Trainer Thomas Hoßmang steht beim 1. FC Magdeburg schon nach vier Spielen vor dem Ende.
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MagdeburgWas waren das für Zeiten, als der 1. FC Magdeburg als neue, fußballerische Hoffnung des Ostens galt. Mit militärischer Disziplin pflügten die Blau-Weißen über die Rasenplätze der Dritten Liga, dirigiert vom akribischen Trainer Jens Härtel, der gemeinsam mit dem kompromisslosen Geschäftsführer Mario Kallnik aus oftmals unbekannten Talenten eine Einheit formte, die es Mitte der 2010er Jahre mit jedem Gegner aufnehmen konnte.

Nur wenige Jahre später steht der FCM vor einem Scherbenhaufen. Weil der Klub nach dem Aufstieg in die Zweite Liga 2018 zu schnell zu viel wollte, musste Trainer-Ikone Härtel gehen. Mit Schnellschüssen, sowohl auf dem Transfermarkt als auch bei der Wahl und Entlassung von Härtels Nachfolgern, zerlegte Kallnik innerhalb von wenigen Jahren seine eigenen, mühsam aufgebauten Errungenschaften und steht nun, nach drei Niederlagen aus den ersten vier Saisonspielen, vor dem Aus. Ebenso wie Trainer Thomas Hoßmang, der im Frühjahr den entlassenen Claus-Peter Wollitz interimsmäßig ersetzte und nach dem erfolgreichen Klassenerhalt fest installiert wurde.

Hoßmang sah sich schon zum Saisonstart, einem katastrophalen 0:2 gegen die Erzrivalen vom Halleschen FC, mit dem Vorwurf konfrontiert, der Mannschaft, insbesondere in der Offensive, keine klare, taktische Leitlinie zu geben. Fahrig wirkten die Elbestädter im Spielaufbau und überhaupt erschreckend harmlos. Nur ein Tor gelang in den ersten vier Partien. So verstand sich die Selbstkritik von Stürmer Sören Bertram irgendwie auch als Vorwurf: „Wir müssen wieder aktiv Fußball spielen, mehr auf Ballbesitz setzen. Wenn wir uns nur hinten einbunkern und immer nur versuchen, die Null zu halten, wird es irgendwann schwer. Defensiv gut zu stehen, ist die Basis in der 3. Liga. Wenn man die Bälle aber nach gefühlten zwei Sekunden wieder verliert und immer nur hinterherläuft, dann ist es vom Kopf auch irgendwann schwer.“ Vor dem 0:1 gegen Dynamo Dresden am vergangenen Wochenende versuchte sich die Mannschaft in einer Aussprache zusammenzuraufen. Der Trainer musste draußen bleiben.

Bei Geschäftsführer Kallnik gehen die Vorwürfe noch weiter. Niemand konnte in der Vorsaison verstehen, warum der 45-Jährige den beliebten Trainer Stefan Krämer durch Wollitz ersetzte, darüber hinaus kam zuletzt vermehrt Kritik daran auf, dass Kallnik den dem sportlichen Misserfolg geopferten Sportdirektor Maik Franz selbst ersetzte. „Seit Monaten diskutieren wie darüber, ob seine Machtfülle dem Verein gut tut“, kritisierte Mayk Probst aus dem Wirtschaftsrat in der „Magdeburger Volksstimme“ und wetterte: „Während verdienstvolle Spieler mit Kurzzeitverträgen gebunden werden sollten, hat sich Mario Kallnik einen Dreijahresvertrag genehmigt. Davon sind jetzt zwei Jahre um, und eine positive Entwicklung ist nicht zu sehen.“