Berlin-KöpenickAm Montag galt Köpenick plötzlich als „Hotspot der Ignoranz“ (FAZ). Weil beim Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Union gegen den SC Freiburg am Sonnabend rund 4500 Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei zusehen durften – und somit weitaus mehr als in den weitaus größeren Arenen in Dortmund (300 Zuschauer), Leipzig (900) oder München (0) –, hieß es, sinngemäß abgeschwächt, die Eisernen seien in der erneut aufbrandenden Corona-Pandemie ein schlechtes Vorbild, weil sie eine nicht existente Normalität vortäuschten, die leichtsinnig mache.

Dabei ist der Klub, vor allem für die schwer gebeutelte Veranstaltungsbranche, wohl das beste Vorbild, das es derzeit gibt. Mitten in der Krise hat der Verein, angeführt von Präsident Dirk Zingler, umgesetzt von seinen unzähligen Anhängern und abgesegnet vom Berliner Senat, seinen eigenen, kreativen Weg gefunden, um möglichst vielen Menschen ein sicheres Stadionerlebnis zu bieten und ebenso vielen Angestellten im Stadion ihre Lebensgrundlage zu sichern. 

Im April warb Zingler erstmals öffentlich für Verständnis und Lösungsansätze, nicht für den Fußball im Speziellen, sondern für die Veranstaltungsbranche im Allgemeinen. Die Eisernen legten wenige Wochen später sogar einen ersten grobkantigen, aber nicht utopischen Entwurf vor, wie Veranstaltungen mit flächendeckenden Corona-Tests auch in der Krise stattfinden könnten. Dafür wurden sie erst verlacht, später auch angefeindet und als Corona-Relativierer diffamiert.

Doch die alarmierenden Hilferufe aus der Veranstaltungsbranche sollten Anlass genug sein, endlich konstruktiv über Lösungen zu sprechen und zuzuhören, statt zu kritisieren. Der 1. FC Union ist längst bereit dafür.