Es war eine krachende Party, die Aufstiegsfeier in der Alten Försterei. Doch der Rausch könnte nun vorbei sein.
Imago Images/Jan Huebner

Berlin-KöpenickRobert Andrich ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Mittelfeldabräumer, der im Team des 1. FC Union einer der Senkrechtstarter der Saison ist, hat lange genug bei Vereinen gespielt, bei denen die ehrliche, direkte Art besser ankommt als weichgespültes Ja-Sagen. Also antwortete er ebenso ehrlich und direkt, als er unter der Woche gefragt wurde, was er nun, da der Klassenerhalt seiner Eisernen feststeht, von der kommenden Saison erwartet. "Ich glaube, man hat bereits in den Spielen seit der Wiederaufnahme gemerkt, dass uns die gegnerischen Mannschaften ein Stück weit entschlüsselt haben", sagte er und resümierte: "Die zweite Saison wird ganz anders, viel schwerer."

Für die Köpenicker beginnt nach dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (Sonnabend, 15.30 Uhr) eine neue Zeit. Zwei Jahre lang erlebten Verein, Fans und Spieler einen sportlichen Ausnahmezustand. Erst war Union der Aufstiegskandidat, nach einer mehr als erfolgreichen Saison 2018/19 der umjubelte Aufsteiger, galt daraufhin aber für viele als erster Abstiegskandidat. Doch Trainer Urs Fischer und sein Team überraschten alle mit konzentrierten, kämpferisch starken Auftritten und Erfolgen gegen Borussia Dortmund (3:1) oder Borussia Mönchengladbach (2:0). Was der Grundstein dafür war, dass der Klassenerhalt schließlich zwei Spieltage vor dem Saisonende feststand und dem 1. FC Union nun eine neue Rolle zukommt: die des respektierten Mitkonkurrenten. Wobei die Eisernen ihren Platz in einem Gefüge aus 13 Teams finden müssen, wenn man die mindestens zwei neuen Aufsteiger, sowie Rekordmeister Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig herausnimmt, die sowieso in eigenen Sphären schweben.

Trainer Urs Fischer freut sich schon jetzt darauf, er liebt diese Herausforderungen bekanntlich. Wer jedoch an seiner Seite kämpfen wird, ist die erste entscheidende Frage der neuen Normalität bei den Unionern. Die Abgänge von Stammtorwart Rafal Gikiewicz und Publikumsliebling Sebastian Polter stehen bereits fest, Sportchef Oliver Ruhnert ließ am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Düsseldorf über Vereinssprecher Christian Arbeit verkünden, dass weitere Abgänge am Sonnabend verabschiedet werden.

Und auch Kicker mit gültigen Verträgen dürften im furiosen ersten Jahr der Eisernen Begehrlichkeiten geweckt haben. Die Zukunft von Sebastian Andersson, der schon vor Monaten erklärt hatte, dass seine Vertragsverlängerung bis 2022 kein Treuebekenntnis, sondern viel mehr eine persönliche Absicherung war, ist weiterhin unsicher. Auch Robert Andrich betonte, gewohnt direkt: "Ich würde gerne noch mal in England spielen." Was nach einer so erfolgreichen Saison völlig normal ist. Nun auch für einen Klub wie den 1. FC Union.