Die Union-Fans schauen genau hin, wie die Profis trainieren.
Foto: Matthias Koch

OrihuelaEin Wintertrainingslager in Spanien ist für den 1. FC Union eine gewohnte Übung, möchte man meinen. Alles schon mal da gewesen. Oliva Nova, Jerez de la Frontera oder Chiclana sind altbekannte Ortsnamen. Orihuela und sein Real Club de Golf Campoamor Resort, rund eine Autostunde südlich von Alicante gelegen, scheint sich da nur einzureihen in die Liste der Reiseziele. Und doch ist dieses Preseason-Camp eine Vorbereitung der etwas anderen Art.

Öffentlich ersichtlich wurde es gleich am Tag nach der Ankunft, als Trainer Urs Fischer seine 32 Mann umfassende Truppe vor rund 150 mitgereisten Union-Fans nur einmal trainieren ließ. Nur einmal! Ein im ersten Augenblick etwas verwunderlicher Auftakt, doch ist er einem ernsten Hintergrund geschuldet. Denn: Die Köpenicker befinden sich beinahe schon in einer Art Wettkampfmodus.

Nur 13 Tage bis zum Rückrundenstart

Es sind nur noch knapp zwölf Tage bis zum Rückrundenstart in Leipzig (18. Januar, 18.30 Uhr). Viel Zeit ist das nicht. Und zwei Tage gehen ja quasi allein schon wegen der An- und Abreise verloren. Ganze fünf bis sechs vollwertige Trainingseinheiten stehen dem Trainer-Team um Fischer zur Verfügung. Nach der Rückkehr am Sonntag steht ja schon das normale Vorbereitungsprogramm auf die Punkterunde an.

„So in dieser Art und Weise habe ich das auch noch nicht erlebt. Das ist wirklich sehr, sehr kurz. Der Trainer hat das auch schon uns gegenüber betont, dass wir jede Einheit voll fokussiert sind und sie voll ernst nehmen. Denn viel Zeit ist nicht. Man kann nicht so intensiv an der Fitness arbeiten. Aber da die Pause ja sehr kurz war, geht es vor allem um viel Ballarbeit, viel Taktik. Wir versuchen in jeder Einheit das Maximum rauszuholen“, sagt Unions Kapitän Christopher Trimmel, der von einem kleineren Infekt genesen ist.

Gesagt, getan. Weit mehr als zwei Stunden standen die Rot-Weißen am Sonntag auf dem tadellosen Rasen des Übungsplatzes, der nur einen Steinwurf   hinter ihrem Hotelkomplex liegt. Taktische Schulungen, um das Pressing und Umschaltspiel zu verfeinern, standen auf dem Programm. Dazu Übungen im 3-5-2-System. Alles schon mit Hinblick auf das Spiel gegen RB. Denn die Sachsen sind ja auch Meister im Ersticken des gegnerischen Spielaufbaus durch frühes Anlaufen.

Es ist die große Krux für die Unioner in Spanien. Sie müssen die Balance zwischen harter Arbeit, Regeneration und dem Einstudieren respektive Weiterentwickeln taktischer Elemente finden – und bei all dem darf die nötige Frische nicht verloren gehen. Zehn Testspiele in zehn Tagen wären da eher kontraproduktiv, wie Fischer anmerkte. Es gelte vorrangig also, zurückzufinden „in die Abläufe“, die Union schon während der Saison hatte.

Union hat zahlreiche Testspiele

Nichtsdestotrotz haben sich die Köpenicker für die Tage in Spanien zu ein paar Freundschaftsspielen verabredet. So steht für den Montag ein Doppeltest an, bei dem zwei komplette Teams mehr oder weniger durchspielen sollen. „Wer mit wem spielt, wissen wir noch nicht. Aber ich gehe davon aus, dass jeder viele Minuten bekommen wird“, meinte Marius Bülter. Es ist also ganz klar eine Frage der Belastungssteuerung, wenn man vor den Kicks gegen die belgischen Zweitligisten Oud Heverlee Leuven (11 Uhr) und Royale Union Saint Gilloise (16   Uhr) nicht in die Vollen geht. Das stellt sich erst am Ende des neuntägigen Trainingslagers anders dar, wenn   man sich in einer Art Generalprobe für den Ligastart mit dem ungarischen Meister und Tabellenführer Ferencvaros Budapest misst.

Ob das dann alles ausreicht, um in der Rückrunde ähnlich positive Ergebnisse zu erzielen wie in der Vorrunde, wird sich zeigen. Auf den Außenseitereffekt, ein mögliches Unterschätztwerden, kann sich das Team von Urs Fischer mit Sicherheit nicht verlassen. Dazu haben die Eisernen ihre Gegner in der Hinrunde viel zu sehr gefordert. „Wir haben mit den 20 Punkten erst ungefähr die Hälfte geholt von dem, was zum Klassenerhalt reichen müsste“, weiß auch Bülter. Zumal in der zweiten Tabellenhälfte kurz vor Weihnachten alles noch mal enger zusammengerückt ist. Auch durch Unions eigenes Verschulden.