Fünf jubeln, einer strahlt: Sebastian Andersson trifft nach langer Zeit wieder für die Eisernen.
dpa

Frankfurt - Wenn die Stadionregie in der Frankfurter Arena den Rockklassiker von Bob Geldorf „I don’t like mondays“ als Untermalung für ein Fußballspiel benutzt, dann kann eigentlich kein freudvolles Ereignis herauskommen. Montagsspiele sind für Eintracht Frankfurt ein jedes Mal Anlass zu den verschiedensten Protestnoten: Diesmal überlagerte ein lange angekündigter Boykott der Eintracht-Fankurve das Heimspiel gegen Union Berlin, dem sich dann auch noch die sportliche Ernüchterung anschloss: Fast schon folgerichtig setzte es in der merkwürdigen Atmosphäre eine 1:2 (0:0)-Heimniederlage  gegen den Aufsteiger.

Für die Eisernen bedeutete der letztlich verdiente Dreier den nächsten wegweisenden Schritt zum Klassenerhalt, während die Eintracht in dieser Verfassung allenfalls im Tabellenmittelfeld strandet. Passend zum gebrauchten Abend das Zustandekommen beider Gegentores. Beim 0:1 von  Sebastian Andersson waren sich Erik Durm und David Abraham sich derart uneinig, dass Christopher Lenz dazwischen sprintete und dem Union-Torjäger vorlegte (49.). Beim 0:2 war Eintracht-Abwehrspieler Even Ndicka so freundlich, den von Kevin Trapp abgewehrten Ball mit dem Schienbein über die Linie zu bugsieren (67.). Der Anschlusstreffer von André Silva nach einem feinen Hackentrick kam letztlich zu spät (79.).

Für Frankfurt fühlte sich der Rosenmontag letztlich doch wie Aschermittwoch an: Die Eintracht-Fans hatten in der Nordwestkurve ein  schwarzes Banner mit einem als Verbotsschild markierten Montag aufgehängt. „Wir sind keinesfalls bereit, eine gute Miene zum Montagsspiel zu machen“, lautete die Begründung der einflussreichen Gruppierung „Ultras Frankfurt 1997“ für ihr Fernbleiben im Stehplatzbereich. Die im Gegenzug mit 2600 Anhängern angereisten Eisernen bekundeten insofern Solidarität, das vor ihrem Block das Transparent hing: „Anstoßzeiten fair gestalten.“

Nach Tennisbällen, Trillerpfeifen, Platzsturm und Pyrotechnik war die verwaiste Tribüne die nächste Unmutsbekundung der das fünfte Mal in eine Montagspaarung involvierten Eintracht. „Wir respektieren und akzeptieren diese Entscheidung, die der komplette Verein mitträgt“, hatte Trainer Adi Hütter gesagt.

Union defensiv stabil

Der Österreicher stellte mit dem extrem schwachen Durm und Dominik Kohr zwei Akteure auf, die zuletzt wenig Spielanteile hatten, um in einer Woche mit drei Pflichtspielen zu rotieren. Hütter-Kollege Urs Fischer bot Florian Hübner und Julian Ryerson anstelle des gesperrten Christopher Trimmel und des erkrankten Keven Schlotterbeck auf, behielt ansonsten die bewährte Formation in der 3-4-3-Grundordnung bei.

Der 28 Jahre alte Sohn des Frankfurter Sportdirektors Bruno Hübner war es nach einer umkämpften ersten Halbzeit auch, der das Union-Tor am ehesten in Gefahr brachte: Nach Flanke von Ndicka hätte der  Verteidiger in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs beinahe den Ball ins eigene Tor geköpfelt. Ansonsten war die kompakte Berliner Defensive stets auf Höhe des Geschehens und hatte die harmlose Frankfurter Offensive weitgehend gut im Griff. Eintracht-Taktgeber Daichi Kamada, gefeierter Dreifachtorschütze in der Europa League gegen den FC Salzburg (4:1), blieb genauso blass wie Sturmspitze Gonzalo Pacienca.

Punktuell setzten die griffigen Gäste einige Nadelstiche, doch ein Schlenzer von Yunus Malli geriet ebenfalls zu harmlos wie eine Direktabnahme (17. und 22.). Die beste Chance besaß der aufgerückte Abwehrhüne Marvin Friedrich, der mal locker in der Luft Tormann Trapp übersprang (35.). Die zweite Halbzeit begann für die heimstarke Eintracht mit dem Schock des kuriosen Gegentores. Logisch, dass die Adlerträger danach versuchten, das Geschehen wieder an sich zu reißen. Aber Pacienca setzte seinen Kopfball zu hoch an (62.), auf der Gegenseite schloss Marius Bülter einen Konter zu überhastet ab (65.).

Doch dann bereitete der eingewechselte Marcus Ingvartsen nach einer schöne Ballstafette sehr gekonnt das 0:2 vor. Wichtig für Union, dass Keeper Rafal Gikiewicz danach stark gegen Pacienca parierte (69.). Doch nach dem Hackentor von Silva zum 1:2 wachte auch das Frankfurter Publikum noch auf. Erst mit einer Doppelparade gegen Abraham und Pacienca hielt der tüchtige  Gikiewicz den Sieg fest (87.).