Keven Schlotterbeck und Marcus Ingvarsten duellieren sich mit Bayerns Alphonso Davis
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Berlin-KöpenickDirekt nach dem Schlusspfiff an der Alten Försterei brach auf einmal auf der spärlich besetzten Pressetribüne eine hektische Betriebsamkeit aus, eine, die für gewöhnlich bei Fußballspielen in den Sekunden unmittelbar vor dem Abpfiff   gern mal auf dem Spielfeld zu bewundern ist, wenn ein Team im gegnerischen Strafraum darauf aus ist, einem Resultat noch einmal eine hübsche Wendung zu geben. Oft und gerne mit nach vorne geeiltem Torwart. 

Die zehn akkreditierten Journalisten mühten sich jedenfalls flugs untereinander abzustimmen, wer nach Unions 0:2 gegen den FC Bayern denn jetzt was an Erkundigungen einreicht. Denn, auch das ist durch Corona anders, jeder Reporter darf nur eine Frage stellen. Und das schriftlich über ein eigens dafür eingerichtetes Tool. Damit sich nichts doppelt, war eine Fokussierung auf die bevorstehende Aufgabe nötig, denn Nachfragen waren nicht gestattet. Womit ein verbaler Doppelpass zwischen Trainern und Reportern unmöglich war.

Wie es bei neu einstudierten taktischen Elementen oft auch auf dem Feld so ist, klappte nicht alles auf Anhieb. So wie Neven Subotic den dazwischenspringenden Leon Goretzka übersehen hatte und dadurch einen von Robert Lewandowski zum  1:0 verwandelten Elfmeter heraufbeschwor (40.), vergaß ein  Reporter schlichtweg von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.  Folglich flimmerten auch nur neun Fragen über die hoch oben am Dach befestigte Videoleinwand im Stadion, in der Bayern-Trainer Hansi Flick und Unions Interimscoach Markus Hoffmann ihre Einschätzungen zum Spiel wie in einem Autokino vom Himmel hoch her herabträufeln ließen auf die wissbegierige Heerschar der irdischen Reporter.

Fischer kehrt zurück

Doch die alles entscheidende Frage, was denn diese Auftakt-Pleite für das am Freitagabend stattfindende Stadtderby gegen Hertha BSC wirklich bedeutet hätte und ob Union auch den nicht-coronierten Sicherheitsabstand zu den Abstiegsplätzen bewahren kann, ließ sich auch bei präzisester Fragestellung nicht ermitteln. Das Spiel habe keinen Einfluss auf die kommende Partie, glaubt Hoffmann, der ab heute zusammen mit dem anderen Co – Sebastian Bönig – wieder ins zweite Glied zurückkehren wird, weil Chefcoach Urs Fischer sich am Montag einem zweiten Corona-Test unterzogen hat und nach Lage der Dinge wieder das Mannschaftstraining leiten darf.

„Das sind zwei unterschiedliche Gegner. Wir schauen nicht auf die Tabelle, wer vor uns ist und wer hinter uns ist“, so Hoffmann, womit er sich sicherlich vom Anhang der Eisernen unterscheidet. Denn die würden den Lokalrivalen gerne weiter hinter sich wissen.  Grundsätzlich überwog die Erleichterung, nicht eine Klatsche kassiert zu haben, die sich womöglich negativ auf die Psyche hätte auswirken können.

Eine Niederlage gegen die Münchner ist – um im Sprachduktus von Fischer zu bleiben – halt „einbudgetiert“. Alles erwartungsgemäß. „Das sind eben die Bayern. Die haben nun mal mit die besten Spieler der Welt“, erklärte Subotic, der auch beim zweiten Gegentor unglücklich aussah, als er sich von Benjamin Pavard im Kopfballduell düpieren ließ (80.). „Es ist immer positiv, wenn man gegen die Bayern kein Tor aus dem Spiel heraus bekommt. Das waren zwei Standards. Das kann immer mal passieren. Wir gehen sicher positiv in die kommende Woche“, versprach wiederum Christopher Trimmel.

Auch Hoffmann zog letztlich eine zufriedene Bilanz seines Ersatz-Engagements. „Wir konnten den Bayern unser Spiel ein bisschen aufdrängen, so dass sie auch lange Bälle gespielt haben. Wir haben sie in viele Zweikämpfe verwickelt, haben immer wieder den Rhythmus gebrochen. Es war vielleicht nicht immer schön, aber wichtig für unser Spiel.“ Die Befürchtung, dass es einen Bruch hätte geben können durch die Coronakrise in der Ordnung und der Gestaltung der Spielweise der Eisernen zeichnet sich zumindest nicht ab.