Unions Trainer Urs Fischer (r.) und Paderborns Coach Steffen Baumgart verstehen sich prächtig.
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BerlinAm Ende hatte Steffen Baumgart eine echte Last zu schultern. Wobei nicht die Frage gemeint war, ob der Familienfrieden im Hause Baumgart durch die Punkteteilung gerettet worden sei. Der wäre durch keinerlei Spielausgang in Frage gestellt worden, so Baumgart. „Meine Frau liebt mich“, meinte der 47-Jährige und hatte die Lacher nach dem 1:1 zwischen dem SC Paderborn und dem 1. FC Union auf seiner Seite.

Katja, die Ehefrau des Paderborner Aufstiegstrainers, war ja bis Ende November Leiterin der Union-Zeughäuser, ehe sie von sich aus den Job quittierte, weil gemeinsame Zeit sonst mit ihrem Mann nicht mehr möglich gewesen wäre. Seit April 2017 arbeitet Unions ehemaliger Kapitän bekanntlich im Ostwestfälischen. Und wenn er mal in Berlin sein konnte, war meist ein Spiel der Eisernen – und Katja hatte alle Hände voll zu tun. Dass so etwas für eine Beziehung   wenig förderlich ist, leuchtet ein.

Hübner sorgt fast für Unions Siegtreffer

Nein, solcher Gefahr sah sich Baumgart nicht ausgesetzt. Und doch drohte innerfamiliär Unbill. Denn der Huckepackversuch seiner jüngsten Tochter Fiona im Pressekonferenzraum musste vom Herrn Papa mit den Worten „Mein Rücken“ abschlägig beschieden werden.

Etwas weniger   gefährdend war die Umarmung zwischen ihm und Unions Trainer Urs Fischer nach dem Schlusspfiff der 90 kampfbetonten und phasenweise sehr ansprechenden Minuten. Beide Übungsleiter kennen und schätzen sich sehr. So war es wenig verwunderlich, dass sie auch ähnlicher Auffassung waren über das zuvor Erlebte. „Vor dem Spiel hätte ich gern mehr gehabt. Wenn man die 90 Minuten betrachtet, hatten wir in der einen oder anderen Situation das Quäntchen Glück, das man braucht. Für uns war nicht mehr drin. Wir haben es nicht geschafft, die Geschwindigkeit auf das Tableau zu bringen. Wenn wir es geschafft haben, waren wir unsauber. Wenn der Pfostenschuss reingeht, haben wir gar nichts. Wir nehmen den Punkt mit. Ich bin mit ihm nicht zufrieden, aber auch nicht unzufrieden“, so Baumgart.

Platz zehn zurückerobert

Gemeint war Florian Hübners Beinahetreffer in der Schlussphase, der die Partie fast noch zugunsten der Köpenicker hätte kippen lassen können. Auf den nahm dann Fischer auch Bezug. „Ich bin zufrieden mit der Leistung. Wir hatten Paderborn über 90 Minuten nicht schlecht im Griff – bis auf zwei, drei Situationen auch das Umschaltspiel. Es war ein sehr zweikampfbetontes und ausgeglichenes Spiel mit klareren Chancen auf unserer Seite. Wenn ich an den Pfostenschuss und die Aktion mit Ingvartsen und Bülter denke. Ich bin nach dem Spiel auch ein bisschen enttäuscht, weil ein bisschen mehr möglich war. Trotzdem freue ich mich unheimlich über den Punkt“, so der Schweizers über ein gerechtes Remis, für das Marcus Ingvartsen (7.) und Kai Pröger auf Seite der Hausherren gesorgt hatten (33.).

Für Union bedeutet der fünfte Punkt in der Fremde die Rückeroberung von Platz zehn, der am Freitagabend kurzfristig vom FC Augsburg eingenommen worden war. Eine mehr als schöne Ausbeute, zumal ja ein Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt weiter auf Distanz gehalten werden konnte. Der SCP hingegen, kaum dem fahlen Licht der roten Laterne einmal entronnen, bekam das Signal des Schlusslichtes wieder übergestülpt. Was Baumgart nicht sonderlich juckte. „Uns war klar, dass das jetzt nicht von Dauer sein würde. Aber   wir haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir punkten können.“ Auch da würde er wohl keinen Widerspruch von Fischer ernten. Zwei Stühle, eine Meinung.