Unions Christian Gentner im Duell mit Bremens Niklas Moisander.
Matthias Koch

BerlinRobert Andrich eilte freudestrahlend durch die Mixed-Zone im Bremer Weserstadion, warf – beseelt vom Augenblick des Erfolges – lautstark launige Bemerkungen in die Runde und konterkarierte in seinem Überschwang fast die Bemühungen seines Kollegen Christian Gentner, der sich im Gespräch mit den Reportern mühte, nach dem 2:0 (0:0) in Bremen durch einen Doppelpack von Marius Bülter (52./72.) jegliches Aufkommen von Euphorie im Keim zu ersticken.

„Jetzt hat er mich rausgebracht, wo war ich? Ach ja, es war ein Schlüsselspiel, wir wollten Bremen auf Distanz halten. Aber entschieden ist damit gar nichts. Wir haben erst 26 Punkte. Mit 26 Punkten steigt man ab“, mahnte der Routinier zur Besonnenheit trotz der Sicherheit verheißenden neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz 16.

Das ist faktisch richtig. Selbst der Hamburger SV hatte in der Spielzeit 2013/14 am Ende einen Zähler mehr auf dem Konto und konnte sich in den Entscheidungsspielen gegen Fürth nur mühsam aufgrund der Auswärtstorregel retten. Folglich sind die neun Zähler Vorsprung, die die Köpenicker nach ihrem zweiten Auswärtssieg der Spielzeit jetzt ihr Eigen nennen können, eine sehr schöne  Ausgangssituation für das letzte Saisondrittel.

"Mir geht das alles zu schnell"

So war Trainer Urs Fischer bester Laune, als er am Sonntag die Partie noch einmal Revue passieren ließ. „Das waren drei wichtige Punkte. Die helfen uns sehr. Mehr aber auch nicht. Mir geht das alles zu schnell. Erst träumten Leute vom Europacup, dann wurde die Gefahr heraufbeschworen, dass der Vorsprung schmilzt. Nun sollen wir auf einmal gerettet sein. So denke ich nicht. Ich bin nicht so sprunghaft“, sagte der Schweizer.

Lieber delektierte er sich daran, wie sein Team die schweren Aufgaben in dieser Woche nach dem 0:5 in Dortmund angegangen war. Er lobte die Organisation, freute sich über das gelungene Umschaltspiel. Und wies darauf hin, dass nicht der Doppeltorschütze allein das Spiel gewonnen habe. „Sicher, Bülti stand da. Aber wenn Lenz nicht diesen Sprint über 70 Meter anzieht und dann die Hereingabe passt, kann das Tor auch nicht fallen. Diesmal hat das Umschalten geklappt. Aber es passt nicht immer, das hängt ja oft auch vom Gegner ab. Bremen hat uns die Räume gegeben“, so Fischer.

Zustimmung erhielt er von Gentner. „Ich glaube, wir waren gut vorbereitet. Wir haben es genutzt, dass wir auswärts mal ein bisschen tiefer stehen konnten, einen Gegner hatten, der nervös ist. Ich kenne das aus meiner Stuttgarter Zeit. Das war ein Team, das in die Situation des Abstiegskampfs gerutscht ist, auf den er nicht vorbereitet gewesen ist. Der hat zu Hause nicht viele Punkte geholt. All das sind Dinge, die sind im Kopf drin. Das spürst du dann auf dem Platz, dass da immer wieder Chancen sind, um dem Gegner wehzutun“, sagte der 34-Jährige, „heute haben wir es in einer Art und Weise gemacht, die sah schon sehr erwachsen aus.“