Grischa Prömel, Christopher Trimmel und Keven Schlotterbeck (v. r.) feiern das 1:0.
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BerlinSeit Dienstagabend 22.24 Uhr steht es fest: Der 1. FC Union spielt auch in der kommenden Saison in der Bundesliga. Mit einem 1:0 im Heimspiel gegen den SC Paderborn sicherte sich die Elf von Trainer Urs Fischer bereits am 32. Spieltag den Klassenerhalt, die Gäste hingegen sind in der kommenden Saison wieder Zweitligist. Diese Nüchternheit in der Meldung passt zwar ganz gut zu den Rahmenbedingungen im Stadion An der Alten Försterei, Stichwort Geisterspiel, aber freilich nicht zu dem Glück, das Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans in diesem Moment überkam. Und natürlich wurden da nach dem Schlusspfiff Hygieneregeln außer Acht gelassen, Spielerkollegen geherzt und so fort. Und natürlich waren wieder ein paar Fans vor dem Stadion zugegen, aber alle dem Anschein nach ganz zahm, ohne die ebenfalls anwesende Polizei zum Handeln zu zwingen.

Es gab zuletzt Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse, da war es eigentlich egal, ob da nun Zuschauer zugegen waren oder nicht. Denn mal ehrlich: An dem einen oder anderen Bundesliga-Standort tut das Stadionpublikum nicht wirklich was zur Sache, schreckt gerade mal beim Torerfolg auf, um sich dann wieder auf Wurst und Bier zu konzentrieren. Für diesen Abend an der Wuhlheide allerdings hätte man sich schon eine volle Waldseite gewünscht, eine tosende Menge, dazu eine Choreographie, mit der die Fans des 1. FC Union ihren Stolz zum Ausdruck bringen. Anhänger, die ihre Lieblinge nach vorne peitschen und ihnen nach dem Schlusspfiff ein Fest bereiten. Aber es ist so, wie es ist, man muss das akzeptieren. Was im Besonderen Urs Fischer, der Trainer der Eisernen, in den vergangenen Wochen immer wieder betont hat.

Es ist der Spiritus Rector dieser Mannschaft, der Mann, der diesem Team mit ausgezeichnetem Trainerhandwerk während dieser Spielzeit immer wieder auf die Sprünge geholfen hat. Der in der Niederlagenserie nie nervös wurde, in der Siegesserie nie zu euphorisch. Personalführung par excellence war das, von einem, der zudem ein sehr gutes Gespür dafür hat, was man ungeachtet etwaiger Trainergesetze wie „Never change the winning team“ verändern muss, um zum Erfolg zu kommen.

Gegen Paderborn ließ er Yunus Malli, der beim 2:1 in Köln noch in der Startelf stand, auf der Bank, brachte dafür den zuletzt gelbgesperrten Robert Andrich wieder ins Spiel. Was auch ziemlich vernünftig war, denn schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass gegen Paderborn vor allen Dingen eins gefragt ist: Schweißarbeit im Mittelfeld. Und weil die Eisernen dabei vom Anpfiff weg etwas aggressiver waren, den Gegner mit einer bemerkenswerten Intensität begegneten, kamen sie auch zu ersten Chancen. Sebastian Andersson hatte eine nach gerade mal zwei Minuten, brachte es bei seinem Drehschuss aber koordinativ nicht wirklich gut auf die Reihe. In der zwölften Minute blickte Ken Reichel etwas verloren gen Himmel, nachdem er freistehend aus zehn Metern gleich zweimal, also auch im Nachschuss an Paderborns Keeper Leopold Zingerle gescheitert war beziehungsweise das Zuspiel auf den besser postierten Marcus Ingvartsen verpasst hatte.

Das 1:0, das aus einem Freistoß von Christopher Trimmel aus dem Halbfeld resultierte, hatten sich die Unioner jedenfalls redlich verdient. Der Österreicher, der mit seinen elf Torbeteiligungen in den fünf europäischen Topligen die Nummer eins ist, brachte den Ball mit Wucht vors Tor, sodass dem Paderborner Ben Zolinski der Ball unkontrolliert über den Scheitel strich. Und welch kleine, feine Geschichte: Es war nämlich ein Eigentor durch einen gebürtigen Berliner, der in der Saison 2013/14 auch noch für die zweite Mannschaft von Union aktiv war.

In der zweiten Hälfte ging den Eisernen etwas an Schärfe verloren, wodurch die Gäste-Elf etwas besser ins Spiel kamen. Das erkannte Fischer sofort, ging des Öfteren aus seinem Stuhl, um seine Spieler mit Worten zur guten Tat zu bewegen. Inwieweit das Andersson und Andrich dazu brachte, in der 70. Minute im Zusammenspiel letztlich einen Pfostenschuss von Andrich zu erzwingen, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Aber Fischer wirkt. Das steht außer Frage. Mehr davon gibt es noch in den zwei ausstehenden Partien dieser Spielzeit zu bestaunen – und dann eben in der nächsten Bundesligasaison.