Franz Beckenbauer mag noch immer der größte deutsche Fußballspieler aller Zeiten sein. Der „Kaiser“ hatte ja nicht nur ein feines Füßchen und eine Ausstrahlung, die ihresgleichen suchte, nein, mit seinem ungenierten Auftreten gab er seinen Landsleuten immer wieder zu verstehen, dass man sich auch als Deutscher in aller Öffentlichkeit selbstbewusst geben darf.

Der beste, weil erfolgreichste deutsche Fußballspieler aller Zeiten ist allerdings ein anderer, nämlich Toni Kroos. Der 32-Jährige ist Weltmeister. Er hat fünfmal die Champions League (mit Real Madrid), dreimal die spanische (mit Real Madrid), dreimal auch die deutsche Meisterschaft (mit Bayern München), insgesamt 29 Titel gewonnen. Wobei er ja nie nur ein Mitläufer, sondern mit seinem einzigartigen Spiel stets eine prägende Figur war. Und das nicht als Abwehrchef, Torjäger oder als typischer Spielmacher, sondern als eine Art Spielertrainer. Auf geniale Weise vereinfacht er mit seinen Pässen das Spiel für seine Kollegen, gibt die Richtung und das Tempo vor. Noch Fragen?

ZDF-Interview endet in einem Desaster

Klar, Nils Kaben, der eigentlich doch eher harmlose Field-Reporter des ZDF, hatte am Sonnabendabend nach dem Champions-League-Triumph von Real Madrid über den FC Liverpool gleich ein paar Fragen mit aufs Feld zum Sieger-Interview mit Toni Kroos gebracht. Und was mit einer netten Glückwunsch-Bekundung begann, endete für Kaben in einem Desaster.

Kaben fragte: „War das überraschend für Sie, dass Real Madrid doch ganz schön in Bedrängnis geraten ist?“ Kroos antwortete: „Du hattest jetzt 90 Minuten Zeit, Dir vernünftige Fragen zu überlegen, ehrlich. Und jetzt stellst Du mir zwei solche Scheiß-Fragen. Das finde ich Wahnsinn!“ Und war dann nicht mehr zu halten, löste sich aus dem Interview mit einem „Hör auf, ich geh lieber weg ...“, um aus dem Off noch Folgendes zum Besten zu geben: „Ganz schlimm, ganz schlimm, wirklich ... Du stellst erst drei negative Fragen, da weißt Du doch schon, dass Du aus Deutschland kommst.“

Gehört sich das? Natürlich nicht, weil Kaben bestimmt nichts Böses im Sinn hatte. Allerdings wurde dabei offenbar, wie sehr es Kroos noch immer schmerzt, dass man ihn in Deutschland nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 und nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 zuvorderst an den Pranger gestellt, sogar als „Querpass-Toni“ verunglimpft hatte. Noch vor dem damaligen Bundestrainer Joachim Löw, der die Blamagen mit seinem fehlerhaften Coaching im Endeffekt doch zu verantworten hatte.

In diesem Zusammenhang kommt einem Bernd Schuster in den Sinn, der womöglich genialste deutsche Fußballer aller Zeiten, gefeiert in der Fremde als begnadeter Könner in dementsprechend elegischen Hymnen, missachtet in der Heimat als selbstverliebter Exzentriker. Aber das ist eine andere Geschichte.