Unions geballte Jokermacht: Joshua Mees, Sebastian Polter, Anthony Ujah (v. l.).
Foto: Ottmar Winter

Berlin-KöpenickZu einer der vielen kniffligen Aufgaben eines Fußballtrainers gehört auch, seine Mannschaft stets bei Laune zu halten. Das ist vor allem bei einer 34 Spieltage andauernden Bundesliga-Saison nicht immer ganz einfach. Zumal man, wie der 1. FC Union, um den Ligaverbleib kämpft und dazu auch noch einen 32 Mann starken Profikader hat. Der XXL-Kader berge natürlich Explosionsgefahr, befanden vor der Saison viele Experten, darunter auch Torsten Mattuschka. Unruhe könne aufkommen, gerade wenn es ein paar Spiele mal nicht läuft, orakelte der langjährige Union-Kapitän. Sportdirektor Oliver Ruhnert wies darauf hin, dass man ein Problem habe, wenn einer aus der Reihe tanzt. „Und dann kriegt aber auch der Spieler ein Problem.“

Zu diesem Zeitpunkt der Saison kann man zurecht behaupten, dass das Bei-Laune-Halten den Verantwortlichen gut gelungen ist. Andererseits sagte Cheftrainer Urs Fischer auf der Spieltagskonferenz vor Auswärtspartie in Mainz am Sonnabend um 15.30 Uhr: „Alleine bekommst du das nicht hin. Das geht nur mit Teamwork. Es braucht viele Personen, damit du das in den Griff bekommst.“

Lob für das Trainerteam

Christian Gentner ist einer der Routiniers im Kader. Der 34 Jahre alte Profi steuert in dieser Saison auf die 400-Bundesligaspiele-Marke zu, ist zweifacher Deutscher Meister und als Teil des Mannschaftsrates ein verlängerter Arm von Fischer. „Wir haben vor der Saison thematisiert, dass Unzufriedenheit aufkommen kann“, gesteht der Stuttgarter. „Wir haben darauf hingewiesen, dass sich schnell eine erste Elf rauskristallisieren wird. Eine Gruppe funktioniert aber nur über einen längeren Zeitraum, wenn das Leistungsniveau hochgehalten wird und der Nebenmann in der Kabine gefordert wird. Das läuft bei uns total gut.“ Gentner lobt indes das Trainerteam, dass das Ganze „sehr gut managt“. Fischer und sein Stab würden das Bewusstsein aller Akteure schärfen. „Man hat in Freiburg gesehen, dass es schnell gehen kann. Da waren alle Eingesetzten sofort auf Level.“

So auch Joshua Mees. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler, der ganz dicht dran ist an der Startelf, aber trotzdem überwiegend auf der Bank sitzt, kam im Derby gegen Hertha (1:0) zu seiner fünften Liga-Einwechslung und überzeugte. Im von Gentner angesprochenen Pokalspiel gegen Freiburg, das 3:1 gewonnen wurde, lief er von Beginn an auf und traf. „Diese Mentalität zu entwickeln“, lobt Fischer, „in den sauren Apfel zu beißen, zu trainieren, bereit sein zu müssen und trotzdem nicht zu spielen, aber dann, wenn du gefragt bist, voll auf den Punkt dazu sein, das hat er gezeigt.“

Auch Anthony Ujah und Sebastian Polter geht es so. Polter kommt in sechs Einsätzen auf gerade Mal 102 Spielminuten. Dennoch traf der 28-Jährige in den letzten beiden Spielen gegen Bayern (1:2) und Hertha nach seiner Einwechslung jeweils vom Elfmeterpunkt. Keine einfache Situation für den Publikumsliebling, der aber nicht aufsteckt. „Ich muss meine Zeit, in der ich spiele, einfach effektiv nutzen. Natürlich will ich immer spielen. Aber der Trainer weiß, was für den Erfolg der Mannschaft am besten ist. Wir haben viel gesprochen, er hat mir gesagt, was ich verbessern muss.“

Der Trainer hält sich bedeckt

Der 29 Jahre alte Ujah, der vor der Saison für eine rekordverdächtige Summe von zwei Millionen Euro geholt wurde, hat von acht Ligaeinsätzen nur drei von Anfang an bestritten. In den letzten sechs Ligaspielen saß er gar zwei Mal über 90 Minuten auf der Bank. Beim Pokalspiel in Freiburg glänzte der Routinier noch mit zwei Vorlagen, sah dafür kurz darauf im Derby nur zu – und trotzdem jubelte der Nigerianer im grünen Leibchen nach Polters Siegtor so, als hätte er selbst getroffen. Fischer freut das. Es sei eine Charakterfrage, dass alle Jungs voll mitziehen. „Wir führen viele Gespräche mit den Spielern. Unsere Spieler kennen ihre momentane Situation. Sie wissen: Wenn ich dranbleibe, kriege ich früher oder später auch meine Chance.“ Er weiß aber auch: „Jedem kannst du natürlich nicht gerecht werden.

24 Spieler hat Fischer in der laufenden Saison schon eingesetzt. 40 Prozent der Treffer haben Einwechselspieler erzielt – das ist Ligarekord. Neben den genannten Kickern traf auch Sebastian Andersson als Joker (1:1 in Augsburg). Auch für das Gastspiel in Mainz hat Fischer wieder eine Handvoll verlässlicher Joker in der Hand. Wer aber wird in Rheinhessen auflaufen? Fischer hält sich gewohnt bedeckt: „Lasst Euch einfach überraschen.“