Auf den Rängen im Stadion An der Alten Försterei sollen wieder Zuschauer Platz finden - und nicht nur Torwart Andreas Luthe.
Foto: Imago Images

BerlinIn der Debatte um die künftige Austragung von Großveranstaltungen wie Fußballspielen in Zeiten der Pandemie hat sich der 1. FC Union Berlin mit einem selbstentwickelten Konzept zu Wort gemeldet. Die ersten Reaktionen aus der Politik dürften den Hoffnungen der Köpenicker auf die dringend benötigte Unterstützung von den Rängen allerdings einen Dämpfer versetzen.  

Am Dienstag teilte der Verein mit, dass er beim Gesundheitsamt Treptow-Köpenick die Austragung eines Testspiels am 5. September vor 3000 Zuschauern beantragt hat. Diese Partie ist eingebettet in eine Leitidee des Klubs mit dem sperrigen Titel „Der veranstaltungsveranlasste Virustest als Infektionsschutzmaßnahme“. Alle Zuschauer sollen vor den jeweiligen Spielen präventiv auf Covid-19 getestet werden. Im jeweiligen Block des Stadions dürften sich die Fans dann ohne Atemschutzmaske aufhalten. Und die allgemeinen Abstandsregeln wären im Stadion hinfällig. Diese entsprächen nicht „dem Charakter vieler Veranstaltungsformate“, schreiben die Eisernen in einer Vereinsmitteilung.

Union hat genau aufgelistet, wie das Vorhaben umgesetzt werden soll. Beginnend mit der Registrierung über den Ticketkauf, den Covid-Test und den Stadionbesuch bis hin zur Nachverfolgung ist detailliert aufgelistet, wie ein Spieltag im Optimalfall aussieht und ohne Infektionen über die Bühne geht. Weil Union die Covid-19-Tests selbst durchführen will, hat der Verein entsprechende Kapazitäten berechnet. Bei einer Vollauslastung des Stadions mit 22.012 Fans, und das ist Unions ausdrücklicher Wunsch, sollen elf Testcenter zur Verfügung stehen. Bei 1500 Zuschauern sollen die Proben an vier Stellen genommen werden.

Der Aufwand, den der 1. FC Union betreibt, um trotz anhaltender Pandemie ein halbwegs normales Fußballerlebnis zu ermöglichen, ist enorm – logistisch wie finanziell. Bereits im Juli hatte der Klub die Idee publik gemacht, Tests für die Fans bezahlen zu wollen und somit eine Hürde zu nehmen. „Unser Stadionerlebnis funktioniert nicht mit Abstand, und wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union“, hatte Präsident Dirk Zingler damals gesagt und betont: „Uns geht es darum, den Menschen den Fußball zurückzugeben, den sie lieben und nach dem sie sich sehnen.“

Allerdings äußerte sich die Politik zunächst auch wegen der steigenden Infektionszahlen sehr zurückhaltend, nicht nur was Unions Pläne, sondern was die Konzepte der Bundesliga als Ganzes angeht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gerade erst deutlich gemacht, dass in die jeweiligen Konzepte der deutschen Profiklubs nicht „zigtausende Tests“ einfließen könnten, um Zuschauer in Stadien zu ermöglichen.

Den Ansatz von Union fand der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag interessant. „Wirklich toll“, „spannend“ und „sehr klug durchdacht“ sei vor allem das Ticketsystem, sagte er im Anschluss an die Sitzung des Senats lobend. Dennoch erteilte Müller dem Vorstoß eine deutliche Absage – aus zwei Gründen. Erstens müsse das Land, wenn es Union das Konzept erlaube, die Chance darauf auch allen anderen Vereinen, Kultur- und Konzertveranstaltern und Messen geben. Dafür aber reichten die Testkapazitäten schlicht nicht, man brauche Zeit, um sie weiter auszubauen.

Wenn ein negativer Test Auflage für die Teilnahme an einer Veranstaltung sei, sieht der Regierende ein noch grundsätzlicheres Problem: „Das Ganze steht und fällt mit der Zusicherung, dass man 24 bis 48 Stunden vor der Veranstaltung mit einem negativen Test tatsächlich keinen anderen anstecken kann“, sagte Müller. Der Senat habe sich dazu beraten lassen. „Ich kenne bisher noch keinen Wissenschaftler, noch keine Wissenschaftlerin, die dafür die Hand ins Feuer legt.“

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hofft, dass ab November zumindest wieder wenige Zuschauer unter Corona-Hygieneauflagen in die Arenen dürfen. Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich zuvor darauf verständigt, dass eine Öffnung der Stadien für die Fans bis mindestens zum 31. Oktober angesichts der momentanen Corona-Situation nicht zu befürworten sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag erklärt, es könne derzeit wegen der ansteigenden Zahlen von Corona-Infektionen keine weiteren Lockerungen geben. Dies gelte auch für Fußballspiele.

Der 1. FC Union nimmt allerdings für sich in Anspruch, mit seinem Konzept den gesamtgesellschaftlichen Kampf gegen die Pandemie zu unterstützen. „Das wissenschaftliche Interesse an der Testung asymptomatischer Menschen, um verborgene Infektionsketten aufzudecken und unterbrechen zu können, auch um Testverfahren weiterzuentwickeln, ist ein zusätzlicher Nutzen für den allgemeinen Gesundheitsschutz“, sagt Zingler. Daher hoffe man, diesen Weg nun schrittweise mit den Berliner Behörden gehen zu können.

Auch Hertha BSC treibt die Planungen für eine Rückkehr der Fans ins Olympiastadion voran. Der Stadtrivale soll nach Informationen der Bild-Zeitung ein Hygienekonzept fertiggestellt haben, das an das zuständige Gesundheitsamt in Charlottenburg-Wilmersdorf übergeben werden soll. Durch Hygiene-Maßnahmen könnten demnach zwischen 5000 und 50.000 Zuschauer bei den Begegnungen dabei sein.