Sinsheim/BerlinDer 1. FC Union hat sich im Montagsspiel der Bundesliga mit einem 3:1 (0:0) bei der TSG Hoffenheim behauptet. Die Eisernen lieferten sich mit den Kraichgauern ein über weite Strecken wildes Spiel, was vornehmlich der Tatsache geschuldet war, dass die Köpenicker von ihrem zuletzt erfolgreichen Spielsystem abwichen. Ein verwandelter Foulelfmeter von Max Kruse (59.) wollte zunächst nicht zum Sieg reichen, weil Munas Dabbur in Unterzahl noch einmal ausglich (80.). Doch am Ende erzwang der eingewechselte Joel Pohjanpalo die Entscheidung (84.), Cedric Teuchert erhöhte Sekunden vor Schluss zum Endstand.

Unions Trainer Urs Fischer überraschte vor der Partie mit einer gefühlten taktischen Rückkehr zur Vorsaison. In die Dreierkette rückte Florian Hübner ein, Julian Ryerson ersetzte den angeschlagenen Kapitän Christopher Trimmel. Im Mittelfeld festigte der Schweizer die Zentrale mit Sebastian Grießbeck, der mit Robert Andrich und Christian Gentner ein Bollwerk bildete. Dafür musste Shootingstar Sheraldo Becker auf der Bank Platz nehmen. Im Sturm startete indes Taiwo Awoniyi neben Max Kruse, sodass so ziemlich alles auf dem Aufstellungsbogen nach langen Bällen und Sicherheitsfußball schrie.

Die gute Nachricht: Der ungeliebte Sicherheitsfußball blieb aus. Allerdings lieferten sich beide Teams von der ersten Minute an ein höchst unordentliches und wenig strukturiertes Duell. Die Hausherren fanden zunächst keinen rechten Zugriff auf die Eisernen, insbesondere nicht auf Stürmer Awoniyi. Der Nigerianer verpasste nach zehn Minuten auch die erste Großchance, als er einen überragend vorgetragenen Konter neben das Tor schob und sich sogleich tierisch ärgerte.

Munas Dabbur scheitert dreifach

Schlimmer traf es Hoffenheims Stürmer Munas Dabbur. In der 15. Minute ergatterte er einen Ball, den Robin Knoche zuvor vertändelt hatte. Der Verteidiger der Eisernen sprintete allerdings mit großem Einsatz zurück und rettete Dabburs Schuß vor der Linie, den Nachschuss drosch der Israeli kläglich neben das Gehäuse. Nur eine Minute später verpackte Dabbur seine Frust in einen scheppernden Pfostenknaller und auch, wenn es ohnehin Abseits gewesen wäre, schrie sich Unions Trainer Fischer in Anbetracht von neun Verteidigern, die Dabbur an der Mittellinie völlig außer acht gelassen hatten, schon früh die Stimme heiser, forderte immer wieder mehr Bewegung.

Dabei lief es für die Eisernen offensiv eigentlich nicht schlecht, einen Kruse-Eckball fälschte Gentner für Awoniyi ab, der allerdings erneut glücklos scheiterte (21.). Kurz vor der Pause zauberte Kruse einen Ball auf den Kopf des heranstürmenden Grießbeck, doch Hoffenheims Torwart Oliver Baumann parierte heldenhaft (40.).

Im zweiten Durchgang beruhigte sich die flatterige Partie etwas. Beide Teams versuchten sich mehr und mehr zu strukturieren, was allerdings auf Kosten der Torchancen ging. Erst in der 59. Minute konnten Max Kruse und der erneut sehenswert offensiv mitgelaufene Grießbeck aufs Hoffenheimer Tor zustürmen. Nach dem Pass von Kruse schubste der eingewechselte Robert Skov Grießbeck so offensichtlich, dass Schiedsrichter Robert Hartmann keine Sekunde zögerte, auf den Elfmeterpunkt und Rot für Skov zeigte. Den Elfmeter vewandelte Max Kruse problemlos.

Danach schlossen die Eisernen die Schotten, wollten keine echte Torchance mehr zulassen, investierten aber zunächst nur wenig in einen zweiten Treffer. Das wurde bestraft. Der zuvor so glücklose Munas Dabbur setzte sich gegen drei Union-Verteidiger durch und traf zum 1:1 (80.). Ob dieses Gegentor in Überzahl dem Systemwechsel geschuldet war, war schwer auszumachen. Doch bei aller Tüchtigkeit, die am Ende entscheidend war: Geholfen hat die taktische Maßnahme den Eisernen am Montagabend nicht, auch wenn die eingewechselten Joel Pohjanpalo, der Torwart Baumann zu einem Eigentor zwang (84.), und Cedric Teuchert (90+4.) noch für den späten, aber nicht minder umjubelten Sieg sorgten. Union war es schließlich egal, der zweite Saisonsieg und Platz sieben waren eine zu schöne Momentaufnahme.