Die Einsicht kam spät bei Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
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MünchenDass es eine besondere Pressekonferenz werden würde, stand ohnehin fest. Zusätzliches Gewicht bekam sie, weil neben Trainer Hansi Flick auch Karl-Heinz Rummenigge am Freitagmittag in den Medienraum trat. Was Bayern Münchens Vorstandschef verkündete, verschärfte die Debatte um die zunächst geplante Durchführung der Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga an diesem Wochenende in der ohnehin großen allgemeinen Aufregung um das Coronavirus allerdings weiter.

Der Beschluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) sei „der richtige Weg“, befand Rummenigge, ehe die DFL am Freitagnachmittag doch alle Spiele der Ersten und Zweiten Liga absagte, nur wenige Stunden nach ihrer ursprünglichen Mitteilung, dass gespielt werde. Ersteres hatte Rummenigge zuvor für „sinnvoll“ erachtet und seine Meinung mit einem Satz begründet, der nicht nur dem Bayern-Boss in der Außendarstellung doch erheblichen Schaden zufügte: „Es geht natürlich am Ende des Tages auch im Profifußball um Finanzen.“ Doch deren Gewicht genügte am Ende doch nicht, um sich über die höherrangigen Gesundheitsfragen und Allgemeininteressen hinwegzusetzen.

Rummenigge sieht Probleme für kleine Vereine

Es stehe durch eine noch nicht ausgeführte Zahlung der TV-Broadcaster in Deutschland „ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die gesamte Erste und Zweite Liga im Feuer“, hatte Rummenigge erklärt, „und wenn diese Zahlung ausbleiben würde, wäre zu erwarten, dass zumindest viele, viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme kriegen würden.“

Es kann sein, dass erst im Oktober wieder gespielt wird, das weiß doch keiner.

Uli Hoeneß

Wegen der zunehmenden Ausbreitung der Corona-Infektionen wurden viele Sportveranstaltungen weltweit bereits abgesagt, von der Formel 1 über die großen und kleinen Fußball-Ligen Europas bis hin zu zahlreichen weiteren Sportarten. Die beiden Fußball-Bundesligen sollten zunächst auf Geheiß der DFL zumindest an diesem Wochenende noch einen Spieltag durchführen, ehe vorerst bis zum 2. April pausiert werden soll, also bis nach den eigentlich vorgesehenen Länderspielterminen. Er sei „sehr skeptisch“, ob diese Pause ausreiche, sagte Rummenigge, zudem würde er „dringend empfehlen, dass die Fifa und Uefa diese Abstellungsperiode ausfallen lässt“ und damit die geplanten Länderspiele.

Am Sonntag meldete sich schließlich auch Uli Hoeneß zu Wort.   Im Lichte der Corona-Krise warnte der ehemalige Bayern-Präsident vor überhöhten Erwartungen an die DFL-Mitgliederversammlung am Montag. „Die Sitzung ist richtig, aber man kann da doch fast nichts beschließen, wo man nicht weiß, wie viele Fälle es diese oder nächste Woche gibt“, sagte er während einer Telefonschalte im Sport1-Doppelpass. Der 68-Jährige ergänzte: „Wir müssen erst mal der Realität ins Auge sehen und vier Wochen lang alles auf null stellen.“ Erst wenn die Infektionszahlen sinken würden, könne man darüber nachdenken, wann die Fußball-Bundesliga zum Spielbetrieb zurückkehre, dieser ließ sich ohnehin innerhalb eine Woche organisieren. „Es kann sein, dass erst im Oktober wieder gespielt wird, das weiß doch keiner“, sagte Hoeneß.

Hoeneß warnt vor Scharlatanerie

Andere Prognosen hält der langjährige Patron des FC Bayern für unseriös, diese seien „Schaumschlägerei“ oder „Scharlatanerie“, zudem mache eine EM im Sommer unter den gegebenen Umständen „überhaupt keinen Sinn. Ich halte es für richtig, dass der nationale Wettbewerb und die Champions League Priorität haben“, sagte Hoeneß.

Hoeneß wies darauf hin, dass für eine solche Ausnahmesituation „kein Handbuch und kein schlauer Professor“ existiere: „Wir sollten die Probleme des Fußballs wichtig nehmen, aber es gibt auch andere Menschen auf der Welt. Die Gesellschaft muss einigermaßen gesund aus der Krise herauskommen.“

Überdies sprach sich der frühere Bayern-Präsident und -Manager für eine Solidaritätswelle aus - nicht nur im Sport. „Die Großen müssen den Kleinen helfen, die Deutschen müssen den Italienern helfen und so weiter. Das ist eine einmalige Chance, sich in ganz Europa zu solidarisieren“, sagte Hoeneß, der die deutsche Politik für ihr Handeln lobte, die Verantwortlichen wie Gesundheitsminister Jens Spahn machten „ein sensationellen Job“.