Berlin - In den vergangenen 13 Jahren ist die Nachricht, in der der Landessportbund Berlin (LSB) die Statistik seiner Mitglieder veröffentlicht hat, immer mit einer positiven Schlagzeile versehen gewesen. In diesem Jahr ist das anders: Die Mitgliederzahl stieg nicht. Sie fiel. Im ersten Jahr der Corona-Pandemie hat der organisierte Sport in Berlin 33.117 Mitglieder eingebüßt. Zum 1. Januar 2021 sind nach der LSB-Statistik 662.076 Menschen in den Berliner Sportvereinen organisiert. Das bedeutet einen Rückgang von 4,76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aufgeschlüsselt nach Sportarten verbucht der Berliner Turn- und Freizeitsportbund die meisten Mitgliederverluste. 16.220 Menschen weniger als noch vor einem Jahr nutzen Angebote wie Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin, Aerobic oder Tanzen, die wegen den Auflagen der Pandemie derzeit allerdings höchstens online stattfinden können. Deutliche Mitgliederverluste verzeichnen auch der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin (-4839), der Schwimm-Verband (-3841), der Judo-Verband (-1213), der Volleyball-Verband (-1081) sowie der Box-Verband (-561).

Knapp 29 Prozent Mitgliederrückgang bei Null- bis Sechsjährigen

Zum 1. Januar 2020 waren noch 695.193 Menschen in Berliner Sportvereinen organisiert. Ohne die Pandemie hätten die Sportvereine in der wachsenden Stadt wohl die 700.000er-Marke geknackt. „Wir sind auf der einen Seite sehr dankbar, dass der überwältigende Teil der Mitglieder seinen Vereinen trotz der ausgefallenen Angebote die Treue gehalten hat“, sagt LSB-Präsident Thomas Härtel. Auf der anderen Seite brauche Berlin dringendst Öffnungen für mehr Sport, nicht nur für die Vereinsmitglieder, „sondern auch als unverzichtbares Angebot zur Gesundheitsförderung und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt“.

Die größten Rückgänge verzeichnet der Sport bei Verbänden mit Sportarten, die im Innenbereich stattfinden und bei den Kontaktsportarten. Gravierend ist der Rückgang der Mitgliedschaften in den Altersgruppen der Null- bis Sechsjährigen. Dort sind mit einem Rückgang von 12.087 Mitgliedschaften (-28,95 Prozent) die meisten Austritte zu verzeichnen. Dort also, wo die Kooperationen der Vereine mit den Kitas seit nun fast einem Jahr nicht mehr stattfinden können.

Berlin ist negativer Vorreiter bei der Altersbeschränkung

Auch in der Altersgruppe zwischen sieben und 14 Jahren ist der Rückgang überdurchschnittlich. „Die Pandemie hat auch die natürliche Fluktuation zwischen Aus- und Eintritten unterbrochen. Der Mitgliederrückgang gerade bei den Kindern und Jugendlichen muss besonders zu denken geben“, bekräftigt Härtel, der es umso unverständlicher findet, dass der Senat entgegen den Beschlüssen der vergangenen Ministerpräsidentenkonferenz 13- und 14-jährigen Kindern als einziges Bundesland Sportangebote verwehrt.