Die Eisernen gehen gestärkt in die Transferpause.
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Berlin-KöpenickWenn man etwas aus der vergangenen Woche gelernt hat, dann das: Der 1. FC Union hat sich etwas getraut. Als nach dem Wechsel von Sebastian Andersson zum 1. FC Köln die Frage aufkam, wie die Eisernen auf den Abgang ihres besten Stürmers reagieren würden, gab es drei Optionen: Andersson eins zu eins zu ersetzen, seinen Verlust mit dem vorhandenen Personal aufzufangen oder mit punktuellen Verstärkungen auf unterschiedlichen Positionen das eigene Spiel flexibler zu machen.

Dabei war die dritte Option mit Sicherheit die riskanteste, doch die Köpenicker haben in den vergangenen Tagen Mut bewiesen, sind den Weg der Neuausrichtung tatsächlich gegangen – und haben dabei zugleich noch eine Menge Geld gespart. Denn zunächst deutete alles darauf hin, dass die Eisernen mit Philipp Hofmann vom Karlsruher SC einen identischen Ersatz für den abgewanderten Schweden präsentieren wollten. Zum Glück, kann man mittlerweile sagen, forderten die Badener zu viel für den Stoßstürmer, sodass sich Sportboss Oliver Ruhnert schließlich anders orientierte.

Vom FC Liverpool kam mit Taiwo Awoniyi ein Stürmer, der Andersson körperlich in nichts nachsteht, allerdings noch nicht die spielerische Qualität des Schweden aufweist. Dennoch deckten die Eisernen damit zunächst einmal die durchaus vorhandene Lücke ab, die der Schwede hinterlassen hatte, um grundsätzlich dafür gewappnet zu sein, das bekannte und perfektionierte lange Aufbauspiel auf einen Stoßstürmer weiterhin spielen zu können. Ein Sicherheitstransfer, der eigentlich nur funktionieren kann. Finanziell ist der ausgeliehene Nigerianer kaum ein Faktor. Und findet Awoniyi, wie bei seiner vorherigen Leihstation in Mainz, nicht zu einer bundesligareifen Form, haben die Eisernen genug Angreifer, um seinen Ausfall zu kompensieren.

Einer davon ist die jüngste Kaderergänzung, der Finne Joel Pohjanpalo. Er gibt dem Team von Trainer Urs Fischer als kompletter Stürmer mit einem ausgeprägten Torinstinkt eine völlig neue Dimension. Denn weil der 26-Jährige nicht viele Chancen für ein Tor benötigt, haben die Eisernen in ihm noch eine Allzweckwaffe, die von Beginn an spielen oder von der Bank kommen, als alleinige Spitze oder in einem System mit zwei Stürmern auflaufen kann. „Er kann sich unter Druck behaupten“, lobt auch Trainer Fischer den Neuling, der ebenfalls kostengünstig und zudem mit Kaufoption von Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen wurde.

Ohne Kaufoption wurde hingegen Loris Karius, ebenfalls vom FC Liverpool, ausgeliehen. Der Torhüter hebt die Eisernen nicht nur sportlich, sondern auch in der Außenwahrnehmung auf eine neue Stufe, ähnlich wie Max Kruse, der bereits zuvor verpflichtet wurde. Mit Karius reagierten die Köpenicker wiederum auf eine Vakanz, die im Verlauf des Spätsommers ein wenig in Vergessenheit geraten war. Denn reagierten viele bei der Verpflichtung von Andreas Luthe als vermeintlichem Ersatz für den abgewanderten Rafal Gikiewicz noch mit Unverständnis, so wirkte der 33-Jährige plötzlich wie ein veritabler Stammtorwart. In Vergessenheit geriet dabei, dass Luthe in der vergangenen Saison bereits bei einem auf der Torhüterposition extrem schwach aufgestellten FC Augsburg keinen Stammplatz hatte - und eine Verpflichtung wie die von Karius tatsächlich notwendig war. Welchen Einfluss die extrovertierte Art des 27-Jährigen auf den Union-Kosmos haben wird, wird die Zeit indes genauso zeigen.

Wann die Zugänge so richtig angreifen werden, ließ Trainer Urs Fischer vor dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 am Freitag (20.30 Uhr) noch offen. Sowohl Karius als auch Pohjanpalo seien prinzipiell bereit, gegen die angeschlagenen Mainzer aufzulaufen. Wahrscheinlich ist, dass vor allem Karius noch eine Schonfrist über die kommende Länderspielpause erhält, um sich zu akklimatisieren. Pohjanpalos Qualitäten als Joker könnte Fischer hingegen schon am Freitagabend ausprobieren, Taiwo Awoniyi stand bereits in Mönchengladbach in der Startelf.