Dortmund - Marco Reus hockte wie ein Häufchen Elend auf der Bank, Mats Hummels nahm einen Schluck aus der Flasche und blickte fassungslos auf die leeren Ränge. „Das ging gnadenlos schief“, stellte der Abwehrchef von Borussia Dortmund nach dem peinlichen 1:5 (1:1) gegen den frechen Aufsteiger VfB Stuttgart bei Sky fest: „Wir haben uns im Minutentakt ins eigene Fleisch geschnitten.“

Der BVB, der nach der dritten Heimpleite in Folge in der Fußball-Bundesliga den eigenen Ansprüchen weit hinterherläuft, offenbarte enorme Unzulänglichkeiten. „Wir legen ihnen die Tore reihenweise auf“, klagte Hummels, „das sind Ballverluste, die nicht passieren dürfen.“ Kapitän Reus ging in seiner Analyse noch weiter: „Wir laufen nur hinterher. Wir sind keine Mannschaft, die gut verteidigen kann, das muss man ganz klar sagen.“ Trainer Lucien Favre sprach von einer „Katastrophe“, die wieder allerlei Diskussionen über seine Zukunft als BVB-Coach zur Folge haben wird.

Dank teilweise haarsträubender Fehler der Dortmunder im Spielaufbau trafen Silas Wamangituka (26., Foulelfmeter/53.), Philipp Förster (60.), Tanguy Coulibaly (63.) und Nicolas Gonzalez (90.+1) für den starken Aufsteiger, der auch im sechsten Auswärtsspiel in dieser Saison ungeschlagen blieb und erstmals seit 13 Jahren wieder in Dortmund gewann. Giovanni Reyna (39.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen. „Es war ein mega Spiel, es hat mega Spaß gemacht", sagte Förster, „das ist ein geiler Sieg.“ Der BVB kassierte erstmals seit 2009 fünf Gegentore in einem Bundesliga-Heimspiel.

Mutig auftretende Gäste

Favre änderte sein Team im Vergleich zum Champions-League-Erfolg bei Zenit St. Petersburg (2:1) auf sechs Positionen. Die zuletzt angeschlagenen Raphael Guerreiro und Manuel Akanji kehrten in die Startelf zurück. Trotz der Wechsel war dem BVB die hohe Belastung der vergangenen Wochen deutlich anzumerken. Gegen die flinken Schwaben kamen die Gastgeber immer einen Schritt zu spät. Die Dortmunder liefen gegen die mutig auftretenden Gäste nur hinterher. Torhüter Roman Bürki musste bei einem Freistoß von Borna Sosa sein ganz Können aufbieten (7.).

Sechs Minuten später wäre wohl auch der Schweizer machtlos gewesen, doch der starke Coulibaly verfehlte knapp. Dortmund fand nach einer Viertelstunde etwas besser ins Spiel, wurde dann aber ausgekontert. Nationalspieler Emre Can brachte den frei vor Bürki auftauchenden Mateo Klimowicz zu Fall, Wamangituka verwandelte den Elfmeter sicher.

Stuttgart blieb auch danach am Drücker, verpasste es in dieser Phase aber nachzulegen. Coulibaly setzte sich im Strafraum gegen drei Dortmunder durch und scheiterte an Bürki, den Nachschuss setzte Klimowicz freistehend drüber (30.). Acht Minuten später parierte Bürki gegen Klimowicz stark.

Aus dem Nichts fiel der Dortmunder Ausgleich. Einen langen Pass von Guerreiro nahm Reyna technisch stark an und vollendete mit viel Gefühl. Das Unentschieden zur Halbzeit war für den BVB allerdings äußerst schmeichelhaft.

Nach dem Wechsel änderte sich kaum etwas. Dem Spiel des BVB mangelte es weiterhin an Tempo und Ideen. Zudem war es fehlerhaft. Vor dem erneuten Rückstand vertändelten Guerreiro und Jude Bellingham den Ball. Wamangituka traf wie schon in der vergangenen Woche beim Sieg in Bremen (2:1) doppelt. Der BVB fiel danach völlig auseinander. Zwischen Försters 3:1 und Coulibalys 4:1 traf Klimowicz noch den Pfosten (62.).