi Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach) mit 2:1 gewonnen. Schiedsrichter, die Tore schießen und Spiele gewinnen? Das kam ihm offensichtlich selbst unwirklich vor.

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Es ist eben auch im Fußball nichts mehr so, wie es noch vor ein paar Wochen war. Der Spielbetrieb ist wegen der Coronakrise unterbrochen, also weichen die Verbände in den Bereich der Computerspiele aus. „Bundesliga Home Challenge“ heißt der Wettbewerb der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei „Fifa 20“, an dem Profis aus den Vereinen, die besten E-Sportler der Klubs und auch zwei Schiedsrichter aus der Bundesliga teilnehmen. Der dritte Spieltag ist für das kommende Wochenende geplant. Gut möglich, dass Aytekin dann wieder mitmacht. Er hat es jedenfalls angedeutet.

90.000 Zuschauer auf YouTube

Aytekin ist der Schiedsrichter, der in der Coronakrise die meiste Aufmerksamkeit in Deutschland erfährt. Der 41 Jahre alte Unternehmer aus Bayern war es auch, der das sogenannte Geisterspiel vor dem Bundesliga-Shutdown leitete. Nach dem Schlusspfiff überraschte er damals mit der Aussage, dass auch ihn die Stille im Stadion gestört habe. Dabei sind es doch die Schiedsrichter, die von den Tribünen besonders oft angefeindet werden, wenn es voll ist. Aber das scheint ihn nicht zu stören.

Aytekin mag die große Bühne, und er mag es laut. In seiner Freizeit sorgte er im vergangenen Sommer als DJ bei einem Festival in der Pfalz für mächtig Stimmung. Und er meldete sich bei der DFL mit dem Vorschlag, ob nicht auch Schiedsrichter an der „Bundesliga Home Challenge“ teilnehmen könnten. Als die Zusage stand, begann er zunächst mit seinem Sohn zu Hause zu trainieren und ließ sich auch von einem Gamingprofi schulen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. „Ein richtiger Fuchs der Deniz“, lautete einer der Kommentare während des Spiels, das inzwischen mehr als 90.000 Menschen alleine bei YouTube gesehen haben.

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Hauptberuflich Rechtsberatung

Hauptberuflich ist Aytekin auch im Digitalen unterwegs, er hat eine Online-Rechtsberatungsplattform mitbegründet. Aber das war an dem Abend egal. „Schiris gewinnen ja selten ein Spiel“, sagte er am Ende der Übertragung, er wolle es krachen lassen. Natürlich zu Hause in der privaten Umgebung, bevor die nächsten Aufgaben anstehen. Auf seinem Bildschirm war im Hintergrund ein Rennrad für die Fitness zu sehen – und außerdem ein Bügelbrett.