Berlin - Um wichtige Personalien zu veröffentlichen, sind die BR Volleys zuletzt dazu übergegangen, die Nachricht social-media-kompatibel mit einem Videofilm zu visualisieren. Film ab also: Wer könnte dieser Zugang sein, der in der Schönhauser Allee in ein Brötchen beißt? Der mit dem E-Roller durch die Kulturbrauerei rauscht? Der vor dem Brandenburger Tor die Kapuze seines schwarzen Hoodies vom Kopf zieht und sagt: „Hi Berlin, ich bin wieder zurück!“ und schließlich den Volleyball grinsend auf dem Finger kreisen lässt? Na, klar: Außenangreifer Ruben Schott.

Schott trifft eine Bauchentscheidung

Der 26 Jahre alte Nationalspieler aus Berlin-Hohenschönhausen ist nach einem Jahr in Italien und weiteren drei Spielzeiten in der polnischen Liga zurück in seiner Heimatstadt, um kommende Saison wieder das orangefarbige Trikot der BR Volleys zu tragen. „Es war eine Bauchentscheidung“, sagt Schott. „Mir ist bewusst, dass mir eine andere Erwartungshaltung entgegenschlägt als vor vier Jahren. Meine internationale Erfahrung möchte ich gerne mit ins Team tragen und hier auch gerne eine Führungsrolle übernehmen.“

Nach Engagements bei den Powervolleys Milan und Trefl Gdansk habe er zuletzt beim polnischen Klub AZS Olsztyn gemerkt, dass er wieder um Titel mitspielen wolle, sagt Schott. Er ist ein bisschen schmaler im Gesicht als damals, seine Schultern wirken kantiger. „Es war immer ein kleiner Traum, Ruben wieder bei uns zu haben. Es wird ja immer seltener, dass man eigene Berliner Jungs einbauen kann“, meint Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Er freue sich, so wieder „ein Stück Bodenständigkeit, Identifikation, Zusammengehörigkeit im Verein zu haben. Ruben ist jetzt ein anderer Spieler als der, der wegging.“

Nach Stationen beim SV Preußen, Berliner TSC, SCC Berlin und VC Olympia war Schott bereits mit 18 Jahren der Sprung in den Profikader der BR Volleys gelungen – seine erste Saison endete 2013 gleich mit dem Meistertitel. Nach einem Jahr als Leihspieler beim VC Mitteldeutschland erlebte Schott 2016 in Berlin die Triple-Saison mit dem Gewinn von Meisterschaft, DVV-Pokal und Europacup mit. Verabschiedet hatte er sich im Mai 2017 als Stammspieler mit einem wuchtigen Angriffsschlag. Sein letzter Punkt brachte Berlin erneut den Meistertitel.

Der Manager kochte vor Wut

Niroomand hätte den jungen Kerl, in den er investiert hatte, gern im Team behalten. Der Manager kochte vor Wut, als Schott lieber nach Mailand wechselte. Niroomands Ärger galt damals weniger dem Spieler als Bundestrainer Andrea Giani, der zeitgleich Vereinscoach bei den Powervolleys Milan war. „Der Bundestrainer hat diese Position ausgenutzt“, schimpfte Niroomand, Schotts Wechsel sei ein Skandal, eine Zusammenarbeit mit dem DVV werde es nicht mehr geben.

Mittlerweile ist der Zwist ausgeräumt. Niroomand und Giani drückten sich vor Kameras die Hand. Am Dienstag sagte der Volleys-Manager bei Schotts Vorstellung, dass seine Freude doppelt sei, weil der Klub nicht nur jemanden bekomme, der hier groß geworden ist, sondern auch „einen fertigen Außenangreifer. Einen Spieler, der ein hervorragender Angreifer ist und sich im Aufschlag sehr verbessert hat. Außerdem war Ruben diese Saison nach den Statistiken der beste Annahmespieler in der polnischen Liga.“ Das ist ein Qualitätsmerkmal. 

Zusammen mit dem neu verpflichteten argentinischen Libero Santiago Danani soll Schott künftig einen sicheren Annahmeriegel bilden und Tim Carlé, seinen Kollegen im Außenangriff, in der Annahme entlasten. Vor allem in der Champions League wird diese Taktik wichtig werden. Schott sagt, er habe bei seiner ersten Auslandsstation in Italien sofort gemerkt, dass der Aufschlagdruck dort viel höher ist, als er es aus der Bundesliga kannte: „Es war nicht so einfach, die Bälle perfekt nach vorne anzunehmen.“ Was er noch gelernt hat? „Mental und physisch mit einer anderen Drucksituation umzugehen. Sich einen Stammplatz zu erkämpfen, sich einen Namen zu erspielen“, antwortet Schott.

Er ist in den vergangenen Tagen beim Nationalmannschafts-Lehrgang in Kienbaum gewesen. Ende der Woche geht es nach zwei Testspielen gegen Australien weiter zum Nations-League-Wettbewerb. Im September folgt für den EM-Silbermedaillengewinner von 2017 die EM. Im Nationalteam gehört mit Denis Kaliberda, 30, ein anderer Berliner, der zuletzt das BR Volleys-Trikot trug, zu seinen Konkurrenten auf der Außenposition. Früher hat der Jüngere den Älteren sein Vorbild genannt. Werden Schott und Kaliberda also nun Vereinskameraden? Bleibt Kaliberda in Berlin? Diese Frage hat Manager Niroomand am Dienstag eloquent offen gelassen. Vielleicht wird es als Antwort demnächst einen lustigen Videofilm geben.