Joshua Mees zieht es ablösefrei zu Holstein Kiel.
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Berlin-KöpenickAm Ende war alles wie erwartet: Der 1. FC Union erlebte einen ruhigen letzten Tag der Sommertransferphase, „Deadline Day“ genannt, und verpflichtete nach der aufregenden vergangenen Transferwoche keinen neuen Spieler mehr. Stattdessen wurden die Eisernen als Kader-Aufräumer aktiv und gaben erwartungsgemäß noch drei Spieler ohne echte Perspektive ab. Allein die Modalitäten verwunderten ein wenig.

Denn sowohl Joshua Mees als auch Lars Dietz und Talent Berkan Taz verließen die Köpenicker ablösefrei, was vor allem in den Fällen von Mees und Taz für erhobene Augenbrauen sorgte. Nachdem die Eisernen Mees im Sommer 2018 für 500.000 Euro an die Wuhle geholt hatten, musste Holstein Kiel, seit jeher durch die Unterstützung der norddeutschen Warenhauskette Famila finanziell ziemlich gut ausgestattet, so gar nichts zahlen.

„Es war Joshuas Wunsch, mehr Spielpraxis bekommen zu können. Aufgrund der Konkurrenzsituation in unserem Kader haben wir diesem Anliegen entsprochen. Wir verlieren Josh sehr ungern, da er sich trotz diverser Verletzungen immer wieder zurückgekämpft hat und fester Bestandteil unseres Kaders in den letzten beiden, erfolgreichen Spielzeiten war“, erklärte Unions Sportchef Oliver Ruhnert.

Ob allein der Wechselwunsch dafür ausreichend war, Mees nun quasi mit Verlust in Richtung Kiel abzugeben, oder ob womöglich Nachzahlungen, zum Beispiel im nicht so unrealistischen Aufstiegsfall der Holsteiner vereinbart wurden, blieb unklar.

Ebenso die Situation, warum mit Berkan Taz ein weiteres Talent der eisernen Talentschmiede den Verein verlassen musste, ohne jemals eine ernsthafte Chance im Profikader bekommen zu haben. Der 21-Jährige absolvierte in der Aufstiegssaison beim Auswärtsspiel auf St. Pauli zwar zwölf Einwechselminuten und wurde danach förmlich in den Himmel gelobt, fortan aber nie wieder eingesetzt. Dabei offenbarte der gebürtige Berliner stets einen enormen Trainingseifer, und einige Beobachter der Köpenicker hätten gerne gesehen, wie er sich in einem Pflichtspiel auf allerhöchstem Niveau geschlagen hätte.

Stattdessen geht es nun in die Dritte Liga zu Aufsteiger SC Verl. „Berkans Weg in den Profifußball kann nur über Spielpraxis gehen, diese können wir ihm hier leider kaum bieten. Er ist ein immer positiver Typ, der stets alles gibt, um erfolgreich zu sein, deshalb unterstützen wir seine Bemühungen und seinen Wechsel zum SC Verl“, begründete Ruhnert den Transfer auch in Taz' Fall mit der fehlenden Spielpraxis. Unausgesprochen blieb, dass der Vertrag des Offensivallrounders aufgelöst wurde.

Ebenso wie der von Defensivspieler Lars Dietz. Dem 23-Jährigen war schon in der vergangenen Vorbereitung eine starke Trainingsmoral attestiert worden, gereicht hat es für den Kader dann aber doch nie. Mit 23 ist Dietz allerdings auch kein Jungtalent mehr, sein Wechsel zu den Würzburger Kickers ist für alle Seiten eine gute Lösung.

Bleiben wird hingegen der zuletzt mit einem Zweitligisten in Verbindung gebrachte Nachwuchstorhüter Lennart Moser. Der durfte sich vor der Verpflichtung von Loris Karius Hoffnungen auf den einen oder anderen Einsatz machen, ist aber nun nur mehr die Nummer drei. Spielpraxis? Fehlanzeige.