Zeljko Ristic trainierte bis vor kurzem nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch die A-Jugend des Berliner SC.
Foto: Michael Hundt

BerlinIm Feld der noch verbliebenen vier Mannschaften ist der Berliner SC der klare Außenseiter auf den Gewinn des Landespokals. Wenn am Sonnabend auf eigenem Platz um 13 Uhr der Anpfiff gegen den Regionalligisten Viktoria Berlin erfolgt, kämpft der Gastgeber nicht nur aufgrund des Zweiklassen-Unterschieds mit ungleichen Waffen. Während SC-Trainer Zeljko Ristic vor dem Spiel verbittert klingt, hört sich Benedetto Muzzicato – auch nach sieben siegreichen Testspielen – im Vorfeld sehr zufrieden an.

Berliner SC

„Dazu sage ich nichts“, antwortet Zeljko Ristic auf die Frage, ob sein Berliner SC im Landespokal-Halbfinale gegen den FC Viktoria 1889 Berlin einen Nachteil hat – und sagt dann doch etwas dazu: „Alles ist ein Nachteil für uns, neben den drei Regionalligisten sind wir wie das kleine gallische Dorf.“ Der 47-Jährige klingt verbittert. Und man versteht, warum, als er berichtet, welche Umstände das Spiel begleiten.

„Wir wussten bis Ende Juni nicht, wann es mit dem Landespokal weitergeht“, erklärt der Berliner. Anders als die viertklassige Konkurrenz hatte der Berliner SC keinesfalls eine Sondergenehmigung, um sich unter Wettkampfbedingungen auf das wichtigste Spiel der jüngsten Vereinsvergangenheit vorbereiten zu können. „Wir haben die Spieler erst ohne Kontakt trainieren lassen und sie dann, als wir noch immer nichts von einem möglichen Spieltermin gehört haben, für drei Wochen in den Urlaub geschickt.“

Die Berlin-Liga wurde bereits im März nach dem 22. Spieltag erst unter- und später ganz abgebrochen, dem Berliner SC wurde, nach tollen Pokalleistungen, schließlich der Wind aus den Segeln genommen. „Die ganze Situation trübt diesen Erfolg auf jeden Fall“, sagt Ristic. Und: „Im März hätten wir an einem kühlen, vielleicht regnerischen Abend unter der Woche auf Kunstrasen gespielt, weil unser Rasenplatz kein Flutlicht hat. Da hätten wir einen echten Vorteil gegenüber Viktoria gehabt. So ist es, als hätte man David gegen Goliath seine Steinschleuder weggenommen.“ Denn nun müssen die Charlottenburger gegen einen optimal vorbereiteten und personell verstärkten, zwei Klassen höheren Gegner auf einem Rasen antreten, dem nicht nur von Gegner Viktoria, sondern auch von Ristic selbst kein guter Zustand attestiert wird. 

„Gespräche mit dem BFV und den drei Regionalligisten gab es“, bekräftigt Ristic, „aber wir hätten uns da mehr Unterstützung gewünscht.“ Ihn ärgert die Tatsache, dass ausgerechnet die Teams das Entscheidungsmonopol hatten, die auf Profifußballer zurückgreifen können. „Das hat doch mit einem Tag der Amateure nichts zu tun“, ärgert er sich in Hinblick auf das anstehende Landespokalfinale. Hoffnung auf einen Einzug in ebendieses macht dem Trainer des Berliner SC nur wenig. Bleibt nur die Hoffnung, „dass wir Viktoria vielleicht ein Stück weit überraschend können“.

FC Viktoria Berlin

Benedetto Muzzicato ist zufrieden. Sieben Testspiele hat sein Team, der FC Viktoria 1889 Berlin, in der Vorbereitung bestritten, sieben Mal gingen die Lichterfelder als Sieger vom Feld. Bei der Generalprobe am Dienstag gegen die Reinickendorfer Füchse stand das Endergebnis, ein 3:0, bereits vor der Halbzeitpause fest. „Ich glaube, das war noch mal ein gutes Zeichen. Gerade, wenn man wie wir den Kader so durchgetauscht hat“, resümiert der Trainer des Regionalligisten in einem Telefonat. Sieben Abgängen standen zuletzt zehn Zugänge gegenüber, der Kader, der im Vorjahr einmal komplett auf links gedreht wurde, wurde noch einmal verfeinert. „Wir haben dieses Mal besonders darauf geachtet, dass der Charakter der Neuzugänge auch zu unserer Mannschaft passt, das war uns wichtig. In diesem Sinne haben wir genau die richtigen Jungs geholt“, erklärt Muzzicato, der Viktoria seit einem Jahr trainiert.

Der 41-Jährige war selbst beinahe ein wenig verblüfft, dass sich die Saisonvorbereitung in Lichterfelde trotz der Corona-Krise gar nicht mal so sehr von der im letzten Jahr unterschied. Dank einer Sondergenehmigung durfte der Viertligist von Anfang an unter Vollkontakt trainieren. Lediglich in der Kabine und auf dem Vereinsgelände mussten Spieler und Verantwortliche Abstand halten und Schutzmasken tragen.

Notwendig war das allerdings auch, weil nur eine Woche nach dem Pokalhalbfinale bereits die neue Regionalliga-Saison startet. Ist das Pokalspiel da etwa nur ein etwas hochkarätigeres Vorbereitungsspiel? „Nein“, bekräftigt Muzzicato, „wir nehmen die Partie mehr als ernst. Das ist ein wichtiges Spiel für den gesamten Klub, wir wollen auch diesmal den Pokal gewinnen und im DFB-Pokal mitspielen.“

In diesem Zusammenhang missfällt dem gebürtigen Bremerhavener fast ein wenig die Tatsache, dass Viktoria gegen den sechstklassigen Berliner SC klarer Favorit ist. „Wir müssen aufpassen, dass wir trotzdem mit einer gewissen Lockerheit ins Spiel gehen, mit dieser Leichtigkeit, die wir zuletzt in den Testspielen auf den Platz gebracht haben.“ Was bei einem Gegner, den Muzzicato als „sehr, sehr unangenehm“ einschätzt, gar nicht mal so einfach ist. „Die haben den Heimvorteil und bisher habe ich nicht viel Gutes von ihrem Rasenplatz gehört“, befürchtet der Trainer der Lichterfelder.