Christopher Trimmel will mit dem 1. FC Union wie gegen den 1. FC Köln gegen den nächsten Abstiegskandidaten punkten.
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Berlin-KöpenickEs gibt sie zu hauf, diese Fußballerfloskeln und Sprüche. Und natürlich ist das der in diesen Tagen beim 1. FC Union, in den Ländereien zwischen Wuhle und Müggelsee, auch nicht   anders. Dort wird die viel benutzte Mahnung vom schwersten Spiel bemüht. Ist ja bekanntlich immer das nächste.

Das war ja zuletzt schon gegen den 1. FC Köln der Fall, wie Christian Gentner nach dem mit 2:0 erfolgreich bestrittenen Match gegen die Domstädter in der Alten Försterei zugab. „Das war das wichtigste und von der Herangehensweise schwerste Spiel der Saison. Weil wir zum ersten Mal so richtig in die Favoritenrolle geschoben wurden“, sagt der 34-Jährige.

Gleiches droht den Eisernen natürlich an diesem Sonnabend (15.30 Uhr), wenn sie bei Mitaufsteiger Paderborn gastieren. Die gefielen bislang zwar mit erfrischendem Offensivspiel, weniger aber mit ihrer Punktausbeute. Mühsam verdrängten sie am letzten Wochenende die Kölner auf den letzten Platz. Mit nur acht Zählern hecheln sie der Musik ziemlich hinterher und weisen derzeit gar elf Punkte Rückstand auf die Köpenicker auf. Ein Sieg an der Pader, und Union hätte wohl endgültig ein Team im Schlussranking hinter sich gelassen und müsste nur noch zwei weitere Kandidaten finden, um ein weiteres Jahr in Deutschlands Eliteliga reüssieren zu dürfen.

Union ist trotz der Favoritenlage gewarnt

Nun haben die Köpenicker trotz der tabellarischen Favoritenlage erneut das schwerste, weil ja nächstes, Spiel vor der Brust. Eine Bemerkung, die beim Kapitän ein Lächeln hervorruft. „Wir denken ja eh nur von Spiel zu Spiel. Man muss mit der Favoritenrolle umgehen können. Aber wir unterscheiden   nicht bei den Gegnern, egal ob das ein Großer oder ein vermeintlich Kleiner ist, der in der Tabelle hinter uns steht. Wir müssen jeden, der kommt, ernst nehmen“, sagt Christopher Trimmel.

Ähnlich klingt das aus dem Mund seines Chefübungsleiters. „Noch haben wir gar nichts erreicht. Unser Ziel ist nach wie vor der Klassenerhalt“, wird Urs Fischer nicht müde zu betonen. Selbst die bisher geholten 19 Punkte aus den ersten 14 Spielen – für Trimmel   nicht die Miete „auch wenn das ein Superschritt war“ − sieht Fischer keinesfalls als Beruhigungspille an. Er verweist auf die erste Spielzeit der Ostwestfalen, die 2014/2015 die Halbserie auf Rang 10 mit 19 Zählern beendeten und am Ende als Schlusslicht mit 31 Punkten doch wieder in der Zweitklassigkeit mussten.

Ein sicherlich nicht ganz uninteressanter Hinweis. Aber einer der nicht berücksichtigt, dass zwischen Platz 10 und Rang 17 seinerzeit nur vier Zähler Differenz waren und sich mit Freiburg und Dortmund zwei qualitativ höherklassige Teams auf den Plätzen unter dem Strich tummelten.

Paderborn überzeugt mit horrendem Tempo

Fischer hat ohne Zweifel recht mit der Annahme, dass die Aufgabe gegen das Team von Steffen Baumgart alles andere als ein Selbstgänger wird. Favoritenlage hin oder her. Davon zeugen schon die letzten drei Partien, als der SCP gegen Dortmund beim 3:3 kurz vor einem Auswärtsdreier stand, in der Woche darauf Leipzig beim 2:3 nach der Pause phasenweise herspielte oder jüngst in Bremen mit einem 1:0 drei Punkte entführt wurden. „Das ist eine Mannschaft mit horrendem Tempo. Die vier da vorne sind alle sehr, sehr schnell. Gerade ihr Umschaltspiel ist sehr gefährlich. Da brauchst du eine Antwort drauf“, sagt Fischer mahnend.

Das Gute aber ist, dass Union nun gewarnt ist, dass ein Schlendrian eher nicht Einzug halten wird. Die Eisernen haben noch lange nicht genug und sehen sich noch nicht am Limit, wenn man den Worten ihres Kapitäns Glauben schenken darf: „Dieser Hunger, sich weiter zu entwickeln, ist einfach da und wenn du dich weiter entwickelst, macht das noch mehr Spaß. Wir werden nicht nachlassen. Wir ziehen jetzt auch über 90 Minuten unser Ding durch, war ja nicht immer so der Fall“, meinte Trimmel mit Blick auf das erste Saisonviertel.