BerlinAn Dennis Schröder scheiden sich hierzulande die Geister. Nach Dirk Nowitzki gilt der Aufbauspieler als bester deutscher Basketballer. Seit 2013 spielt er in der NBA und erzielte dabei bisher durchschnittlich 14,1 Punkte. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (MEZ) geht er mit den Los Angeles Lakers im Duell mit dem Stadtrivalen Clippers sogar zum ersten Mal mit großen Chancen auf  den Gewinn der Meisterschaft in eine Saison. Die gewann Nowitzki 2011 und wurde nach seinem Karriereende am Sonntag auch dafür zur Legende des Jahrzehnts in Deutschland ausgezeichnet. Ein Zeichen von weiterhin großer Beliebtheit und Anerkennung, um die Dennis Schröder in der Heimat weiter kämpft.

Während Dirk Nowitzki für seine Statistiken in der Nationalmannschaft selbst bei Misserfolgen gelobt wird, musste Schröder im vergangenen Jahr die Prügel für das Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in China einstecken. Das lag weniger an den individuellen Statistiken - die waren auf dem Niveau eines Dirk Nowitzki - als viel mehr an einigen Entscheidungen in den Spielen. Noch immer wird der bislang einzige deutsche NBA-Champion Nowitzki in Deutschland als der selbstlose Profi gesehen, der für seinen Traum einer Meisterschaft sogar auf Geld verzichtete. Schröder hingegen erntet kritische Kommentare wegen seiner Vorlieben für ausgefallenere Mode und schnelle Autos. Auf dem Feld wird ihm ein egoistischer Spielstil nachgesagt, was auch an seiner Rolle als Spielgestalter, der den Ball am häufigsten in der Hand hat, liegen mag. Anders als Nowitzki könne er eine Mannschaft nicht führen.

In den USA erfährt Dennis Schröder eine ganz andere Wertschätzung. Dort bemühten sich die Los Angeles Lakers –seit dem Gewinn der Meisterschaft im Oktober gemeinsam mit den Boston Celtics der erfolgreichste Verein der NBA – vor einigen Wochen um die Dienste des deutschen Aufbauspielers. „Wenn er auf deiner Seite ist, liebst du ihn, und wenn er auf der anderen Seite steht, kannst du ihn verdammt nochmal nicht ausstehen“, sagte LeBron James in einer TV-Show. Neu-Teamkollege Anthony Davis war positiv überrascht und erfreut, dass Schröder per Trade zu den Lakers gelotst werden konnte und lobt ihn für seine harte Verteidigung. Und selbst der neue Trainer Frank Vogel freut sich auf die Zusammenarbeit: „Ich bin begeistert, dass er in unserem Kader steht. Es gibt wohl nur wenige Trainer in der Liga, die ein größerer Fan seines Spiels sind, als ich es bin.“

In einer Liga, in der neben dem sportlichen Erfolg Glamour und Spektakel eine große Rolle spielen, weiß Dennis Schröder zu gefallen. Mit seinem Spielstil wirkt der 27-Jährige amerikanischer als die vielen anderen Europäer, die ihr Glück in der NBA suchen. Sein raketenhafter Antritt, sein spektakulärer Abschluss am Korb und sein schnelles Dribbling wissen mehr zu begeistern als damals Dirk Nowitzkis Flamingo Shot und dessen etwas behäbiges Spiel. Der gebürtige Würzburger galt in den USA lange Zeit als zu weich, die 2:4-Finalniederlage nach einer 2:0-Führung im Jahr 2006 gegen Miami, das Erstrunden-Aus in den Play-offs 2009 trotz der besten Hauptrunde aller NBA-Teams, galt für viele Experten als Bestätigung. Erst mit dem Titel 2011 erfuhr er auch in Nordamerika den Respekt, während er in Deutschland längst ein Superstar war.

Vielleicht hilft auch Dennis Schröder ein NBA-Titel, um seine Beliebtheitswerte zu steigern. Nicht in den USA, sondern diesmal in Deutschland. An der Seite von LeBron James und Anthony Davis könnte die Chance kaum größer sein.