Der deutsche Fußball in der Krise: Es geht um mehr als die Nationalmannschaft

Nachdem sich der DFB und Oliver Bierhoff getrennt haben, steht mit Donata Hopfen die nächste Führungskraft im deutschen Fußball vor dem Abschied – zu Recht. Ein Kommentar aus Katar.

Oliver Bierhoff (l.) ist bereits nicht mehr im Amt – DFB-Präsident Bernd Neuendorf (r.) und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke (2. v. l.) haben aber noch weitere personelle Entscheidungen zu treffen.
Oliver Bierhoff (l.) ist bereits nicht mehr im Amt – DFB-Präsident Bernd Neuendorf (r.) und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke (2. v. l.) haben aber noch weitere personelle Entscheidungen zu treffen.dpa/Federico Gambarini

Es steht gerade nicht gut um den deutschen Fußball. Die große Geschichte ist jene, die in der Wüste Katars vor den Augen der Weltöffentlichkeit begann und am Mittwoch in Deutschland hinter verschlossenen Türen fortgesetzt wird. Es geht in einer Männerrunde um die Zukunft der Nationalmannschaft. Durch die Performance bei der WM und durch die fordernden Worte ihres Präsidenten sahen sich Hansi Flick und Oliver Bierhoff in die Defensive gedrängt.

Erste Konsequenz: Aus der Vierer- ist am Montagabend eine Dreierrunde geworden – nach 18 Jahren haben sich der DFB und Bierhoff getrennt. Zumindest Flick bleibt die Chance, sich klug aus der Abwehr herauszuspielen.

Trennung von Oliver Bierhoff ist ein Zeichen für die politische Verantwortung

Liga-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke wird darüber noch mehr als Verbandschef Bernd Neuendorf wachen, ehe am Freitag in einer Präsidiumssitzung über das Urteil beraten wird. Das von Bierhoff wurde bereits gefällt. Die Trennung ist ein Zeichen dafür, dass er die politische Verantwortung für das Darben des vormaligen Aushängeschilds des deutschen Fußballs übernimmt.

Die kleine Geschichte hinter der großen Geschichte ist in Wahrheit die viel gewichtigere. Es geht dabei nicht nur um eine Mannschaft, die bloß alle paar Jahre mal Bedeutung erlangt und viel von ihrer gesellschaftlichen Anerkennung verloren hat. Sondern um die ganze Bundesliga, um 36 Klubs, um vier bis fünf Milliarden Euro Umsatz pro Saison.

Es steht zu erwarten, dass noch in dieser Woche nach der höchstrangigen operativen DFB-Führungskraft Bierhoff auch die Chefin der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Donata Hopfen, ihren Schreibtisch räumen muss. Nach weniger als einem Jahr im Job. Der DFL-Aufsichtsrat tagt ebenfalls Mittwoch.

An dessen Vorsitzendem Watzke – vor dreieinhalb Jahren noch entnervt vorzeitig von der Ligaversammlung aus Berlin abgereist, weil ihm ein Sitz im Präsidium verwehrt blieb – geht keine große Entscheidung mehr vorbei. Das Epizentrum des deutschen Fußballs sitzt nicht mehr in München oder Frankfurt, sondern in Dortmund.

Die vormalige Springer-Frau Donata Hopfen wurde noch von Watzkes Vorgänger Peter Peters rekrutiert. Das ist jener Mann, der in diesen Wochen als Fifa-Regierungsmitglied auf den weichen Sessel zwischen den Scheichs hockt. Das Verhältnis zum DFB und dessen Präsidenten Neuendorf, dem Peters im März in einer Kampfabstimmung unterlag, könnte schlechter kaum sein.

Donata Hopfen ist der Aufgabe als DFL-Chefin nicht gewachsen

Alphatier Watzke, 63, stellte bald fest, dass die Neue der großen Aufgabe als Nachfolgerin von Christian Seifert nicht gewachsen ist. Ihr erstes großes Interview geriet zur Peinlichkeit, als die 46-Jährige einen Bundesliga-Supercup in Saudi-Arabien nicht von vorne herein ausschloss. Watzke musste da schon Scherben zusammenkehren. Ihr Verhältnis zu Mitarbeitenden und Medien begann verkrampft und blieb es, Führungskräfte verließen die DFL, es mangelt der Digitalexpertin an Fußballkompetenz, eine Kommunikationsstrategie ist nicht erkennbar. Sie schien sich fremd zu fühlen im Männerbund, dem auch sie fremd blieb. Ihr WM-Besuch in Katar: kurz und nahezu geheim. Die dürre Botschaft: Der Sport müsse im Mittelpunkt stehen.

In die Gespräche mit Flick und Bierhoff wurde sie schon nicht mehr eingebunden. Die Personalie ist längst zum beidseitigen Missverständnis geworden. Hopfen hinterlässt keine Lücke. Einer notwendigen Entwicklung von Frauen in Führungspositionen des deutschen Fußballs hat ihre bald verkürzte Amtsperiode einen Bärendienst erwiesen.