Erling Haaland erzielte in zwei Bundesliga-Kurzeinsätzen fünf Tore.
Foto: Imago Images/Laci Perencyi

BerlinDer Bundesliga ist der Haaland erschienen, welches ist Erling der Nordmann. Und mit diesem fußballerischen Messias, Erling Braut Haaland mit vollständigem Namen und Geburtsort Leeds, bekommt es der 1. FC Union am Sonnabend zu tun, wenn der Verein erstmals in einem Ligaspiel im vormaligen Westfalenstadion spielt. Im Pokal hatten die Borussen in der jüngeren Vergangenheit schon zweimal das Vergnügen und mussten sich redlich und zudem in der Verlängerung mühen. Nun also ein Duell um Punkte.

Und eins, bei dem die Augen sich automatisch auf den 19 Jahre alten Wunderstürmer aus Norwegen richten, der in nur 59 Spielminuten Bundesliga schon sagenhaft anmutende fünf Treffer markierte.

Julian Ryerson freut sich auf Erling Haaland

Einer, der sich bei Union auf diese Begegnung besonders freut, ist sein Landsmann Julian Ryerson. Der knapp drei Jahre ältere Abwehrspieler, der es in sechs Bundesligakicks bislang auf knapp das Doppelte an Einsatzzeit (110 Minuten) in Deutschlands Eliteklasse gebracht hat, kennt den BVB-Angreifer persönlich. „Er ist in Bryne aufgewachsen, das ist knapp 30 km südlich von Stavanger, wo ich groß geworden bin. Ein paar Mal haben wir uns getroffen. Außerdem haben wir bei der norwegischen U21 ein bisschen zusammengespielt“, sagt der 22-Jährige. „Seine Verpflichtung hat in Norwegen großes Aufsehen verursacht. Ich denke, meine Landsleute werden jetzt viel mehr auf die Bundesliga schauen als zuvor und nicht immer nur Premier League gucken. Das Interesse an seiner Person ist auf jeden Fall riesengroß und durch den Wechsel zu Dortmund wird das noch wachsen. Er hat das etwas Besondere und ist trotzdem normal geblieben. Einfach ein guter Junge mit einem guten Charakter“, so Ryerson.

Haaland gilt als eines der größten Talente der Skandinavier. Länger als ein Jahr hielt es den Sohn von Alf-Inge Haaland, der zwischen 1997 und 2004 auf 181 Premier-League-Einsätze für Manchester City, Leeds und Nottingham kam, nicht bei RB Salzburg, dann wurde ihm nach 17 Treffern in 16 Ligaspielen sowie acht Champions-League-Tore die Alpenwelt zu klein.

20 Millionen Euro ließ Dortmund sich das Haaland-Vergnügen kosten. Schon jetzt ist klar – ein Schnäppchen. Dabei stachen die Borussen illustre Konkurrenz aus. Auch der kleine Dienstweg innerhalb des Brause-Imperiums wurde dabei unterbrochen. Für gewöhnlich sichert sich ja Leipzig die Dienste talentierter Kicker aus der Salzburger Filiale.

Neven Subotic lobt die Dortmunder Ausbildung

Die kommenden Monate werden davon geprägt sein, dass der BVB die vereinbarte Ausstiegsklausel aus seinem bis 2024 laufenden Vertrag, schnell den Marktgepflogenheiten anpasst. Angesichts der überhitzten Preise scheinen die kolportierten 75 Millionen nämlich als viel zu wenig. Dafür, dass Haaland bislang nur dosiert eingesetzt worden ist von Trainer Lucien Favre, hat Ryerson volles Verständnis. „Das hat alles seine Gründe. Man braucht immer etwas Zeit, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Man braucht eine gewisse Basis. Und er kam ja auch aus einer Verletzung“, sagte Ryerson.

Julian Ryerson klatscht mit Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nach dem Sieg gegen Augsburg ab.
Foto: Bernd König

Neven Subotic, auch einer mit Borussen-Vergangenheit, kann Haaland zu seiner BVB-Entscheidung nur beglückwünschen und ist heiß auf die Auseinandersetzung am Sonnabend. „Da ist etwas, was Dortmund für junge Spieler besonders macht. Eine Atmosphäre, in der junge Spieler die Möglichkeit haben, anzukommen und Fehler zu machen, denn das ist ja das natürlichste auf der Welt. Bei anderen Vereinen darfst du das nicht, da bist du sofort raus. Ich glaube, er ist an einem richtig guten Ort, um seine Entwicklung auch voran zu bringen“, sagt Subotic, der in dem Zusammenhang auch   den anderen Superteenager in westfälischen Diensten – Jadon Sancho – hätte nennen können.

Doch natürlich fokussiert sich die Aufmerksamkeit der Fußballwelt immer auf das Neuste, das ist eben der 1,94 Meter große Haaland. Also ein auch von der Länge her kaum zu übersehender Akteur auf dem Feld. „Der Brecher mit dem Babyface“, taufte ihn zuletzt die Zeit leicht boulevardesk. Seine Ballführung sei verbesserungswürdig, heißt es. Fest steht, dass er in Laufduellen schwer einzuholen ist und oft auch zwei Gegenspieler körperlich an ihm abprallen. Eigenschaften, die bei Union einem gewissen Suleiman Abdullahi nachgesagt werden, aber der fehlt ja seit Saisonbeginn.

Nicht auf Haaland reduzieren

„Er weiß, dass es läuft. Und es ist auch super, dass es läuft. Denn jeder wünscht sich ja, dass es läuft“, zeigte Subotic eine nahezu kindliche Freude an der Entwicklung des jungen Norwegers, um dann unvermittelt ernst zu werden. „Aber wir wissen auch, dass auch er nur ein Mensch ist und es auch für ihn nicht immer laufen wird. Vielleicht schon am Samstag.“

Aber wir wissen auch, dass auch er nur ein Mensch ist und es auch für ihn nicht immer laufen wird. Vielleicht schon am Samstag.“

Julian Ryerson

Da hätte bei Union wohl keiner was dagegen. Aber Ryerson warnt davor, das bevorstehende Spiel auf ein Duell gegen Haaland zu reduzieren. Könnte kontraproduktiv werden. Wie also ist der Fußball-Messias zu stoppen? „Es geht mehr darum, die ganze Borussia zu stoppen, nicht nur einen einzelnen Spieler. Das fängt ja auch bei den anderen Stürmern an. Wir müssen Druck auf sie ausüben, auf sie und den Ball. Wir dürfen ihnen keine Raum geben oder Zeit, dass sie gefährlich werden können“, meint Ryerson. Kollege Marius Bülter sagt: „Wir werden ihn natürlich irgendwie analysieren, auch wenn das noch schwierig ist. Aber ich denke nicht, dass wir uns für ihn irgendeine Sonderbewachung ausdenken. Das müssen wir als Mannschaft auffangen.“