Unions Trainer Urs Fischer hat schon vor dem letzten Hinrundenspiel gut lachen.
imago-images/Matthias Koch

Berlin-KöpenickUrs Fischer ist niemand, der auf persönliche Ehrungen großen Wert legt. Als der Übungsleiter des 1. FC Union in der vergangenen Woche die Auszeichnung zu Berlins Trainer des Jahres erhielt, bedankte er sich artig per Videobotschaft, um die Ehrung dann sofort von seiner Person weg und hin zu seinem gesamten Team zu leiten. Im Mittelpunkt steht der 53 Jahre alte Schweizer offensichtlich eher ungern.

So ist es höchst fraglich, ob sich Fischer über die Wahl zu Deutschlands Trainer des Jahres so richtig freuen würde. Dabei ist er, wenn man den Maßstab der Vorsaison ansetzt, schon jetzt ein ernstzunehmender Kandidat. In der Spielzeit 2018/2019 war es nämlich nur dem Champions-League-Sieg von Jürgen Klopp mit FC Liverpool geschuldet, dass Friedhelm Funkel, Übungsleiter des dereinst Bundesliga-Zehnten Fortuna Düsseldorf am Ende zweiter bei der Kür zum Coach der Coaches wurde.

Was das nun mit dem 1. FC Union zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn einerseits treffen Fischer und die Eisernen am Sonntag um 15.30 Uhr auf Funkels Fortuna. Zum anderen zeichnet beide Klubs eine ungeheure Ähnlichkeit in ihrem jüngeren sportlichen Schaffen aus.

Es begann kurz vor der Winterpause 2018/2019, als sich Düsseldorf als Aufsteiger und zwischenzeitliches Schlusslicht plötzlich mehr und mehr in der Bundesliga akklimatisierte und nach einem aufregenden 3:3 gegen den FC Bayern München immer häufiger vermeintlich favorisierte Gegner an der Nase herumführte

Mutig und diszipliniert

Mit einer gleichermaßen mutigen wie disziplinierten Spielweise beeindruckten die Fortunen damals Fußball-Deutschland. Am Ende führte Funkels Wundertruppe die zweite Tabellenhälfte an und hatte über die komplette Rückrunde   nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun.

Als der 1. FC Union im vergangenen Sommer den Aufstieg in die Bundesliga nach der spannenden Relegation sicherte, griffen die Verantwortlichen der Eisernen immer wieder genau diese Erfolgsgeschichte auf. „Das Beispiel Düsseldorf hat gezeigt...“, war eine vielzitierte Einleitung, wenn Sportchef Oliver Ruhnert oder Trainer Fischer über die bevorstehende Mammutaufgaben der Kaderplanung oder den Kampf um den Klassenerhalt sprachen. Die Fortuna gilt als Paradebeispiel, wie ein Klub mit wenig Geld, unkonventionellem Scouting und viel Einsatz im Konzert der Großen mitspielen kann.

Vor dem Aufeinandertreffen mit dem Vorbildverein kann man schon jetzt besten Gewissens sagen: Die Köpenicker haben ihr Ziel bis dato erreicht. Aktuell sind sie das Überraschungsteam der Liga, das Gegner wie Borussia Dortmund oder Mönchengladbach mürbe spielt und besiegt. Einstige Schattenkicker wie Robert Andrich oder Marius Bülter wurden zu gestandenen Bundesligaprofis geformt, an denen  einige etablierte Klubs spätestens im Sommer Interesse anmelden dürften.

Und obwohl sich die Vorzeichen vor dem Duell am Sonntag geändert haben und Düsseldorf im eigenen Stadion auf dem Papier gar als Außenseiter gegen Union aufspielt, ändert nichts  an der Achtung, die der Klub bei den Köpenickern nach wie vor genießt. Was dafür sorgt, dass die Profis mit gebührendem Respekt in dieses letzte Spiel des Kalenderjahres 2019 gehen. „Auf beiden Mannschaften liegt Druck. Wir wollen weiter Zuwachs auf unserem Punktekonto. Das Gleiche gilt für Düsseldorf“, zeigte sich Unions Trainer Fischer betont diplomatisch. Denn für ihn gilt ja weiterhin: Ein pralles Punktekonto als Beweis des ganzen Teams steht bei ihm über allem. Persönliche Auszeichnungen sind da nur zweitrangig.