Magdeburg - Am Ende bekam der 1. FC Magdeburg dann noch die endgültigste Keule verpasst, die man in diesem vermaledeiten Jahr 2020 bekommen kann. Ein positiver Corona-Fall in der Mannschaft sorgte dafür, dass der FCM die letzten beiden Drittligaspiele des Jahres gegen Saarbrücken und Duisburg nicht bestreiten konnte und sich das gesamte Team in häusliche Quarantäne begeben musste. Der Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt überwintert somit quasi kampflos auf dem letzten Tabellenplatz in der Dritten Liga.

Was freilich nicht allein an der Corona-Pandemie lag, sondern vielmehr an einer Melange aus so vielen Enttäuschungen, Ärgernissen und Fehlentscheidungen, dass es einer echten Willensleistung bedarf, um die Suppe, die sich der FCM im Jahr 2020 eingebrockt hat, im kommenden Jahr halbwegs unbeschadet auszulöffeln.

Im Frühjahr trennten sich die Blau-Weißen ohne echte Not und als Tabellen-Zehnter von Trainer Stefan Krämer und entschieden sich für Heißsporn Claus-Dieter Wollitz als Nachfolger. Statt für die nach dem Abstieg aus der Zweiten Bundesliga dringend benötigte Ruhe im Verein zu sorgen, zog Wollitz die Aufmerksamkeit, wie schon bei früheren Stationen, auf sich und sorgte in elf Spielen unter seiner Leitung für gerade mal magere zwei Siege. Der Klub rutschte, als Kandidat für den direkten Wiederaufstieg, plötzlich tief in den Abstiegskampf und konnte nur mit Mühe und Not von Interimstrainer Thomas Hoßmang, der zuvor die U19 des FCM trainiert hatte, zum Klassenerhalt geführt werden.

Doch nach der Last-Minute-Rettung verpassten es die Magdeburger mit dem damaligen Manager Mario Kallnik, sich um einen Übungsleiter zu kümmern, der den FCM wieder aufbauen kann. Man wähnte sich in der Sicherheit, dass Hoßmang die Mannschaft nicht nur retten, sondern auch signifikant weiterentwickeln würde, was nach der enttäuschenden Saison und der wirtschaftlich bedingt mageren Transferphase eigentlich unabdingbar gewesen wäre. Kallnik und die Vereinsverantwortlichen lagen, so viel kann man mittlerweile sagen, falsch.

Zwar war Hoßmang zu keiner Zeit vorzuwerfen, dass er nicht mit Herz und Energie bemüht war, die Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Doch war, beziehungsweise ist die Aufgabe für den engagierten 54-Jährigen offensichtlich eine Nummer zu groß. Das zeigte die Tatsache, dass die Magdeburger bislang in der gesamten Saison 2020/21 keine echte Torgefahr entwickeln konnten. Genauso wie die fragwürdige Zwischenmaßnahme, Routiniers und Leistungsträger wie Christian Beck, Jürgen Gjasula oder Sören Bertram zu suspendieren.

Zwar ist es Hoßmang zu verdanken, dass junge Spieler wie Andreas Müller ihren ersten Durchbruch im Profifußball feiern konnten. Der 20-Jährige erzielte in zwölf Partien vier wichtige und auch schöne Tore und ist gemeinsam mit Raphael Obermair Magdeburgs bester Torschütze. Nur spricht es eben auch selten für eine Mannschaft, wenn ein Youngster der bislang einzige Lichtblick einer Saison ist.

Unausgegorene Entscheidungen

Ansonsten regierte beim FCM zuletzt das Negativ. Die drei Siege aus 15 Spielen sowie lediglich 13 Treffer sind Minuswerte der Liga, wobei zu bedenken ist, dass andere Teams bereits bis zu 17 Partien gespielt haben. Gerade die fehlende Torgefahr gibt auch Sportchef Otmar Schork zu denken, der auf jeden Fall im Wintertransferfenster nachrüsten will. Dabei sei es egal, ob es junge oder erfahrene Spieler sind. „Wir brauchen die Überzeugung, dass der potenzielle Neuzugang uns auf jeden Fall weiterbringt“, sagte Schork der Magdeburger Volksstimme.

Gleichzeitig gab der Kaderplaner jedoch zu bedenken: „Es gibt keine drei- bis vierwöchige Vorbereitung mit einem Trainingslager, mit Testspielen. Wir haben kaum Zeit, Neuzugänge zu integrieren. Ein neuer Spieler ist möglicherweise gerade angekommen, steht aber bereits wenige Tage später direkt auf dem Rasen.“ Der 63-Jährige weiß ebenso, dass den Magdeburgern noch eine schwere Restsaison bevorsteht und der Klassenerhalt ein echter Kraftakt wird.

Schork selbst war erst im Herbst verpflichtet worden, nachdem der langjährige Erfolgsmacher Kallnik, zuletzt Geschäftsführer und Sportchef in Personalunion, sein Amt abgegeben hatte. Auch so eine Entscheidung, die irgendwie unausgegoren wirkte. Statt endlich den vollständigen Schnitt zu machen, soll es bei den Magdeburgern immer noch irgendwie so weitergehen, wie es in den späten 2010er Jahren so erfolgreich funktioniert hatte. Dabei zeigt der Tabellenplatz des Klubs: Der FCM muss sich endlich bewegen, um den Super-GAU Abstieg noch abzuwenden.