Julian Ryerson konnte sich selten gegen Leipzigs Doppeltorschützen Timo Werner durchsetzen.
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LeipzigFür Fußball-Anhänger, die es mit Underdogs halten oder die von Haus aus einem kleinen Klub aus Köpenick zugeneigt sind, war der Rückrundenstart wenig erfreulich. Was zum einen natürlich an der zu erwartenden Niederlage des 1. FC Union bei RB Leipzig lag. Auch wenn die sich mit einem 1:3 (1:0)  sehen ließ. Problematisch daran waren   vor allem die Ergebnisse der Konkurrenz. Denn die Tabelle in den unteren Gefilden rückte enger zusammen.

Werder Bremen feierte eine Wiederauferstehung mit dem 1:0 bei Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Köln den vierten Sieg in Serie beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg. Diese Ergebnisse haben zur Folge, dass die Eisernen ihren Vorsprung auf die Plätze unter den Strichen langsam dahinschmelzen sehen. Schon kommendes Wochenende könnte Union im Worst Case auf Platz 16 zurückfallen. Auf einmal ist   Druck auf dem Kessel.

Union hat ein wichtiges Spiel gegen Augsburg

„Nächste Woche gegen Augsburg ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel für uns. Dass wir in Leipzig nicht zwingend punkten müssen, war klar. Aber Augsburg ist ein komplett anderes Spiel. Das ist für uns der Maßstab“, blickte Christian Gentner schon unmittelbar nach dem Abpfiff voraus.

Dann kann man zumindest darauf hoffen, dass   Christopher Trimmel wieder mit von der Partie sein wird. Der 32-Jährige war durch einen Infekt verhindert. Für seinen Ersatzmann Julian Ryerson war es eine höchst undankbare Aufgabe, sich erstmals seit dem Relegationsrückspiel gegen Stuttgart am 27. Mai in einem ligarelevanten Spiel behaupten zu müssen und dabei auf einen Mann wie Timo Werner zu treffen, der zwischen internationaler Klasse und Weltspitze anzusiedeln ist. Der Nationalspieler machte   am Ende auch   den Unterschied aus. Weil er mit einem sensationellen Schuss die seit der 10. Minute durch Marius Bülters Führungstreffer keimende Hoffnung auf einen Coup mit dem 1:1 (51.) zum Platzen brachte.

Wenig später sorgte dann Marcel Sabitzer für die   Wende (57.), ehe erneut Werner den Schlusspunkt (83.) setzte. „Wir haben uns ganz gut verkauft. Waren griffig. Nicht einfach zu bespielen. Aber das ist ja schon eine große Qualität, auf die wir hier getroffen sind. Ich habe keine stärkeren Gegner über die Saison hinweg über gesehen. Auch von der individuellen Klasse her sind zwei oder drei Spieler da drin, die herausragend sind. Das muss man summa summarum über 90 Minuten anerkennen, dass das eine Nummer größer war“, lautete Gentners Fazit.

Die Niederlage war auch selbstverschuldet

Ein Stück weit war die Pleite dennoch auch selbstverschuldet. Natürlich hatte Leipzig mächtig Druck entfacht, vor allem kurz vor der Pause. Nur gingen die Eisernen da auch fahrlässig um mit ihren Möglichkeiten. Union hätte also versuchen müssen, dem stärker werdenden Druck auf dem Rasen länger standzuhalten. Was misslang. Zum Unmut von Trainer Urs Fischer. „Die beiden Gegentore waren nicht zwingend. Da habe ich andere Aktionen aus der ersten Hälfte im Kopf, die waren viel zwingender“, sagte Unions Chefcoach.

Niederlage im Testspiel gegen St. Gallen

Zugang Yunus Malli hat im Testspiel der Reservisten des 1. FC Union gegen den FC St. Gallen sein Startelfdebüt für die Berliner gegeben. Die Eisernen unterlagen am Sonntag mit 1:2 (1:1) dem Schweizer Erstligisten, Malli kam dabei 63 Minuten zum Einsatz. Der Offensivspieler war kurz vor Rückrundenstart auf Leihbasis vom Bundesligakonkurrenten VfL Wolfsburg verpflichtet worden, beim 1:3 bei RB Leipzig am Samstag durfte er die letzten 20 Minuten ran.

Ein bisschen straft Union nun der Schwächeeinbruch vor der Winterpause, als in Paderborn und vor allem in Düsseldorf buchstäblich in letzter Sekunde eine komfortable Ausgangssituation verspielt wurde. Ohne diese Pleite im Rheinland hätte Union jetzt immer noch vier Zähler Vorsprung auf Rang 16. Acht wäre es sogar auf Platz 17.

Aber nunmehr herrscht Druck. Vielleicht zum ersten Mal   in dieser Spielzeit. Es ist die Frage, wie die Köpenicker damit umgehen werden. Für Fischer ist die Sache klar. „Schau nur auf dich, Schau nicht auf die Resultate, was die anderen machen. Wenn wir nur das machen, dann kommt das nicht gut. Wir müssen unsere Arbeit erledigen und das heißt, dass wir auch Spiel gewinnen müssen. Denn 20 Punkte werden am Ende nicht reichen, egal wie die anderen spielen.“