Manager Oliver Ruhnert (r.) und Trainer Urs Fischer tauschen sich im spanischen Trainingslager aus.
Foto: Matthias Koch

OrihuelaSonnengebräunt, ein wenig dünner um die Hüften, als man ihn aus der Vorweihnachtszeit in Erinnerung hatte, und vor allem sehr entspannt, was die Zukunft angeht − so präsentiert sich Oliver Ruhnert derzeit in Orihuela. Der Geschäftsführer Profifußball des 1. FC Union ist am späten Dienstagabend   im Trainingscamp eingetroffen. Zum einen, um seine halbjährige Tagung mit der Scoutingabteilung der Eisernen über die Bühne zu bringen. Aber natürlich auch, um sich mit der Zukunftsgestaltung des Kaders der Köpenicker zu befassen.

Eine Situation, die sich auf den ersten Blick als sehr diffizil erachten lässt. Immerhin laufen nach dieser Saison 15 Verträge aus. Tatsächlich sind es wohl weniger, denn bei Sebastian Andersson haben die Eisernen auch im Sommer irgendwie noch die Finger drauf. Und auch Florian Hübner hat es seinem Vater Bruno − Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt − zu verdanken, dass die durch den Aufstieg bedingte Vertragsverlängerung durchsickerte. Hübner senior verriet hessischen Medien nämlich, dass sich sein Filius im Sommer keine Gedanken über eine Luftveränderung machen müsse. Zudem ist bei Marius Bülter so gut wie sicher, dass Union die Kaufoption für die Leihgabe aus Magdeburg ziehen wird.

Zwölf Verträge laufen aus

Zwölf auslaufende Verträge sind dennoch eine Menge. Doch Ruhnert erkennt   eher die Schönheit der Chance als ein substanzielles Risiko. „Das mag offiziell so sein“, ließ er durchblicken, wollte aber auf einen ihm wichtigen Punkt hinweisen: „Auslaufende Verträge haben auch Vorteile. Die bieten immer auch die Möglichkeit, dass man am Kader arbeiten kann. Es sagt ja keiner, dass wir alle auslaufenden Verträge auch bedienen wollen.“ Dieser Umstand hat   zur Folge, dass sich einige Kicker   in der Rückrunde noch mal richtig präsentieren wollen, um eine Verlängerung ihres Arbeitspapiers zu erreichen.

Der Kern seiner Arbeit stellt sich folgendermaßen dar: Union muss sich so aufstellen, dass ein   zweites Bundesligajahr ebenfalls erfolgreich angegangen werden kann und gleichzeitig für den Fall des Abstiegs ein Team vorhanden ist, das   in der Saison 20/21 sofort wieder aufsteigt. Es ist die gleiche Zweigleisigkeit, die Union im Vorjahr beschäftigte, als der Aufstieg zwar möglich, aber eben noch längst nicht gewiss war.

Natürlich sondieren die Köpenicker derzeit den Markt. Doch in Sachen Zugänge sieht Ruhnert keinen übermäßigen Handlungsbedarf. „Ich rufe jetzt nicht einen Mario Götze an“, machte der Sauerländer einen Scherz mit ernsthaftem Hintergrund. Denn das Regal ist begrenzt, an dem sich Union als Aufsteiger bedienen kann. Die wesentlich besser betuchte Konkurrenz macht die Sache nicht einfacher. Auch weil Union ein gewisses Gehaltsniveau nicht überschreiten will, um im internen Gefüge nicht für Unruhe zu sorgen.

Zudem müsste ein Neuer dem Team sofort weiterhelfen können, keiner nur für die Bank sein. „Wenn sich etwas Sinnvolles ergibt, werden wir das das tun. Wenn wir aber der Auffassung sind, dass die Spieler, die auf dem Markt sind, uns nicht kurzfristig besser machen, dann setzen wir halt auf das, was wir haben.“

Manager schließt Abgänge nicht aus

Abgänge, auch wenn bis dato nicht bekannt, konnte und wollte der 48-Jährige   nicht ausschließen. „Unverkäuflich ist keiner. Das ist immer alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Es gibt viele gute und interessante Spieler. Wie es für einen Spieler legitim ist, sich umzuschauen, was sein möglicherweise nächster Schritt ist, ist es doch auch unsere Aufgabe, darauf vorbereitet zu sein, dass uns Spieler auch mal verlassen. Andersson ist genauso ein Spieler wie jeder andere. Er ist ein sehr wichtiger Spieler, ein sehr guter Spieler, aber jeder ist ersetzbar. Vielleicht würden wir eine etwas andere Spielweise wählen müssen.“ Mit anderen Worten: Selbst ein vorzeitiger Abgang des Torjägers ließe Ruhnert kalt, da glaubt er sich gerüstet. Der Markt wurde offenbar schon diesbezüglich abgeklopft, um nötigenfalls Ersatz beschaffen zu können.

Grundsätzlich hoffen sie alle zudem, dass die Rekonvaleszenten Keven Schlotterbeck und Grischa Prömel, der nach dem zweiten Spieltag mit Patellasehnenproblemen ausgefallen ist, bald wieder mitmischen können. Ruhnert sagt: „Er ist als Spieler ein Typ, den wir so auch kein zweites Mal haben in der Mannschaft. Aber wir haben auch ohne Grischa 19 Punkte geholt und das spricht halt auch für die Jungs, die gespielt haben.“ Union schenkt also primär dem vorhandenen Kader das Vertrauen.

Gut aufgestellt sieht Ruhnert die Seinen auch, weil sie   die Weihnachtstage offensichtlich gut überstanden haben. Ruhnert lockt: „Unter dem Strich, das kann man festhalten, ist die Mannschaft mit unglaublich guten Werten aus dem Urlaub zurückgekommen. Wenn man das mal als Grundlage nimmt, kann man damit sehr zufrieden sein.“