Mit vereinten Kräften: Marius Bülter und Christopher Lenz (v. l.) bedrängen im Hinspiel gemeinsam Schalkes Daniel Caligiuri. 
Foto: Imago Images/Laci Perenyi

BerlinManchmal beschleicht den geneigten Fußballfan oder auch Trainer der Wunsch, dass seine liebste Sportart einfach im Supermarkt erhältlich wäre. Urs Fischer beispielsweise, müsste sich vor dem sonntäglichen Duell gegen Schalke 04 (15.30 Uhr/Stadion An der Alten Förstere)  nur in die Nährmittel-Abteilung begeben, ein wenig stöbern und eine Fertig-Backmischung aus dem Regal herausziehen und schwuppdiwupp – schon hätte er die Lösung. 

Im wirklichen Leben des Hochleistungssports funktioniert das natürlich nicht. Der ist weit mehr als die Summe der Zutaten. Es gibt daher keine Rezepte, die man schnell mal zusammenmixt, damit alles wieder bestens nach Waffel mit Sahnehäubchen schmeckt. Auch wenn der Schweizer Fußballlehrer nach sechs sieglosen Spielen in Serie derzeit händeringend danach fahndet. 

Die Köpenicker, denen derzeit alles abzugehen scheint, was sie zuvor ausgezeichnet hatte, wirken angeschlagen. Vorne lau, hinten mau. Um das zu ändern, benötigen sie in einem laut Fischer „schwierigen Spiel“ dringend ein Erfolgserlebnis. 

Es „gilt, eine gute Mischung hinzubekommen. Wir müssen die Offensive wieder beleben und trotzdem die Ordnung nicht verlieren. Nur zu verteidigen, wird nicht aufgehen, nur nach vorne zu rennen, wird auch nicht funktionieren“, weiß Fischer.

Die Frage, ob die zuletzt fehlende Wucht auch ein wenig damit zu tun haben könnte, dass Union zuletzt nahezu mit der gleichen Besetzung agierte und mangels eines echten Konkurrenzkampfes nicht wirklich alles aus allen herausgekitzelt werden könnte, wies er als mögliche Ursache von sich. „Es ist doch normal, dass man versucht, einen Stamm zu kreieren. An dem gilt es festzuhalten. Auch die, die sich im Stamm befinden, müssen Woche für Woche Leistung abrufen und sich im Training beweisen, um diesen Stammplatz nicht zu verlieren“, sagt Fischer. 

Theoretisch gut, aber die Praxis hält dem nicht immer stand. Der stets total engagierte Marius Bülter wirkte zuletzt ein wenig überspielt. Die Alternative Joshua Mees kommt maximal als Joker zum Einsatz. Felix Kroos bekommt gefühlt nur Corona-Momente, von denen man nicht weiß, ob sie ohne die erhöhte Zahl ans Auswechselungen überhaupt zustande kommen würden. Von Anthony Ujah weiß man nur, dass er im Kader steht, weil er vor Spielbeginn immer als Ersatz auf dem Mannschaftsbogen geführt wird.

Auch gegen Schalke ist kaum zu erwarten, dass Fischer zum großen Rotator mutiert beim Duell der Kellerkinder. Auch wenn Fischer davon nichts hören mag. „Für mich ist es das Duell 10. gegen 14., nicht 17. gegen 18. Ich schaue die ganze Spielzeit an, nicht nur den Moment“, sagte der 54-Jährige fast angefressen.

Für mich ist es das Duell 10. gegen 14., nicht 17. gegen 18.

Urs Fischer, fast empört

Die Tabelle weist die Knappen mit 37 Zählern zwar auf einem komfortabel anmutenden 10. Platz aus.  Doch im Corona-Ranking seit dem Re-Start – am anderen Ende Berlins genussvoll Bruno-Labbadia-Tabelle genannt, weil Hertha da Zweiter ist – treffen nun die Schlusslichter aufeinander. Die Königsblauen sind sogar Träger der Roten Laterne, konnten aus den letzten vier Partien nicht ein Pünktchen ergattern. Bei einem Torverhältnis von 1:10! Die eiserne Bilanz ist da kaum besser. 2:11 Treffer waren auch nur für einen Zähler gut. 

Übrigens, die Konkurrenz im Abstiegskampf stammt zwar auch nicht aus der Feinkostabteilung, doch die Zutaten passen besser zusammen. Paderborn konnte immerhin drei Zähler ergattern, auch wenn den Ostwestfalen das nicht wirklich nutzt. Düsseldorf sackte sogar fünf Punkte ein und Bremen beachtliche sieben. Die Eisernen brauchen diesen Dreier also unbedingt. Damit es weiter entlang der Wuhle heißen kann: Im Keller brennt noch Licht.